Leichen von Vermissten gefunden

In Venezuela haben die Behörden die Leichen von 17 informellen Goldgräber_innen gefunden, die als vermisst gemeldet worden waren. Der Verbleib von mindestens vier weiteren Personen ist weiterhin unbekannt.

Appell an

JUSTIZ- UND INNENMINISTER
Gustavo González López
Ministerio del Poder Popular para Relaciones Interiores, Justicia y Paz, Av. Urdaneta
Edificio Interior y Justicia
Caracas
VENEZUELA
(Anrede: Señor Ministro / Dear Minister / Sehr geehrter Herr Minister)
Fax: (00 58) 212 506 1558
E-Mail: mijcudecon@gmail.com

GENERALSTAATSANWÄLTIN
Dra. Luisa Ortega Díaz
Edificio Sede Principal del Ministerio Público Esquinas de Misericordia a Pele El Ojo
Avenida México
Caracas
VENEZUELA
(Anrede: Dra. Fiscal / Dear Attorney General / Sehr geehrte Frau Generalstaatsanwältin)
Fax: (00 58) 212 578 3239
E-Mail: ministeriopublico@mp.gob.ve

Sende eine Kopie an

OMBUDSMANN
Tarek William Saab
Defensor del Pueblo
Av. Urdaneta - Frente a El Universal
Centro Financiero Latino, Piso 27
Caracas
VENEZUELA
Fax: (00 58) 212 507 7025
E-Mail: contacto@defensoria.gob.ve

BOTSCHAFT DER BOLIVARISCHEN REPUBLIK VENEZUELA
S. E. Herrn Ramon Orlando Maniglia Ferreira
Schillstraße 10
10785 Berlin
Fax: 030-832 224 020
E-Mail: embavenez.berlin@botschaft-venezuela.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 21. April 2016 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

E-MAILS, FAXE UND LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Bitte ergreifen Sie dringend alle verfügbaren wirksamen Maßnahmen, um das Schicksal der restlichen Personen, die in der Stadt Tumeremo als vermisst gemeldet wurden, aufzuklären.

  • Führen Sie bitte umgehend eine umfassende und unparteiische Untersuchung der Vorfälle durch, um sicherzustellen, dass alle geborgenen Leichen identifiziert werden können, und stellen Sie die Verantwortlichen vor Gericht.

  • Bitte entwickeln Sie einen sicheren Mechanismus, mit dem Personen im Bundesstaat Bolívar als vermisst gemeldet werden können, und sorgen Sie dafür, dass eine umfassende, sofortige und unparteiische Untersuchung zu ihrem Verbleib durchgeführt wird.

  • Bitte ermöglichen Sie Journalist_innen, ihre Arbeit in Tumeremo ohne Einschränkungen auszuüben.

  • Ergreifen Sie bitte dringend in Absprache mit den Betroffenen Maßnahmen zum Schutz der Überlebenden des Angriffs, der Angehörigen der Vermissten sowie der Journalist_innen, die über die Vorfälle berichten.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Urging the authorities to take all effective measures available in order to establish the whereabouts of all the remaining people reported missing in the town of Tumeremo.

  • Urging the Attorney General to carry out a full, prompt and impartial investigation into the events to ensure full identification of recovered bodies and to bring all those responsible to justice.

  • Urging the Attorney General to establish a mechanism for safe denounces of missing people in Bolivar State and to ensure full, prompt and impartial investigations on all of them.

  • Urging the authorities to allow the press to work without restrictions in Tumeremo area.

  • Calling on authorities to ensure the protection of those who survived the reported attack, the relatives of those reported missing and journalist covering the news, according to their wishes.

Sachlage

Die venezolanische Generalstaatsanwältin gab am 15. März bekannt, dass die Behörden in Tumeremo im Bundesstaat Bolívar die Leichen von 17 der insgesamt 21 informellen Goldgräber_innen gefunden haben, die ihren Informationen nach seit dem 4. März vermisst wurden. Presseberichten zufolge haben jedoch Verwandte der Opfer angegeben, dass insgesamt 28 Menschen vermisst wurden.

