Aktivist verschleppt
Simbabwe auf der Landkarte
© Amnesty International
Am Morgen des 9. März ist der Journalist und Demokratieverfechter Itai Dzamara in Harare, der Hauptstadt Simbabwes, verschleppt worden. Während eines Frisörbesuchs im Vorort Glen View wurde er von fünf Männern beschuldigt, Vieh gestohlen zu haben. Sie legten ihm Handschellen an und fuhren mit ihm in einem weißen Lieferwagen davon. Sein Aufenthaltsort ist unbekannt.
Appell an
POLIZEIPRÄSIDENT
Augustine Chihuri
Zimbabwe Republic Police
Police General Headquarters
7th Street and Josiah Chinamano Avenue
PO Box CY 8807
Harare, SIMBABWE
(Anrede: Dear Commissioner General / Sehr geehrter Herr Generalkommissar)
Fax: (00 263) 4 253 212
INNENMINISTER
Hon. Kembo Mohadi
Ministry of Home Affairs
11th Floor Mukwati Building
Corner Fourth and Livingstone Avenue
PO Box CY 7703
Harare, SIMBABWE
(Anrede: Dear Minister / Sehr geehrter Herr Minister)
Fax: (00 263) 4 707 231
E-Mail: postmaster@moha.gov.zw
VORSITZENDER DER MENSCHENRECHTSKOMMISSION VON SIMBABWE
Elasto Mugwadi
Zimbabwe Human Rights Commission
144 Samora Machel Ave
Harare
SIMBABWE
E-Mail: chairperson@zhrc.org.zw
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DER REPUBLIK SIMBABWE
I. E. Frau Ruth Masodzi Chikwira
Kommandantenstraße 80
10117 Berlin
Fax: 030-2045 5062
E-Mail: zimberlin@botschaft-zimbabwe.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 22. April 2015 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Sorgen Sie dafür, dass die Polizei unverzüglich eine Untersuchung im Fall der Verschleppung von Itai Dzamara einleitet und die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden.
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Sollte Itai Dzamara sich in staatlichem Gewahrsam befinden, fordere ich Sie auf, seinen Aufenthaltsort bekannt zu geben und dafür zu sorgen, dass er vor Folter oder anderweitiger Misshandlung geschützt wird.
- Sorgen Sie dafür, dass die Polizei unverzüglich jegliche willkürliche Festnahmen, Schikanierungen und Einschüchterung von Aktivist_innen in Simbabwe einstellt.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Calling on the police to immediately investigate the abduction of Itai Dzamara and bring to justice those responsible.
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Urging the authorities to ensure that he is not subjected to torture or ill treatment if he is in state custody and to disclose his place of detention.
- Urging police to end the practice of arbitrary arrests, harassment and intimidation of activists in Zimbabwe.
Sachlage
Itai Dzamara, Journalist, Demokratieverfechter und Leiter der Protestbewegung Occupy Africa Unity Square, wurde während eines Frisörbesuches im Vorort Glen View der simbabwischen Hauptstadt Harare verschleppt. Fünf Männer, die mit einem weißen Lieferwagen mit verdeckten Nummernschildern unterwegs waren, beschuldigten ihn, Vieh gestohlen zu haben, legten ihm Handschellen an und fuhren mit ihm davon. Die Versuche seiner Familie und von Menschenrechtsanwält_innen, seinen Aufenthaltsort zu ermitteln, schlugen bislang fehl.
Am 7. März hatte Itai Dzamara an einer Demonstration der Oppositionsbewegung Movement for Democratic Change (MDC-T) auf den Zimbabwe Grounds in Harare teilgenommen, bei der er dazu aufrief, in einer Massenaktion auf die sich immer weiter verschlechternden wirtschaftlichen Verhältnisse in Simbabwe aufmerksam zu machen. Als Leiter der Protestbewegung Occupy Africa Unity Square hatte Itai Dzamara kürzlich eine Petition beim simbabwischen Präsidenten Robert Mugabe eingereicht, die ihn zum Rücktritt aufforderte und dazu, den Weg zu Neuwahlen zu ebnen. Für sein Engagement zugunsten der Demokratie wurde Itai Dzamara bereits in der Vergangenheit willkürlich festgenommen und sowohl von Beamt_innen des Staatssicherheitsapparates als auch von Mitgliedern der Regierungspartei ZANU-PF brutal geschlagen.
Hintergrundinformation
Die Protestbewegung Occupy Africa Unity Square (OAUS) wurde im Jahr 2014 gegründet und setzt sich für Demokratie in Simbabwe ein. Der Africa Unity Square ist ein Park im Zentrum von Harare in der unmittelbaren Nähe des Parlaments und unweit des Amtssitzes des Präsidenten.
Am 6. November 2014 wurde der Journalist und Demokratieverfechter Itai Dzamara von Beamt_innen der Bereitschaftspolizei brutal zusammengeschlagen und bewusstlos zurückgelassen. Bei der Aufnahme ins Krankenhaus brach er zusammen, musste wiederbelebt und anschließend auf der Intensivstation behandelt werden. Als Leiter der Protestbewegung OAUS hatte Itai Dzamara im Oktober 2014 eine Petition beim simbabwischen Präsidenten Robert Mugabe eingereicht, die ihn zum Rücktritt aufforderte. OAUS veranstaltete im Africa Unity Square in Harare einen Sitzstreik. Der Rechtsanwalt Kennedy Masiye von der Menschenrechtsorganisation Zimbabwe Lawyers for Human Rights, die die Proteste unterstützt hatte, wurde ebenfalls von Beamt_innen der Bereitschaftspolizei geschlagen, obwohl er sich als Rechtsbeistand von Itai Dzamara zu erkennen gegeben hatte. Die Polizist_innen warfen seine Anwaltszulassung weg und griffen ihn an. Hierbei wurde ihm der Arm gebrochen und er musste im Krankenhaus behandelt werden.
Am 26. November 2014 wurden die OAUS-Mitglieder Tichaona Danho, Charles Nyoni, Terry Manzini und Shungu Mutize, die die Übergabe einer Petition an den Parlamentssprecher mit einem friedlichen Protest verbunden hatten, in Haft genommen. Sie wurden mit heftigen Schlägen misshandelt und nach sechs Stunden ohne Anklage wieder auf freien Fuß gesetzt. Auf der Polizeiwache mussten die Männer ihre Kleidung ablegen. Drei Beamt_innen schlugen auf sie ein und befahlen ihnen dann, sich gegenseitig zu schlagen. Sie wollten von ihnen wissen, welches Ziel ihre Gruppe verfolge, und verlangten von ihnen, nicht mehr gegen Präsident Mugabe zu protestieren. Menschenrechtsanwält_innen, die die OAUS-Mitglieder vertreten wollten, wurden mit der Auskunft abgewiesen, die Männer seien gar nicht inhaftiert. Später befahl man den vier OAUS-Mitgliedern, ihre Kleider wieder anzuziehen, nach Hause zu gehen und niemandem von ihrer Inhaftierung zu erzählen.