Lehrerin erhält Morddrohungen
Eine Lehrerin und Unterstützerin der Opposition, die kritische Artikel über den Putsch vom 28. Juni 2009 veröffentlichte, hat mehrere Morddrohungen erhalten. Einer ihrer Kollegen wurde am 23. März 2010 ermordet. Auch er war ein aktiver Anhänger der Opposition.
Appell an
PRÄSIDENT
Sr. Porfirio Lobo Sosa
Presidente de la República
Casa Presidencial
Boulevard Juan Pablo Segundo
Palacio José Cecilio del Valle
Tegucigalpa
HONDURAS
(korrekte Anrede: Dear President)
Fax: (00 504) 232 1666
GENERALSTAATSANWALT
Sr. Luis Alberto Rubí
Fiscal General de la República
Lomas del Guijarro,
Avenida República Dominicana
Edificio Lomas Plaza II
Tegucigalpa
HONDURAS
(korrekte Anrede: Dear Attorney General)
Fax: (00 504) 221 5667
Sende eine Kopie an
ÖRTLICHE NICHTREGIERUNGSORGANISATION
Comité de Familiares de Detenidos Desaparecidos en Honduras (COFADEH)
Barrio La Plazuela, Avenida Cervantes
Casa No. 1301
Apartado Postal 1243
Tegucigalpa
HONDURAS
Fax: (00 504) 220 5280 (Wenn jemand abhebt, sagen Sie "tono de fax, por favor".)
BOTSCHAFT DER REPUBLIK HONDURAS
S.E. Herr Roberto Augusto Martinez Castañeda
Cuxhavener Straße 14
10555 Berlin
Fax: (030) 3974 9712
E-Mail: informacion@embahonduras.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 28. Mai 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE
-
Fordern Sie die Behörden auf, mit äußerster Dringlichkeit eine gründliche und unparteiische Untersuchung der gegen Rosa Margarita Vargas gerichteten Drohungen und Einschüchterungen anzuordnen.
- Dringen Sie bei den Behörden darauf, in Absprache mit Rosa Margarita Vargas Maßnahmen zu ihrem Schutz einzuleiten.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
-
Urging the authorities to order a thorough and impartial investigation into the threats and acts of intimidation against Rosa Margarita Vargas as a matter if the utmost urgency;
- Urging them to act immediately to give all necessary protection to Rosa Margarita Vargas, in accordance with her wishes.
Sachlage
Als Rosa Margarita Vargas am 6. April 2010 nach der Schule mit ihrem Wagen nach Hause fuhr, rief ihr ein Taxifahrer zu, sie müsse anhalten, es gebe ein Problem mit ihrem Auto. Rosa Margarita Vargas fuhr sofort zu einer Werkstatt, wo der Mechaniker feststellte, dass man den rechten Vorderreifen ihres Autos aufgeschlitzt hatte. Die Schule, an der Rosa Margarita Vargas arbeitet, hatte an diesem Tag das erste Mal wieder geöffnet, nachdem Ende März einer der Lehrer umgebracht worden war.
Ehemalige NachbarInnen erzählten Rosa Margarita Vargas, dass zwei bewaffnete Männer das Haus, in dem sie bis Dezember 2009 gewohnt hatte, am 11. April aufgesucht und nach ihr gefragt hätten. Zwischen dem 9. und dem 12. April erhielt Rosa mehrere Telefonanrufe, in denen sie von einem Mann bedroht wurde. Der Anrufer forderte sie auf, keine Nachforschungen hinsichtlich der Ermordung ihres Kollegen, José Manuel Flores Aguijo, anzustellen. Wenn sie es doch täte oder in der Widerstandsbewegung aktiv bleibe, werde man sie "eliminieren".
Wie Rosa Margarita Vargas Amnesty International berichtete, hatte ihr eine Nachbarin erzählt, dass im Dezember 2009, kurz nachdem sie umgezogen war, drei vermummte Männer in blauen Uniformen, wie sie von der Polizei getragen werden, ihr altes Haus aufgesucht, gegen die Tür getreten und laut nach ihr gerufen hatten. Sie hatten die Nachbarn gefragt, ob Rosa Margarita Vargas noch dort wohne und ob sie wüssten, wo sie hingezogen sei und wo sie arbeite. Noch im selben Monat lockerte man die linken Radbolzen am Auto von Rosa Vargas, das sie vor der Tür ihres neuen Hauses geparkt hatte.
Zwischen Oktober und November 2009 erhielt Rosa Margarita Vargas etwa fünf handschriftliche Morddrohungen, die unter die Scheibenwischer ihres Autos geklemmt waren. Man drohte ihr damit, sie umzubringen, wenn sie nicht aufhören würde, für die Widerstandsbewegung zu arbeiten und Artikel zu schreiben.
Hintergrundinformation
José Manuel Flores Arguijo, ein Kollege von Rosa Margarita Vargas, wurde auf dem Schulhof vor den Augen seiner KollegInnen und SchülerInnen von drei Männern erschossen. Er war ein bekanntes Mitglied der Widerstandsbewegung, eines breit gefächerten Oppositionsbündnisses einzelner Personen und Organisationen, das als Reaktion auf den Putsch vom 28. Juni 2009 entstanden war. Er hatte mehrere Artikel verfasst, in denen er das Vorgehen der De-Facto-Regierung, die durch den Staatsstreich an die Macht gelangt war, kritisierte. Auch nach den Wahlen der derzeitigen Regierung im Dezember 2009 setzte er seine Kritik fort und wies auf soziale Ungerechtigkeiten hin.
Rosa Margarita Vargas schrieb Artikel und Aufsätze, in denen sie den Putsch und zum Teil auch die Rolle, die die Streitkräfte dabei spielten, kritisierte. Vor kurzem hat sie auch einen Artikel über die Ermordung von José Manuel Flores verfasst und auf die Fehler, die es ihrer Meinung nach bei der Untersuchung seines Todes gab, hingewiesen.
Der demokratisch gewählte Präsident von Honduras, José Manuel Zelaya Rosales, wurde am 28. Juni 2009 gestürzt. Der Putsch wurde von einer durch das Militär unterstützten Gruppe von PolitikerInnen verübt, die der ehemalige Vorsitzende des Nationalkongresses, Roberto Micheletti, anführte. Nach dem Umsturz kam es zu weit verbreiteten Unruhen sowie häufigen Zusammenstößen von Polizei und Militär mit den Demonstrierenden. Amnesty International hat die von den De-Facto-Behörden verübten Menschenrechtsverletzungen dokumentiert und über die exzessive Gewalt, mit der gegen die Demonstrierenden vorgegangen wurde, die willkürlichen Festnahmen, die Einschränkungen der Meinungsfreiheit sowie die Bedrohung unabhängiger Angehörigen der Justiz berichtet. Am 27. Januar 2010 hat die neue Regierung unter Porfirio Lobo ihr Amt angetreten.