Die Generalstaatsanwältin erklärte außerdem, dass sie Untersuchungshaftanordnungen für zwei mutmaßliche Täter_innen beantragt habe.

Die Familien der informellen Goldgräber_innen haben gegenüber der Presse angegeben, dass sie davon ausgehen, dass ihre Angehörigen von einer Bande angegriffen wurden, die die Goldmine in Atenas unter ihre Kontrolle bringen wollte. Vor Kurzem wurde dort eine große Goldader entdeckt. Einige Personen, die diesen Angriff miterlebt haben, teilten der Presse mit, dass die 28 vermissten Goldgräber_innen von den Angreifern erschossen worden seien. Die leblosen Körper seien daraufhin verstümmelt worden und man habe die Überlebenden gezwungen, sie auf einen Kleintransporter zu laden. Die Überlebenden gaben an, mit Morddrohungen zum Schweigen gezwungen worden zu sein. Sie berichteten außerdem, dass Angehörige des venezolanischen Geheimdienstes (Servicio Bolivariano de Inteligencia Nacional – SEBIN) und der Sonderermittlungseinheit Cuerpo de Investigaciones Científicas, Penales y Criminalísticas (CICPC) unter den Angreifern gewesen seien.

Journalist_innen haben berichtet, dass sie in ihrer Arbeit eingeschränkt werden. Der Kontakt zu Familienangehörigen und Zeug_innen wird ihnen erschwert und sie sind von Angehörigen der Strafverfolgungsbehörde schikaniert worden, seitdem am 10. März Militärangehörige in Tumeremo stationiert worden sind. Laut Presseberichten wurden und werden immer wieder Goldgräber_innen im Bundesstaat Bolívar von Familienangehörigen als vermisst gemeldet. Angehörigen der Strafverfolgungsbehörde wird vorgeworfen, zu diesen Fällen keine Untersuchungen durchzuführen.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Offiziellen Schätzungen zufolge kann der venezolanische Bundesstaat Bolívar die zweitgrößten Goldvorkommen der Welt vorweisen. Koltan, Bauxit und Aluminium sowie andere Mineralien sind dort ebenfalls reichlich vorhanden. Allerdings sind die meisten Bergbauaktivitäten nicht reguliert.

In den vergangenen zehn Jahren hat die venezolanische Regierung viele verschiedene Vorschläge zur Bekämpfung des illegalen Bergbaus vorgelegt. Im Jahr 2014 richtete die Regierung unter Präsident Nicolás Maduro eine Präsidialkommission für den Schutz, den Ausbau und die Förderung des zulässigen Bergbaus in der Region ein (Comisión Presidencial para la Protección, el Desarrollo y Promoción Integral de la Actividad Mineral Lícita en la Región) ein. Im Januar 2016 verkündete das Ministerium für Öl und Bergbau seine Pläne für eine entsprechende Ausrüstung der Streitkräfte zur Bekämpfung der illegalen Aktivitäten. Illegaler Bergbau, die zunehmende Zahl bewaffneter Banden sowie die mutmaßliche Komplizenschaft der Streitkräfte bei unzulässigen Bergbauaktivitäten sowie bei Erpressungen in der Region geben jedoch nach wie vor Anlass zur Sorge.

Im Jahr 2012 wurden zehn Angehörige der Streitkräfte wegen der Tötung von sechs Bergarbeiter_innen in La Paragua zu Haftstrafen von bis zu fünf Jahren verurteilt.
Laut Angaben des Bürgermeisters von El Callao, einem von elf Bezirken (Municipios) des Bundesstaates Bolívar, wurden dort im vergangenen Jahr 90 Morde verübt, die meisten davon in Verbindung mit Bergbauaktivitäten.