Morddrohungen
Lage Kolumbiens
© Amnesty
Javier Barrera Santa ist in Medellín mit dem Tod bedroht worden. Er ist Sprecher der Vereinigung von Familienangehörigen "Verschwundener" ASFADDES.
Am 12. März erhielt Javier Barrera Santa, der Koordinator des Medelliner Büros von ASFADDES einen Drohanruf. Der Anrufer sagte: " Du Hurensohn, du wirst bald verschwinden." ("Sapo hijo de puta usted es él que va a desaparecer").
Appell an
PRÄSIDENT
Presidente Juan Manuel Santos
Presidente de la República
Palacio de Nariño
Carrera 8 No. 7-26
Bogotá, KOLUMBIEN
(Anrede: Dear President / Excmo. Sr. Presidente / Sehr geehrter Herr Präsident)
Fax: (00 57) 1 596 0631
LEITER DER NATIONALEN SCHUTZBEHÖRDE
Dr. Andrés Villamizar Pachón
Director de la Unidad Nacional de Protección (UNP)
Carrera 58 No. 10-51
Bogotá
KOLUMBIEN
(Anrede: Dear Mr. Villamizar / Estimado Sr. Villamizar / Sehr geehrter Herr Villamizar)
Fax: (00 57) 1 261 6287
Sende eine Kopie an
MENSCHENRECHTSORGANISATION
ASFADDES Medellín
Calle 53 49-44 Oficina 303
Medellín
KOLUMBIEN
BOTSCHAFT DER REPUBLIK KOLUMBIEN
S. E. Herrn Juan Mayr Maldonado
Taubenstr. 23
10117 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: info@botschaft-kolumbien.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 30. April 2014 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Ich möchte meine Sorge um die Sicherheit von Javier Barrera Santa und weiteren ASFADDES-Mitgliedern zum Ausdruck bringen. Bitte sorgen Sie dafür, dass in Absprache mit den bedrohten Personen Schutzmaßnahmen für sie ergriffen werden.
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Ich möchte Sie höflich auffordern, umgehend eine vollständige und unabhängige Untersuchung der Drohungen gegen ihn einzuleiten, die Ergebnisse der Untersuchung zu veröffentlichen und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.
- Ich möchte Sie zudem daran erinnern, dass Kolumbien Vertragsstaat der UN-Erklärung zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern aus dem Jahr 1998 ist und Sie somit die Pflicht haben, MenschenrechtlerInnen zu schützen.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Expressing concern for the safety of Javier Barrera Santa and other members of ASFADDES, and calling on the authorities to provide them with effective protection, in line with their wishes.
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Demanding that the authorities order full and impartial investigations into the threats; that they publish the results and bring those responsible to justice.
- Reminding them to fulfil their obligations to protect human rights defenders, as laid out in the 1998 UN Declaration on Human Rights Defenders.
Sachlage
ASFADDES setzt sich für Gerechtigkeit in Fällen von Verschwindenlassen und Tötungen ein. Die Nichtregierungsorganisation ist schon früher aufgrund ihrer Arbeit beschattet worden. So wurde zum Beispiel am 1. März ein Mann entdeckt, der sich während eines Treffens von Angehörigen von Opfern des Verschwindenlassens im Medelliner Büro von ASFADDES hinter einer Tür versteckt hatte. Als die Anwesenden ihn zur Rede stellen wollten, rannte er davon.
Javier Barrera Santa ist der Sprecher des Runden Tisches zu Fällen von Verschwindenlassen im Departamento Antioquia (Mesa Departamental sobre Desaparición Forzada), eines Zusammenschlusses von Opfern und Menschenrechtsorganisationen, die Veranstaltungen zum Gedenken an die Verschwundenen und zur Aufklärung über die anhaltende Straflosigkeit organisieren. Javier Barrera Santa ist darüber hinaus aktiver Sprecher von ASFADDES. Er hat die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs vom Oktober 2013 begrüßt, die mutmaßliche Rolle des Generals a. D. Mauricio Santoyo im Fall des Verschwindenlassens von Ángel Quintero und Claudia Monsalve im Jahr 2000 zu untersuchen. In seinen öffentlichen Äußerungen zu diesem Fall verwies Javier Barrera Santa außerdem darauf, dass auch weitere Angehörige der Sicherheitskräfte in das Verschwindenlassen verwickelt sein könnten. Javier Barrera Santa ist schon früher aufgrund seiner Menschenrechtstätigkeit bedroht worden. 2011 musste er nach Morddrohungen sein Zuhause verlassen
Hintergrundinformation
Während des seit 40 Jahren andauernden bewaffneten Konflikts in Kolumbien sind die Mitglieder von Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaften und anderen sozialen Organisationen häufig Opfer von Drohungen, Verschwindenlassen und Tötungen geworden. Die paramilitärischen Gruppen wurden eigentlich ab 2003 in einem von der Regierung unterstützten Prozess demobilisiert. Doch die Drohungen gegen Menschenrechtsorganisationen und Gewerkschaften in Barrancabermeja und anderenorts zeigen, dass paramilitärische Gruppen weiter aktiv sind.
Die Nichtregierungsorganisation ASFADDES ist eine landesweit arbeitende Menschenrechtsorganisation, die von Familienangehörigen von "Verschwundenen" gegründet wurde. Die Organisation setzt sich dafür ein, das Schicksal der Verschwundenen aufzuklären sowie die Verantwortlichen zu ermitteln und sie vor Gericht zu stellen.
Am 6. Oktober 2000 wurden die beiden Mitglieder des Medellíner Büros von ASFADDES, Ángel José Quintero Mesa und Claudia Patricia Monsalve Pulgarín, von bewaffneten Männern entführt. Ihr Verbleib ist seither nicht bekannt. Der General a. D. Mauricio Santoyo war mutmaßlich in das rechtswidrige Abhören des ASFADDES-Büros in Medellín vor ihrem Verschwinden involviert. Er wurde wegen Drogenhandelsvorwürfen an die USA ausgeliefert.
Der Bruder von Javier Barrera Santa, Oscar Leonel Barrera, wurde bei einem Massaker am 16. Mai 1998, als eine schwer bewaffnete paramilitärische Einheit ungehindert durch mehrere Armenviertel der Stadt Barrancabermeja fuhr, Opfer des Verschwindenlassens. Die Paramilitärs trieben Menschen zusammen, töteten einige auf der Stelle und zwangen andere, auf Lastwagen zu steigen. Insgesamt verschleppten die Paramilitärs 25 Personen. Als der Leichnam von Oscar Leonel Barrera 2009 gefunden und der Familie ausgehändigt wurde, erhielten sie Morddrohungen von der paramilitärischen Gruppierung Águilas Negras.
Das Büro von ASFADDES in Barrancabermeja musste aus Sicherheitsgründen vorübergehend geschlossen werden. 2009 erhielt Luz Elsia Almanza Suárez, auch eine Angehörige von Verschwundenen des Massakers von 1998, eine Morddrohung von Paramilitärs, die sie zu einem militärischen Ziel erklärten. Gemeinsam mit anderen Mitgliedern von ASFADDES recherchiert sie zu dem Verbleib ihrer Angehörigen und tritt dafür ein, dass die mutmaßlich Verantwortlichen für Menschenrechtsverletzungen vor Gericht gestellt werden.