Anschlag auf Kleinbauern

Logo Justicia y Paz, Kolumbien

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Ein bewaffneter Mann hat in der Siedlung El Carpintero in Zentralkolumbien auf den Kleinbauern Benjamín Sánchez geschossen. Benjamín Sánchez ist der führende Vertreter ehemaliger BewohnerInnen von El Carpintero, die infolge des bewaffneten Konfliktes von dort vertrieben wurden und nun die Rückgabe ihres Landes fordern. Benjamín Sánchez ist nicht das erste Gemeindemitglied, das aufgrund seiner Beteiligung an diesen Forderungen Drohungen erhalten hat oder angegriffen worden ist.

Appell an

PRÄSIDENT
Señor Juan Manuel Santos
Presidente de la República
Palacio de Nariño
Carrera 8 No. 7-26
Bogotá
KOLUMBIEN
(Anrede: Dear President Santos / Excmo. Sr. Presidente
Santos / Sehr geehrter Herr Präsident)
Fax: (00 57) 1 596 0631

LEITER DER SICHERHEITSEINHEIT
Dr. Andrés Villamizar Pachón
Director de la Unidad Nacional de Protección (UNP)
Carrera 58 No. 10-51
Bogotá
KOLUMBIEN
(Anrede: Estimado Sr. Villamizar / Dear Mr. Villamizar / Sehr geehrter Herr Villamizar)
Fax: (00 57) 1 261 6287

Sende eine Kopie an

NGO
Corporación Claretiana
Carrera 15 No. 10-41
Piso 3
Bogotá
KOLUMBIEN

BOTSCHAFT DER REPUBLIK KOLUMBIEN
S. E. Herrn Juan Mayr Maldonado
Taubenstraße 23
10117 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: info@botschaft-kolumbien.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 4. März 2014 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich bitte Sie eindringlich, in Absprache mit Benjamín Sánchez und den Familien, die sich in El Carpintero um die Rückgabe ihres Landes bemühen, für deren Sicherheit zu sorgen.

  • Bitte leiten Sie umgehend eine umfassende und unparteiische Untersuchung des Mordversuchs an Benjamín Sánchez, des Mordes an Edwin Alcides Durán Peña und der Bedrohungen der BewohnerInnen von El Carpintero ein, veröffentlichen Sie die Ergebnisse und stellen Sie die Verantwortlichen vor Gericht.

  • Ich möchte Sie daran erinnern, dass Sie gemäß der UN-Erklärung zum Schutz von MenschenrechtsverteidigerInnen von 1998 verpflichtet sind, diese zu schützen und ihnen zu ermöglichen, ihrer Arbeit ohne Furcht vor Repressalien nachzugehen.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Urging the authorities to ensure that Benjamin Sánchez and the families claiming land restitution in El Carpintero are safe, in strict accordance with their wishes.

  • Urging them to order full and impartial investigations into the attempted attack on Benjamin Sánchez’s life, the killing of Edwin Alcides Duran Peña and other threats to El Carpintero community members, to publish the results and bring those responsible to justice.

  • Reminding them to fulfill their obligations regarding the protection of human rights defenders as set out in the 1998 UN Declaration on Human Rights Defenders.

Sachlage

Am 15. Januar arbeitete Benjamín Sánchez auf seinem Land, als ein vermummter Mann seinen Namen rief und auf ihn schoss. Dies ereignete sich in der Siedlung El Carpintero im Verwaltungsbezirk Cabuyaro im Departamento Meta. Benjamín Sánchez gelang es, in Deckung zu gehen, und wurde nicht getroffen. Einer seiner Mitarbeiter hatte am Vortag bemerkt, dass ein bewaffneter Mann Benjamín Sánchez nachstellte. Zudem hatte dieser am 27. Oktober 2013 einen Drohanruf mit folgender Nachricht erhalten: "Du bist ein Verräter, deswegen laufen die Geschäfte in El Carpintero schlecht, auf deinen Kopf ist eine Waffe gerichtet" (es un sapo, por eso se dañan los negocios del Carpintero, sobre su cabeza hay un revolver).

