Hinrichtungstermin

Grafik mit dem Slogan: "Nein zur Todesstrafe!"

Ivan Teleguz soll am 13. April in Virginia hingerichtet werden. Der ukrainische Staatsbürger wurde 2006 zum Tode verurteilt, nachdem man ihn schuldig gesprochen hatte, im Jahre 2001 einen Mord begangen zu haben. Er beteuert weiterhin seine Unschuld.

Appell an

GOUVERNEUR DES BUNDESSTAATES VIRGINIA
Governor Terry McAuliffe
Common Ground for Virginia
P.O. Box 1475, Richmond
VA 23218, USA
(Anrede: Dear Governor / Sehr geehrter Herr Gouverneur)
Fax: (00 1) 804 371 653 1
E-Mail: über die Webseite: https://governor.virginia.gov/constituent-services/communicating-with-the-governors-office/

Sende eine Kopie an

BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
S. E. Herrn John Bonnell Emerson
Pariser Platz 2
10117 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: über
http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort, so dass sie noch vor dem 13. April 2016 ankommen. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch.

Amnesty fordert:

FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich möchte weder den Mord an Stephanie Sipe entschuldigen noch das dadurch verursachte Leid verharmlosen.

  • Bitte stoppen Sie die Hinrichtung von Ivan Teleguz und setzen Sie sich dafür ein, dass sein Todesurteil umgewandelt wird.

  • Ich möchte Sie darauf aufmerksam machen, dass zwei Zeugen ihre Aussagen zurückgezogen haben und einem dritten Hauptzeugen, dem Mann, der Stephanie Sipe getötet hat, mit der Todesstrafe gedroht wurde, um seine Kooperation sicherzustellen.

  • Ich finde es sehr besorgniserregend, dass die Geschworenen vor der Urteilsfindung mit abträglichen und erschwerenden Beweisen gegen den Angeklagten konfrontiert wurden, die auf dessen Beteiligung an einem Mord in Pennsylvania hindeuteten, der so nie stattgefunden hat.

Sachlage

Am 23. Juli 2001 wurde Stephanie Sipe tot in ihrer Wohnung in Harrisonburg im US-Bundesstaat Virginia aufgefunden. Die Polizei verdächtigte Ivan Teleguz, ihren Ex-Freund und Vater ihres Kindes. Ein DNA-Test ergab jedoch, dass Blutspuren, die am Tatort gefunden wurden, nicht von Ivan Teleguz stammten. Die Ermittlungen kamen nicht voran, bis Aleksey Safanov im Jahre 2003 aussagte, Ivan Teleguz habe jemanden mit dem Mord an seiner Ex-Freundin beauftragt. Aleksey Safanov forderte im Gegenzug für seine Informationen, dass er nicht aufgrund von gegen ihn bestehenden Strafanzeigen abgeschoben werde. Der mutmaßliche Auftragsmörder, Edwin Gilkes, wies die Vorwürfe zurück. Nachdem die Polizei ihm mit einer möglichen Anklage wegen Mordes drohte, brachte er sie auf die Spur eines weiteren Verdächtigen: Michael Hetrick. Die Blutspuren am Tatort stimmten mit der DNA von Michael Hetrick überein. Ihm wurde erklärt, dass er nur dann die Todesstrafe umgehen könne, wenn er gegen Ivan Teleguz aussage. Ein Polizist sagte ihm: "Wir sind nicht hier, um dich zu einem Verdächtigen zu machen … Ivan ist der Schuldige, den ich will … Ivan wird es [das Todesurteil] bekommen." Michael Hetrick gab schließlich an, dass er von Ivan Teleguz 2.000 US-Dollar (etwa 1.800 Euro) erhalten habe, um Stephanie Sipe zu töten.

Ivan Teleguz wurde wegen der Beauftragung von Michael Hetrick mit dem Mord an Stephanie Sipe zum Tode verurteilt. Michael Hetrick gab an, von Ivan Teleguz mit dem Mord beauftragt worden zu sein, und entging damit einem Todesurteil. Edwin Gilkes erhielt 50 Jahre Haft für seine Beteiligung an dem Mord, von denen 35 zur Bewährung ausgesetzt wurden. Er hatte ausgesagt, dass Ivan Teleguz ihn mit dem Mord beauftragen wollte, er dies jedoch ablehnte. Zudem erklärte er, dass er gemeinsam mit Michael Hetrick und Ivan Teleguz zur Wohnung des Opfers in Harrisonburg gefahren sei und während der Tat draußen gewartet habe. Edwin Gilkes beschuldigte Ivan Teleguz darüber hinaus, auch an einem weiteren Auftragsmord beteiligt gewesen zu sein, der in Ephrata im Bundesstaat Pennsylvania begangen worden sei. Die Staatsanwaltschaft nutzte diese Beschuldigung, um die Geschworenen dazu aufzurufen, Ivan Teleguz zum Tode zu verurteilen, da dies zeige, wie der Angeklagte "Probleme löst". Aleksey Safanov sagte aus, dass Ivan Teleguz ihm gegenüber zugegeben habe, jemanden mit dem Mord an Stephanie Sipe beauftragt zu haben, um so den Unterhaltszahlungen für das gemeinsame Kind zu entgehen.

In einer eidesstattlichen Erklärung aus dem Jahre 2010 sagte Edwin Gilkes, dass er den Großteil der Aussage, die er vor Gericht gemacht hatte, "erfunden" habe, um der Todesstrafe zu entgehen. Er sagte: "Die Wahrheit ist, dass ich keine Beweise dafür habe, dass Teleguz Hetrick beauftragt hatte." Zudem erklärte er, dass seine Aussage über den Mord in Ephrata nicht stimme. Mittlerweise ist bewiesen, dass dieser mutmaßliche Mord nie stattgefunden hat. Aleksey Safanov hat ebenfalls in einer eidesstattlichen Erklärung ausgesagt: "Ivan hat mir nie gesagt, dass er jemandem mit dem Mord an Stephanie Sipe beauftragt hat, und meine Aussage bei seinem Mordprozess, er habe mir dies gesagt, war gelogen."

2013 wurde ein Beweisaufnahmeverfahren vor einem Bundesrichter abgehalten. Weder Aleksey Safanov noch Edwin Gilkes wurden dabei angehört. Aleksey Safanov war zuvor abgeschoben worden und befand sich damit außerhalb der Gerichtsbarkeit. Edwin Gilkes war gedroht worden, die mit ihm getroffene Abmachung würde aufgehoben werden, wenn er eine andere Aussage mache, als während des Verfahrens. Die Beamt_innen, die Aleksey Safanov und Edwin Gilkes ihren Angaben zufolge zur Abgabe falscher Aussagen gezwungen hatten, stritten jegliches Fehlverhalten ab. Michael Hetrick, dem ebenfalls mit der Aufhebung seiner Abmachung gedroht wurde, machte dieselbe Aussage wie während des Verfahrens. Im Juli 2014 entschied der Bundesrichter, dass Ivan Teleguz seine Unschuld nicht beweisen konnte.

Amnesty International wendet sich ausnahmslos gegen die Todesstrafe, ungeachtet der Schwere und der Umstände einer Tat, der Schuld, Unschuld oder besonderen Eigenschaften des Verurteilten, oder der vom Staat gewählten Hinrichtungsmethode, da sie das in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgeschriebene Recht auf Leben verletzt und die grausamste, unmenschlichste und erniedrigendste aller Strafen darstellt.