Syrer vermisst

Einwohnerinnen und Einwohner Aleppos fliehen vor den Kämpfen im Stadtviertel Bustan al-Qasr am 13. Dezember 2016

Einwohnerinnen und Einwohner Aleppos fliehen vor den Kämpfen im Stadtviertel Bustan al-Qasr am 13. Dezember 2016

Abdulhadi Kamels Schicksal und Aufenthaltsort sind nicht bekannt. Er wurde zuletzt am 16. Dezember 2016 gesehen, als man ihn in einem Krankenwagen wegbrachte, nachdem er durch syrische Regierungstruppen verletzt worden war, die einen Evakuierungskonvoi aus Ost-Aleppo abgefangen hatten.

Sende eine Kopie an

VERTEIDIGUNGSMINISTER (kein Postversand möglich) General Fahd Jassem al-Freij (Anrede: Your Excellency / Exzellenz) Fax: (00 963) 11 223 7842 oder (00 963) 11 666 2460 (Sollte das Fax nicht ankommen, schicken Sie bitte eine E-Mail an die Botschaft mit der Bitte um Weiterleitung an den Verteidigungsminister)

 

BOTSCHAFT DER ARABISCHEN REPUBLIK SYRIEN Herr Bashar Allassaed Geschäftsträger a.i. Rauchstr. 25 10787 Berlin Fax: 030-5017 7311 E-Mail: info@syrianembassy.de, press@syrianembassy.de, secretary@syrianembassy.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 3. März 2017 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich bitte Sie eindringlich, Auskunft über den Verbleib von Abdelhadi Kamel zu geben.

  • Bitte lassen Sie ihn sofort frei, sofern er nicht umgehend einer international als Straftat anerkannten Handlung angeklagt wird, wie es das Völkerrecht und internationale Menschenrechtsnormen vorsehen.

  • Stellen Sie zudem sicher, dass er vor Folter und anderer Misshandlung geschützt wird und unverzüglich Zugang zu seiner Familie, einem Rechtsbeistand seiner Wahl sowie jeder nötigen medizinischen Versorgung erhält.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Urging the Syrian authorities to immediately disclose the fate and whereabouts of Abdulhadi Kamel.

  • Calling on them to release him immediately, unless he is to be charged with a recognizable offence, in line with international law and standards.

  • Urging them to ensure that pending his release, he is protected from torture and any other ill-treatment, granted access to his families and lawyers, and any medical treatment he may require.

Sachlage

Der 26-jährige Abdulhadi Kamel "verschwand" am 16. Dezember 2016 in West-Aleppo während der Evakuierung von Zivilpersonen aus Ost-Aleppo. Ein naher Verwandter befand sich mit Abdulhadi Kamel im selben Konvoi, als syrischen Regierungstruppen das Fahrzeug stoppten und die Männer aufforderten auszusteigen. Ihr Eigentum wurde ihnen weggenommen und man zwang sie, sich mit dem Gesicht nach unten auf den Boden zu legen. Die Regierungskräfte feuerten dann Schüsse in die Luft ab und verletzten Abdulhadi Kamel und andere durch verirrte Geschosse. Laut Aussagen des Angehörigen nahm ein Krankenwagen die Verletzten, darunter auch Abdulhadi Kamel, in ein nicht näher bekanntes Krankenhaus mit. Abduhadi Kamels Familie wurde von einer Mittelsperson, welche die Evakuierung überwachte, versichert, dass er wieder zu ihnen stoßen würde. Dazu kam es bislang jedoch nicht, denn Abdulhadi Kamel wird seither vermisst.

Am 5. Januar tauchte Abdulhadi Kamel in einem Video auf, das an einem unbekannten Ort aufgenommen worden und dann von ANNA-Nachrichten, einer abchasischen Nachrichtenagentur, auf YouTube eingestellt worden war. In dem Video gesteht Abduhadi Kamel, dass er als Freiwilliger für die Weißhelme (auch als Syrischer Zivilschutz bekannt) gearbeitet habe, die nur vortäusche, eine Rettungsorganisation zu sein. Abdulhadi Kamels Familie geht davon aus, dass dieses Geständnis erzwungen wurde, da es keine Hinweise dafür gab, dass er mit den Weißhelmen zusammenarbeitet. Er trug weder deren Uniform, noch besaß er eine solche oder andere Dinge, die ihn mit den Weißhelmen in Verbindung bringen würden.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Die syrische Regierung belagerte Ost-Aleppo seit Juli 2016 und verhinderte, dass humanitäre Hilfe in diesen Teil der Stadt gebracht werden konnte. Die Zivilbevölkerung wurde Luft- und Bodenangriffen ausgesetzt. Im Dezember 2016 drangen die syrischen Regierungstruppen rasch nach Ost-Aleppo vor und zwangen Tausende Zivilpersonen zur Evakuierung. Amnesty International forderte die syrische Regierung am 28. November 2016 angesichts der langen Geschichte willkürlicher Inhaftierungen und des Verschwindenlassens auf, Vergeltungsangriffe gegen Zivilpersonen in Ost-Aleppo zu unterlassen. Die UN berichtete am 13. Dezember, dass zahlreiche Zivilpersonen in ihren Häusern oder mit vorgehaltener Waffe in den Straßen durch Regierungstruppen außergerichtlich hingerichtet worden seien. Mitte Dezember 2016 war zwischen der syrischen Regierung und bewaffneten anderen Gruppen ein Abkommen erreicht worden, das es ermöglichte, die Bevölkerung mit Autos und Bussen zu evakuieren. Am 19. Dezember 2016 verabschiedete der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen Resolution 2328, welche die UN auffordert, Beobachter_innen vor Ort in Ost-Aleppo zu installieren, welche die Evakuierung überwachen.

Die Weißhelme (auch als Syrischer Zivilschutz bekannt) sind eine Gruppe von Freiwilligen in den von der Opposition kontrollierten Gebieten Syriens, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Opfer von Luft- und Bodenangriffen zu retten.