Geistig behindertem Mann droht Hinrichtung

Hinrichtungsraum

Hinrichtungsraum

Zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren hat der US-Bundesstaat Georgia einen Hinrichtungstermin für Warren Hill angesetzt. Er sitzt seit 1991 im Todestrakt. Alle Sachverständigen, die ihn untersucht haben, bescheinigen ihm eine geistige Behinderung. Eine Hinrichtung verstößt somit gegen die US-amerikanische Verfassung. Hinrichtungstermin ist der 27. Januar.

Appell an

VORSITZENDER DES BEGNADIGUNGSAUSSCHUSSES VON GEORGIA
Terry Barnard
2 Martin Luther King, Jr. Drive
SE Suite 458, Balcony Level
East Tower Atlanta, GA 30334-4909, USA
(Anrede: Dear Chairman Barnard / Sehr geehrter Herr Barnard)
Fax: (00 1) 404 651 6670
E-Mail: laqsmith@pap.state.ga.us

Sende eine Kopie an

GOUVERNEUR VON GEORGIA
Nathan Deal
Office of the Governor, 206 Washington Street
111 State Capitol, Atlanta, GA 30334, USA
Fax: (00 1) 404 657 7332

E-Mail: über: http://gov.georgia.gov/webform/contact-governor-international-form oder http://gov.georgia.gov/webform/contact-governor-domestic-form

BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
S. E. Herrn John Bonnell Emerson
Pariser Platz 2, 10117 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: über http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort, so dass sie noch vor dem 27. Januar 2015 eintreffen. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch.

Amnesty fordert:

FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Es besorgt mich sehr, dass ein erneuter Hinrichtungstermin für Warren Hill festgelegt wurde.

  • Ich appelliere an Sie, dem Gouverneur zu empfehlen, die Hinrichtung zu stoppen und das Todesurteil in eine Haftstrafe umzuwandeln.

  • Ich möchte Sie darauf aufmerksam machen, dass inzwischen alle Sachverständigen, die Warren Hill untersucht haben, übereinstimmend zu der Überzeugung gelangt sind, dass er an einer geistigen Behinderung leidet.

  • Ich weise Sie darauf hin, dass seine Hinrichtung gegen das Völkerrecht und menschenrechtliche Verpflichtungen der USA verstoßen würde.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Expressing concern that once again the State of Georgia is set to execute Warren Hill.

  • Calling for the execution to be stopped and for his death sentence to be commuted.

  • Noting that all experts who have assessed him agree that he has intellectual disability.

  • Arguing that his execution would violate international law and US treaty obligations.

Sachlage

Im Jahr 2002 befand ein Richter des Bundesstaates Georgia, dass Warren Hill tatsächlich "deutlich unterdurchschnittliche intellektuelle Fähigkeiten" aufweise, aber dass nicht zweifelsfrei "Defizite im adaptiven Verhalten" nachzuweisen seien. Warren Hill war 1991 wegen des 1990 begangenen Mordes an seinem Mithäftling Joseph Handspike zum Tode verurteilt worden. Im Jahr 1988 hat das Parlament des Bundesstaates Georgia ein Gesetz verabschiedet, das die Verhängung der Todesstrafe gegen jede Person untersagt, bei der "ohne berechtigten Zweifel" eine "geistigen Behinderung" festgestellt wurde. Das Gesetz definiert diese Behinderung als "deutlich unterdurchschnittliche intellektuelle Fähigkeiten", die zu "Defiziten im adaptiven Verhalten" führen.

Der Oberste Gerichtshof der USA befand in der Grundsatzentscheidung Atkins gegen Virginia, dass die Hinrichtung von geistig behinderten Menschen gegen die US-Verfassung verstoße. Die Rechtsbeistände von Warren Hill legten auf Grundlage dieser Entscheidung Rechtsmittel ein. Das zuständige Gericht entschied, dass "das Überwiegen der Beweise" ausreiche, um festzustellen, dass Warren Hill an einer geistigen Behinderung leidet. Das strengere Kriterium "ohne berechtigte Zweifel" müsse nicht erfüllt sein. Auf der Grundlage dieser Beurteilung kam das Gericht zu dem Schluss, dass die Beeinträchtigung von Warren Hill einer geistigen Behinderung gleichkäme. Die Anklage legte dagegen jedoch Rechtsmittel beim Obersten Gericht des Bundesstaates ein, das 2003 mit vier zu drei Stimmen entschied, in diesem Fall sei der Maßstab "ohne berechtigten Zweifel" anzulegen. Im Jahr 2011 entschied ein Bundesberufungsgericht mit sieben zu vier Stimmen, dass das Bundesgericht nach US-amerikanischem Recht nicht befugt sei, ein Urteil des Obersten Gerichts eines US-Bundesstaates zu kassieren, selbst wenn der Bundesstaat in seiner Gesetzgebung keine angemessene Verhältnismäßigkeit wahrt und das Bundessgericht die Entscheidung des Obersten bundesstaatlichen Gerichts "für nicht korrekt oder unüberlegt" erachte.

