Ohne Anklage in Haft
Karte des Sudan
© United Nations
Sechs ehemalige Studenten der Universität Khartum werden ohne Anklage in Haft gehalten, nachdem sie am 23. April bei einer Protestveranstaltung gegen den Verkauf von Universitätsgebäuden vom sudanesischen Geheimdienst NISS festgenommen worden waren. Ihnen drohen Folter und andere Misshandlungen.
Appell an
PRÄSIDENT
HE Omar Hassan Ahmad al-Bashir
Office of the President
People's Palace
PO Box 281, Khartoum
SUDAN
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
JUSTIZMINISTER
Awad Al Hassan Alnour
Ministry of Justice
PO Box 302, Al Nil Avenue
Khartoum, SUDAN
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Sende eine Kopie an
INNENMINISTER
Ismat Abdul-Rahman Zain Al-Abdin
Ministry of Interior
PO Box 873
Khartoum
SUDAN
BOTSCHAFT DER REPUBLIK SUDAN
S. E. Herrn
Badreldin Abdalla Mohamed Ahmed A. Alla
Kurfürstendamm 151
10709 Berlin
Fax: 030-890 69 823
E-Mail: info@sudanembassy.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 10. Juni 2016 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
LUFTPOSTBRIEFE ODER E-MAILS MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
-
Bitte sorgen Sie dafür, dass Mohamed Farouk, Murtada Eltuhami, Ibrahim Abu Samara, Hassan Mahmoud, Nazim Abdelrahim und Ammar Hassan umgehend und bedingungslos freigelassen werden, wenn sie nicht unverzüglich einer international als Straftat anerkannten Handlung angeklagt werden.
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Gewähren Sie den Männern bitte Zugang zu Rechtsbeiständen, ihren Familien und jeder nötigen medizinischen Behandlung.
- Sorgen Sie bitte dringend dafür, dass die Männer nicht gefoltert oder anderweitig misshandelt werden, und dass die von den freigelassenen Personen erhobenen Folter- und Misshandlungsvorwürfe untersucht werden.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Urging the Sudanese authorities to ensure that Mohamed Farouk, Murtada Eltuhami, Ibrahim Abu Samara, Hassan Mahmoud, Nazim Abdelrahim and Ammar Hassan are either charged with a recognizable offence or are immediately and unconditionally released.
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Calling on the authorities give all six detainees access to lawyers, to medical treatment and to their families.
- Urging them to ensure that the detainees are not subjected to torture or any ill-treatment and investigate the allegations of torture and ill-treatment reported by those released.
Sachlage
Am 23. April um 14.00 Uhr protestierten zahlreiche ehemalige Studierende der Universität Khartum gegen den Verkauf von Universitätsgebäuden. Die Protestveranstaltung wurde aus Solidarität mit Universitätsstudierenden abgehalten, die zwischen dem 11. und 14. April ähnliche Proteste organisiert hatten. Der sudanesische Geheimdienst (National Intelligence Security Service – NISS) nahm 19 Protestierende (13 Frauen und 6 Männer) vor der Universität fest und brachte sie zu der NISS-Niederlassung in Khartum-Nord nahe des Busbahnhofes Shendi, wo sie inhaftiert wurden. Bis auf sechs Männer sind mittlerweile alle Festgenommenen wieder freigelassen worden. Die freigelassenen Personen berichteten, im Gewahrsam gefoltert und anderweitig misshandelt worden zu sein.
Bei den sechs inhaftierten Männern handelt es sich um: Mohamed Farouk, 45-jähriger Bauingenieur und stellvertretender Vorsitzender der National Sudanese Alliance Party; Murtada Eltuhami, Agraringenieur und Assistent des Generalsekretärs der Umma-Partei; Ibrahim Abu Samara, Bauingenieur und Vorsitzender der Vereinigung der Absolventen der Universität Khartum; und die Bauingenieure Hassan Mahmoud, Nazim Abdelrahim und Ammar Hassan. Die Männer sind bisher weder angeklagt noch einer zuständigen Justizbehörde vorgeführt worden. Sie sind in Gefahr, gefoltert und anderweitig misshandelt zu werden.
Hintergrundinformation
Amnesty International hat zahlreiche Berichte über ein verschärftes Vorgehen des Geheimdienstes NISS und der Polizei gegen die Aktivitäten von politischen Aktivist_innen und Studierenden erhalten. Das 2010 verabschiedete Gesetz über die nationale Sicherheit räumt dem NISS umfassende Befugnisse zur Festnahme und Inhaftierung mutmaßlich verdächtiger Personen ein; diese können dann bis zu viereinhalb Monate lang ohne gerichtliche Überprüfung festgehalten werden. Angehörige des NISS setzen diese Befugnisse häufig ein, um Personen willkürlich festzunehmen, zu inhaftieren, zu foltern und anderweitig zu misshandeln. Dasselbe Gesetz gewährt NISS-Angehörigen Schutz vor Strafverfolgung für im Zuge ihrer Arbeit begangene Handlungen. Dies hat zu einer fest etablierten Kultur der Straflosigkeit geführt. Am 5. Januar 2015 wurden durch das Parlament einige Verfassungsänderungen verabschiedet, welche die Lage noch verschärft haben. Die Verfassungsänderungen gestehen dem NISS weitreichende Befugnisse zu, in die Bereiche Politik, Wirtschaft und Soziales einzugreifen.
Seit drei Wochen kommt es an etwa zehn sudanesischen Universitäten immer wieder zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Studierenden und der Polizei. Im ganzen Land sind bereits zahlreiche Studierende festgenommen worden. Der 20-jährige Mohamad Al Sadiq Yoyo, ein Kunststudent im zweiten Studienjahr an der Al-Alhila-Universität in Omdurman, wurde am 27. April von Angehörigen des NISS erschossen. In von Amnesty International eingesehenen medizinischen Unterlagen heißt es, der Student habe eine Schussverletzung in der linken Brust aufgewiesen. Der Vorfall ereignete sich bei einer öffentlichen Veranstaltung der internationalen Organisation Nuba Mountains Association an der Al-Alhila-Universität in Omdurman. Drei weitere Studierende wurden dabei verletzt. In der Woche vom 18. April 2016 wurde der Student Abubakar Hassan Mohamed Taha an der Universität Kordofan von Angehörigen des NISS erschossen. Dies führte zu landesweiten Studierendenprotesten gegen die Regierung. Insgesamt sind seit Januar dieses Jahres an Universitäten im ganzen Land drei Studierende getötet worden.
Am 23. April entließ der NISS die beiden studentischen Aktivisten Ibrahim Yahya Omer und Mohamed Adam Shahtallah ohne Anklage aus der Haft. Bader Al Deen Salah Mohamed wurde ebenfalls freigelassen, allerdings unter Paragraf 182 des Strafgesetzbuchs von 1991 wegen Sachbeschädigung angeklagt. Zwei weitere Studierende, Ahmed Al-Mujtaba und Ahmed Zuhair Dawd, befinden sich nach wie vor in Haft. Ahmed Zuhair Dawd wurde im Gewahrsam gefoltert; dabei brach man ihm die Nase. Diese fünf Studierenden waren im Rahmen von Protesten an der Universität Khartum festgenommen worden. Die Proteste hatten am 11. April als Reaktion auf Berichte begonnen, wonach die Regierung plante, einige Universitätsgebäude zu verkaufen. Sie dauerten bis zum 14. April an.