Indigenensprecher getötet, weitere Personen in Gefahr
Lage Kolumbiens
© Amnesty
Im Indigenenreservat Cañamomo Lomaprieta in Kolumbien wurde ein Indigenensprecher bei der Beaufsichtigung von artisanalen Bergbauaktivitäten getötet. Zahlreiche weitere Indigenensprecher_innen des Reservats werden bedroht und sind in Gefahr.
Appell an
PRÄSIDENT
Juan Manuel Santos
Presidente de la República
Palacio de Nariño
Carrera 8, No. 7-26
Bogotá
KOLUMBIEN
(Anrede: Excmo. Sr. Presidente Santos / Dear President Santos /
Sehr geehrter Herr Präsident)
Fax: (00 57) 1 596 0631
GENERALSTAATSANWALT
Eduardo Montealegre
Fiscalía General de la Nación
Diagonal 22B No. 52-01 (Ciudad Salitre)
Bloque C Piso 4
Bogotá
KOLUMBIEN
(Anrede: Estimado Sr. Fiscal General / Dear Attorney General /
Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt)
Fax: (00 57) 1 570 2000 (bei Sprachantwort Durchwahl 2023 wählen)
Sende eine Kopie an
INDIGENENRESERVAT
Resguardo Indígena Cañamomo Lomaprieta
Calle 11 No 11-04
Avenida Las Américas
Ríosucio
Caldas
KOLUMBIEN
BOTSCHAFT DER REPUBLIK KOLUMBIEN
S. E. Herrn Juan Mayr Maldonado
Taubenstr. 23
10117 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: info@botschaft-kolumbien.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 26. Mai 2015 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Ich fürchte um die Sicherheit von Carlos Eduardo Gómez Restrepo, Fabio Moreno Herrera und anderen Indigenensprecher_innen im Indigenenreservat Cañamomo Lomaprieta und bitte Sie dringend, in Absprache mit den Betroffenen umgehend wirksame Maßnahmen zu ihrem Schutz einzuleiten.
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Bitte leiten Sie eine umfassende und unparteiische Untersuchung der Tötung von Fernando Salazar Calvo und der Drohungen gegen andere Indigenensprecher_innern des Indigenenreservats Cañamomo Lomaprieta ein, veröffentlichen Sie die Ergebnisse und stellen Sie die Verantwortlichen vor Gericht.
- Ich fordere Sie auf, die Bemühungen der indigenen Bevölkerung im Indigenenreservat Cañamomo Lomaprieta hinsichtlich der Fortsetzung ihrer eigenen Bergbauaktivitäten im Rahmen ihres Rechts auf Selbstbestimmung und der Bestimmung eigener Entwicklungsstrategien zu respektieren und zu unterstützen, in Übereinstimmung mit den Empfehlungen der UN-Sonderberichterstatterin für die Rechte der indigenen Völker und der Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte der indigenen Völker.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Expressing concern for the safety of Carlos Eduardo Gómez Restrepo, Fabio Moreno Herrera, and other Indigenous leaders in the Cañamomo Lomaprieta Indigenous Reservation, and urging the authorities to guarantee their safety in strict accordance with their wishes.
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Calling on the authorities to order a full and impartial investigation into the killings of Fernando Salazar Calvo and the threats against other Indigenous leaders of the Cañamomo Lomaprieta Indigenous Reservation, publish the results and bring those responsible to justice.
- Urging the authorities to respect and support the Indigenous peoples of the Cañamomo Lomaprieta Indigenous Reservation in their efforts to pursue their own initiatives for resource extraction, as part of their right to self-determination and to set their own strategies for development, in line with recommendations by the UN Special Rapporteur on the Rights of Indigenous Peoples and the UN Declaration on the Rights of Indigenous Peoples.
Sachlage
Am 7. April wurde der Indigenensprecher Fernando Salazar Calvo im Indigenenreservat (Resguardo Indígena) Cañamomo Lomaprieta im Departamento Caldas von einem unbekannten Mann erschossen. Er war Präsident der Bergbaugewerkschaft La Union und Mitglied des Vorstands der Gewerkschaft artisanaler Minenarbeiter des Indigenenreservats Cañamomo Lomaprieta (Asociación de Mineros Artesanales del Resguardo Indigena Cañamomo Lomaprieta – ASOMICARS) in den Gemeinden Ríosucio und Supía im Departamento Caldas. Fernando Salazar Calvo und zahlreiche weitere Indigenensprecher_innen, darunter Carlos Eduardo Gómez Restrepo, der Sprecher von Cañamomo Lomaprieta, und Fabio Moreno Herrera, der Präsident von ASOMICARS, wurden wiederholt bedroht. Im November 2014 hatte das Büro des Ombudsmannes für Menschenrechte in einem Risikobericht gewarnt, dass die Sicherheit der Indigenengemeinschaft von Cañamomo Lomaprieta gefährdet sei.
Fernando Salazar Calvo und weitere Indigenensprecher_innen hatten artisanale Bergbauaktivitäten im Indigenenreservat beaufsichtigt, um diese ggf. einzustellen, sofern sie nicht in Übereinstimmung mit den überlieferten Verfahren und den Empfehlungen und Resolutionen des Indigenenrats (Cabildo) erfolgten. Der Cabildo ist die höchste politische Instanz der indigenen Bevölkerung auf indigenem Territorium. Internationale Bergbauunternehmen haben ebenso wie illegale bewaffnete Akteure versucht, Bergbauaktivitäten in dem Gebiet aufzunehmen. Berichten zufolge sollen sich paramilitärische und Guerilla-Kräfte in der Region aufhalten.
Hintergrundinformation
Seit 50 Jahren kämpfen im bewaffneten Konflikt Kolumbiens Sicherheitskräfte und Paramilitärs gegen verschiedene Guerillagruppen. Trotz des aktuellen Friedensprozesses begehen alle Konfliktparteien nach wie vor schwere Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht sowie andere Menschenrechtsverstöße. Indigene Gemeinschaften haben mit am stärksten unter dem Konflikt zu leiden. Der kolumbianischen Indigenenorganisation ONIC (Organización Nacional Indígena de Colombia) zufolge wurden in den ersten neun Monaten des Jahres 2014 zehn indigene Personen im Zusammenhang mit dem Konflikt getötet und mindestens 2.819 Personen vertrieben.
Das Indigenenreservat (Resguardo Indígena) Cañamomo Lomaprieta in den Gemeinden Ríosucio und Supía im Departamento Caldas wurde im 18. Jahrhundert zur spanischen Kolonialzeit gegründet. Die indigene Gemeinschaft der Embera Chami lebt schon seit Jahrhunderten in der Region. Der indigene Cabildo von Cañamomo Lomaprieta ist für die Kontrolle der Bergbauaktivitäten auf dem Gebiet zuständig. Dies beinhaltet ein Verbot des Einsatzes umweltschädlicher Stoffe sowie des Zugangs und der Investitionen von Personen, die nicht zu der indigenen Gemeinschaft gehören.