Im Jahr 2012 bestätigte ein Richter des Staates Georgia, dass die Beweise für eine geistige Behinderung Hills zwar überwiegen, diese aber nicht "zweifelsfrei" seien. Nirgendwo sonst in den USA wird in solchen Fällen ein derart hoher Maßstab bei der Bewertung angelegt. In den meisten anderen US-Bundestaaten genügt ein Überwiegen der Beweise zur Feststellung einer geistigen Behinderung, die nach dieser Definition auch bei Warren Hill anerkannt wurde. Ihm wird der Schutz durch die Grundsatzentscheidung im Fall Atkins gegen Virginia nur aufgrund seines Wohnortes verwehrt. Amnesty International sieht hierin eine willkürliche Aberkennung des Rechts auf Leben und damit einen Verstoß gegen Artikel 6 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte, dessen Vertragsstaat die USA sind.

Laut den Rechtsbeiständen von Warren Hill lehnt die Familie des Mordopfers die Hinrichtung von Warren Hill aufgrund seiner geistigen Behinderung ab. Mehrere Geschworene des ersten Verfahrens haben angedeutet, dass sie eine Hinrichtung für nicht angemessen halten.

In den USA wurden 2015 bisher drei Hinrichtungen vollzogen, eine davon in Georgia. Seit 1976 sind in den USA 1.397 Personen hingerichtet worden, 56 davon in Georgia. Amnesty International wendet sich in allen Fällen, weltweit und ausnahmslos gegen die Todesstrafe, ungeachtet der Schwere und der Umstände einer Tat, der Schuld, Unschuld oder besonderen Eigenschaften des Verurteilten, oder der vom Staat gewählten Hinrichtungsmethode, da sie das in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgeschriebene Recht auf Leben verletzt und die grausamste, unmenschlichste und erniedrigendste aller Strafen darstellt.

Hintergrundinformation

Hintergrund

International law and standards prohibit the use of the death penalty against people with mental and intellectual disabilities. Amnesty International believes that Warren Hill’s execution would also amount to an arbitrary deprivation of life, as banned under article 6 of the International Civil and Political Rights (ICCPR) which the USA ratified in 1992. The UN Human Rights Committee, which oversees compliance with the ICCPR, has stated, regarding the right to liberty, that 'arbitrariness’ should not be equated to 'against the law’, but interpreted more broadly, to include notions of inappropriateness, injustice and lack of predictability.

In Hall v. Florida in 2014, the US Supreme Court, clarifying its Atkins ruling, emphasized the importance of medical expertise. "Society relies upon medical and professional expertise to define and explain how to diagnose the mental condition at issue… In determining who qualifies as intellectually disabled, it is proper to consult the medical community’s opinions." Every expert who has assessed Warren Hill agrees that he has intellectual disability.

In 2013, an 11th Circuit panel ruled two to one that the federal Antiterrorism and Effective Death Penalty Act (AEDPA) barred Warren Hill’s successive petition. In support of that petition, his lawyers had filed affidavits from the three experts who had testified for the state in 2000 that they did not believe Hill had intellectual disability. In their affidavits, all three revealed that they now considered that Hill did have intellectual disability, thereby agreeing with the four experts presented by the defence in 2000. In their affidavits, the three stated that their 2000 evaluation had been "extremely and unusually rushed", and that their experience gained since then and advances in knowledge about intellectual disability, rendered their previous conclusions erroneous. Now, to "a reasonable degree of scientific certainty", they had concluded that Warren Hill met the criteria for intellectual disability.

In the 2013 ruling, the dissenting judge wrote: "The perverse consequences of such an application of AEDPA is that a federal court must acquiesce to, even condone, a state’s insistence on carrying out the unconstitutional execution of a mentally retarded person… The idea that courts are not permitted to acknowledge that a mistake has been made which would bar an execution is quite incredible for a country that not only prides itself on having the quintessential system of justice but attempts to export it to the world as a model of fairness". She referred to "the preposterous burden of proof Georgia demands" in such cases. No other US state requires proof of intellectual disability beyond a reasonable doubt in the death penalty context. Indeed, a majority of the USA’s 32 death penalty states, and the federal government, utilize the "preponderance of the evidence" standard, under which the Georgia trial-level judge found Warren Hill to have intellectual disability.

In the Hall v. Florida ruling, the US Supreme Court said: "The death penalty is the gravest sentence our society may impose. Persons facing that most severe sanction must have a fair opportunity to show that the Constitution prohibits their execution…The States are laboratories for experimentation, but those experiments may not deny the basic dignity the Constitution protects." The State of Georgia’s "beyond a reasonable doubt" standard effectively means that Warren Hill is being denied that "fair opportunity" to show that his execution is prohibited.