Gewerkschafter bedroht
Lage Kolumbiens
© Amnesty
Zwei Gewerkschaftsführer, die Arbeiter einer Kohlemine im Bezirk La Jagua de Ibírico im Departamento César im Nordosten Kolumbiens vertreten, sind mit dem Tod bedroht worden.
Appell an
PRÄSIDENT
Señor Juan Manuel Santos
Presidente de la República
Palacio de Nariño
Carrera 8 No. 7-26
Bogotá
KOLUMBIEN
(Anrede: Estimado Sr. Presidente Santos / Sehr geehrter Herr Präsident / Dear President Santos)
Fax: (00 57) 1 596 0631
ARBEITSMINISTER
Rafael Pardo Rueda
Ministerio de Trabajo
Carrera 14, No. 99-33
Bogotá
KOLUMBIEN
(Anrede: Estimado Sr. Ministro Rueda / Sehr geehrter Herr Minister / Dear Minister Rueda)
Fax: (00 57) 1 489 3900, Durchwahl 2320
Sende eine Kopie an
GEWERKSCHAFT
SINTRAMINERGETICA
Calle 8 No 4-45
Jagua de Ibírico
Cesar
KOLUMBIEN
BOTSCHAFT DER REPUBLIK KOLUMBIEN
S. E. Herrn Juan Mayr Maldonado
Kurfürstenstr. 84
10787 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: info@botschaft-kolumbien.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 26. April 2013 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Ich möchte Sie nach den Morddrohungen gegen Ricardo Machado und Wilder Martínez mit Nachdruck auffordern, in Absprache mit den beiden Gewerkschaftsführern für sie und andere Mitglieder von SINTRAMIENERGETICA Schutz bereitzustellen.
- Leiten Sie bitte auch eine umfassende und unabhängige Untersuchung der Drohungen gegen Ricardo Machado und Wilder Martínez ein, veröffentlichen Sie die Ergebnisse und stellen Sie die Verantwortlichen vor Gericht.
Sachlage
Am 3. März ist dem Gewerkschaftsvorsitzenden Ricardo Machado und dem Kassenwart Wilder Martínez gedroht worden. Sie gehören der Abteilung La Jagua de Ibírico der kolumbianischen Gewerkschaft für Bergbau, Petrochemie, Agrarbrennstoffe und Energie (Sindicato Nacional de la Industria Minera, Petroquímica, Agrocombustible y Energética –SINTRAMIENERGETICA) an. Wilder Martínez erhielt eine anonyme SMS, die lautete: "Hör mal, du Arschloch, deine und Ricardos Tage sind gezählt, weil ihr eure Nase in Dinge steckt, die euch nichts angehen. Entweder haltet ihr den Mund oder wir bringen euch zum Schweigen. Ihr Scheißguerilleros habt wohl vergessen, was mit Horcasita passiert ist. Dies ist die erste und letzte Warnung". Mit Horcasita beziehen sie sich auf die Folterung und Ermordung von Víctor Orcasita, dem stellvertretenden Vorsitzenden von SINTRAMIENERGETICA, durch Paramilitärs am 12. März 2001.
Die beiden Gewerkschaftsführer verteidigen ihre Gewerkschaft gegen von den Kohleunternehmen Corbones de La Jagua und Consorcio Minero Unido, die beide dem Multinationalen Unternehmen Glencore angehören, angestrebten Strafverfahren hinsichtlich der Rechtmäßigkeit eines Streiks von SINTRAMIENERGETICA vom 19. Juli bis 23. Oktober 2012 sowie Streiks in den Jahren 2011 und 2006. Die Gewerkschaftsführer haben sich auch dafür eingesetzt, dass das Bergbauunternehmen bestimmte Bergbaumaßnahmen nicht durchführt, die mutmaßlich negative Umweltauswirkungen auf einen Fluss der Region haben.
Ricardo Machado wurde bereits am 12. Februar von einem bewaffneten Mann bedroht. Obwohl die Polizei den Mann festnehmen und befragen konnte, ist seine Identität nicht bekannt, da er fälschlicherweise behauptet hatte, er arbeite für das Bergbauprojekt La Jagua.
Hintergrundinformation
Im Laufe des langwierigen bewaffneten Konflikts zwischen den linksgerichteten Guerillas und den Streitkräften, die zum Teil im stillen Einvernehmen mit Paramilitärs operieren, werden immer wieder Mitglieder von Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaften und anderen Organisationen bedroht, getötet oder fallen dem Verschwindenlassen zum Opfer. Zwar heißt es, die paramilitärischen Gruppen Kolumbiens seien ab 2003 in einem von der Regierung unterstützten Prozess demobilisiert worden, doch zeigen die Drohungen gegen Menschenrechtsorganisationen und Gewerkschaften eindeutig, dass sie noch immer aktiv sind.
Kolumbien hat weltweit eine der höchsten Mordraten an GewerkschafterInnen. Gewerkschaftsmitglieder werden im Zusammenhang mit Arbeitskämpfen und dem Einsatz für gerechtere Bezahlung und verbesserte Arbeitsbedingung immer wieder mit dem Tode bedroht oder gar getötet. Sie sind anhaltenden Drohungen ausgesetzt und viele wurden außergerichtlich hingerichtet oder fielen dem Verschwindenlassen zum Opfer. Verantwortlich dafür sind Paramilitärs, die entweder eigenständig oder mit dem Einverständnis der Sicherheitskräfte vorgehen. Zudem beschuldigen Streitkräfte und Paramilitärs häufig die GewerkschafterInnen, SympathisantInnen oder UnterstützerInnen der Guerilla zu sein.
Die Guerillatruppen sind ihrerseits ebenfalls für die Tötung und Bedrohung von Personen verantwortlich, die sie der Zusammenarbeit mit dem Feind beschuldigen.
Seit vielen Jahren werden Mitglieder von SINTRAMIENERGETICA im Rahmen ihres Einsatzes für verbesserte Arbeitsbedingungen getötet und erhalten Morddrohungen. Am 12. März 2001, als Víctor Orcasita ermordet wurde, brachte man auch den Gewerkschaftsvorsitzenden Valmore Locarno um.