Seit 2012 fordern einige der von paramilitärischen Gruppen aus El Carpintero vertriebenen AnwohnerInnen die Rückgabe ihres Landes. Grundlage hierfür ist das Gesetz über die Landrückgabe und Entschädigung von Opfern, das am 1.1. 2012 in Kraft trat. Einige der an diesem Prozess beteiligten Familien sind aufgrund ihres Einsatzes für die Landrückgabe bedroht worden. Am 10. Juli 2012 wurde Edwin Alcides Durán Peña, Sohn eines Gemeindesprechers, getötet. Paramilitärs und Agrarunternehmen haben wirtschaftliche Interessen an dem Land, das die Familien zurückfordern.

Hintergrundinformation

Hintergrund

1997 übergab das damalige Kolumbianische Agrarreforminstitut (Instituto Colombiano de Reforma Agraria – INCORA) landwirtschaftliches Nutzland – El Carpintero im Bezirk Cabuyaro im Departamento Meta – an ca. 85 Familien, von denen etwa die Hälfe Opfer von Vertreibung im Zusammenhang mit dem bewaffneten Konflikt, die andere Hälfe Opfer von Naturkatastrophen waren. 1998 kam ein großer Verband von Paramilitärs in das Gebiet und schlug nahe El Carpintero seine Basis auf. Nach Drohungen der Paramilitärs und der Tötung des Bauern Omer Vargas Retamoza im selben Jahr verließen viele AnwohnerInnen den Ort. Die meisten von ihnen sind noch nicht nach El Carpintero zurückgekehrt.

Im Laufe der schon Jahrzehnte dauernden bewaffneten Auseinandersetzungen in Kolumbien sind Millionen Hektar Land geraubt worden. Dies geschah häufig unter Einsatz von Gewalt gegen die rechtmäßigen EigentümerInnen, insbesondere indigene, afrokolumbianische und Kleinbauerngemeinschaften. Die verschiedenen Konfliktparteien – Guerillagruppen sowie Paramilitärs und Sicherheitskräfte, die entweder allein oder im Einvernehmen miteinander handeln – haben im Laufe des langen bewaffneten Konflikts mehr als fünf Millionen Menschen aus ihrem Zuhause vertrieben.

VertreterInnen der vertriebenen Gemeinden und Menschen, die sich für die Rückgabe vereinnahmter Ländereien einsetzen, werden bedroht oder getötet, weil sie Anspruch auf Land erheben, auf dem sie jahrelang gelebt und gearbeitet haben. Seit dem Inkrafttreten des Gesetzes über die Landrückgabe und Entschädigung von Opfern (Gesetz 1448) Anfang 2012 ist die Anzahl bedrohter und getöteter Personen noch gestiegen. Das Gesetz sieht zum einen Entschädigungszahlungen für viele Überlebende von Menschenrechtsverstößen vor, worunter auch Verstöße fallen, die in staatlichem Auftrag handelnde Akteure begangen haben. Zum anderen sollen einige der Vertriebenen ihr Land zurückerhalten. Viele Opfer des Konfliktes werden jedoch trotz dieses Gesetzes noch immer keinen Anspruch auf Entschädigungsleistungen haben, und große Teile der widerrechtlich angeeigneten Länder könnten weiterhin nicht an ihre rechtmäßigen BesitzerInnen zurückgegeben werden. Zudem werden Menschen, die ihr angestammtes Land zurückerhalten, nicht ausreichend davor geschützt, dieses wieder abtreten zu müssen, vielleicht sogar erneut an diejenigen, die sie schon einmal vertrieben hatten. Viele derer, die für die Landrückgabe bzw. die Anerkennung ihrer Rechte auf Land, das sie schon seit langem besetzen, eintreten, sind im Laufe des vergangenen Jahres bedroht oder getötet worden. Dies könnte die Umsetzung des Gesetzes untergraben.