Journalisten bedroht

Gerardo Chévez, ein Journalist, der bereits am 21. April Morddrohungen erhalten hat, ist am 28. April von zwei Männern auf einem Motorrad verfolgt worden. Außerdem wurden Schüsse vor seinem Zuhause abgefeuert. Darüber hinaus hat noch ein weiterer Journalist Amnesty International über Morddrohungen berichtet, die er in den vergangenen Wochen erhalten hat.

Appell an

STAATSPRÄSIDENT
Sr. Porfirio Loba Sosa
Presidente de la República
Casa Presidencial, Boulevard Juan Pablo Segundo
Palacio José Cecilio del Valle
Tegucigalpa, HONDURAS
(korrekte Anrede: Dear President)
Fax: (00 504) 232 1666

GENERALSTAATSANWALT
Sr.Luis Alberto Rubí, Fiscal General de la República
Lomas del Guijarro, Avenida República Dominicana
Edificio Lomas Plaza II
Tegucigalpa, HONDURAS
(korrekte Anrede: Dear Attorney General)
Fax: (00 504) 221 5667

Sende eine Kopie an

ÖRTLICHE NICHTREGIERUNGSORGANISATION
Comité de Familiares de Detenidos Desaparecidos en Honduras (COFADEH)
Barrio La Plazuela, Avenida Cervantes,
Casa No. 1301, Apartado Postal 1243
Tegucigalpa
HONDURAS
Fax: (00 504) 220-5280
(wenn jemand abhebt, sagen Sie: "tono de fax")

BOTSCHAFT DER REPUBLIK HONDURAS
S.E. Herrn Roberto Augusto Martinez Castañeda
Cuxhavener Straße 14
10555 Berlin
Fax: (030) 3974 9712
E-Mail: informacion@embahonduras.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 11. Juni 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.

Sachlage

Am Morgen des 28. April 2010 wurde Ricardo Oviedo Reyes, Fernsehjournalist und Vorsitzender des Verbandes der Medienschaffenden von Colón (Asociación de Comunicadores de Colón) im Nordosten des Landes, von zwei Männern auf einem gelben Motorrad ohne Nummernschild verfolgt. Der Journalist kam gerade aus einer Besprechung und war auf dem Weg nach Hause. Ricardo Oviedo Reyes war so verängstigt, dass er sein Motorrad anhielt und Zuflucht in dem Büro einer Nichtregierungsorganisation suchte anstatt nach Hause zu fahren. Am Vorabend waren bereits Schüsse vor seiner Wohnung abgefeuert worden, und dieselben Männer waren ihm bereits zuvor nach Hause gefolgt und immer wieder an seiner Wohnung vorbeigefahren. Am 21. April hatte Ricardo Oviedo Reyes außerdem telefonische Morddrohungen erhalten.

Amnesty International sind darüber hinaus erst kürzlich Berichte über Drohungen gegen einen weiteren Journalisten zugegangen. Gerardo Chévez hat am 14. April Morddrohungen per SMS erhalten. Er arbeitet als Reporter für den Radiosender Radio Progreso, der in der Stadt El Progreso im Norden Honduras sitzt. In der SMS, in der auch auf die Ermordung des Radiojournalisten Luis Antonio Chévez Hernández verwiesen wurde, der am Vortag im Norden der Stadt San Pedro Sula getötet worden war, hieß es: "Bald sind wir mit den Chévez’ fertig. Danach sind die Priester dran." Gerardo Chévez ist nicht mit Luis Antonio Chévez Hernández verwandt, beide tragen aber denselben Nachnamen. Der Leiter des Radiosenders ist der Jesuitenpater Padre Ismael Moreno.

Bereits am 29. März hat Gerardo Chévez eine SMS erhalten, in der stand: "Ha ha ha, wir machen die Journalisten fertig, die so einen Müll reden wie du." Gerardo Chévez hat in jüngster Zeit über eine Reihe von Veranstaltungen der Widerstandsbewegung berichtet, ebenso wie über mutmaßliche Korruptionsvorfälle in der Region.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Am 1. März wurde in Tegucigalpa der 26-jährige Student und Journalist Joseph Hernandez Ochoa erschossen, sein Kollege Carol Cabrera trug bei dem Vorfall Verletzungen davon. Am 11. März töteten Unbekannte den Radiojournalisten David Meza Montesinos; sie folgten seinem Auto und erschossen ihn. Er hatte zum Thema Drogenhandel recherchiert und über mehrere Wochen telefonische Drohungen erhalten. Drei Tage später wurde Nahúm Palacios, der Nachrichtendirektor des Fernsehsenders Channel 5 ermordet, als er durch die Stadt Tocoa im Departement Colón fuhr. Er hatte sich mit einem Landkonflikt in der Region Aguán beschäftigt und ebenfalls über Drogenhandel berichtet. Bereits am 24. Juni 2009 hatte die Interamerikanische Menschenrechtskommission die honduranischen Behörden aufgefordert, ihm umgehend Schutz zu gewähren, aber die Behörden kamen der Aufforderung nicht nach. Victor Manuel Juárez und Jose Bayardo Mairena, zwei Mitarbeiter der Nachrichtensendung Asi es olancho, deren Redaktion ihren Sitz im Departement Olancho im Osten von Honduras hat, wurden am 27. März erschossen. Sie waren auf einer Straße in Olancho mit dem Auto unterwegs, als aus einem anderen Fahrzeug Schüsse auf sie abgefeuert wurden.

Nach dem Putsch vom 28. Juni 2009 schlossen und besetzten Angehörige des Militärs die Büros mehrerer Medienunternehmen und gingen mit Gewalt vor allem gegen JournalistInnen vor, die Recherchen über die organisierte Kriminalität anstellten. MenschenrechtsverteidigerInnen und KritikerInnen des Putsches wurden bedroht und eingeschüchtert.

Am 27. Januar 2010 übernahm eine neue Regierung unter Präsident Porfirio Lobo die Amtsgeschäfte. Nach den tödlichen Anschlägen auf sechs Journalisten innerhalb von nur zwei Monaten ist sie nun gefordert, unverzüglich Maßnahmen zum Schutz bedrohter JournalistInnen zu ergreifen, weitere Anschläge zu verhindern und die für die bereits verübten Morde Verantwortlichen zu ermitteln und vor Gericht zu bringen. Am Tag des Amtsantritts veröffentlichte Amnesty unter dem Titel "Honduras: Recommendations to the new Honduran government following the coup of June 2009" (AMR 37/003/2010) einen Bericht, in dem die während des Staatsstreichs begangenen Menschenrechtsverletzungen dokumentiert werden.