Sorge um Gesundheit

Mohamed Anwar Dabbas

Mohamed Anwar Dabbas

Der bekannte syrische Aktivist Mohamed Anwar Dabbas ist von Sicherheitskräften schwer verletzt aus einem Krankenhaus entführt worden. Die Verletzungen hatte er bei einer Demonstration am 1. Januar 2012 erlitten. Seit seiner Entführung gibt es kein Lebenszeichen von ihm. Amnesty International ist sehr besorgt um seinen Gesundheitszustand. Es ist unklar, ob er Zugang zu einer ausreichenden medizinischen Behandlung hat.

Appell an

STAATSPRÄSIDENT
Bashar al-Assad
Presidential Palace
al-Rashid Street, Damascus, SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency/Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 332 3410

INNENMINISTER
His Excellency
Major General Mohamed Ibrahim al-Saar
Minister of Interior
'Abd al-Rahman Shahbandar Street
Damascus, SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 311 0554

Sende eine Kopie an

AUßENMINISTER
Walid al-Mu'allim, Ministry of Foreign Affairs
al-Rashid Street, Damascus
SYRIEN
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 963) 11 214 6251 /-6252/ -6253

BOTSCHAFT DER ARABISCHEN REPUBLIK SYRIEN
S.E. Herrn Radwan Loutfi
Rauchstr. 25
10787 Berlin
Fax: 030-5017 7311
E-Mail: info@syrianembassy.de oder
press@syrianembassy.de oder secretary@syrianembassy.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch, Französisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 17. Februar 2012 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich fordere Sie auf, Mohamed Anwar Dabbas die notwendige medizinische Versorgung und jegliche weitere medizinische Behandlung zu gewähren, ihn vor Folter und anderen Misshandlungen zu schützen und dafür zu sorgen, dass er unverzüglich Kontakt zu seiner Familie aufnehmen kann.

  • Ich fordere Sie auf, Informationen bezüglich des derzeitigen Verbleibs und der Rechtsstellung von Mohamed Anwar Dabbas zu gewähren und weise sie drauf hin, dass er nur aufgrund der friedlichen, reformorientierten Aktivitäten inhaftiert ist und Amnesty International ihn als einen gewaltlosen politischen Gefangenen ansieht, der unverzüglich und bedingungslos freigelassen werden muss.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Urging the Syrian authorities to ensure Mohamed Anwar Dabbas is provided with the specialised medical care that he requires and that he is protected from any ill-treatment and torture and given immediate access to his family.

  • Asking for clarification of Mohamed Anwar Dabbas’ current whereabouts and legal status, noting that if he is held solely because of his pro-reform activism, Amnesty International would consider him to be a prisoner of conscience and call for his immediate and unconditional release.

Sachlage

Mohamed Anwar Dabbas hatte in seiner Heimatstadt Daraya bei Damaskus an einer friedlichen Demonstration für Reformen in Syrien teilgenommen. Ein Augenzeuge hatte berichtet, dass die Demonstrierenden sich im Zentrum der Stadt befanden, als plötzlich Schüsse fielen. Es wird vermutet, dass mindestens drei Scharfschützen auf die Demonstrierenden schossen und dabei über 20 Personen verletzten. Laut des Augenzeugen war Mohamed Anwar Dabbas am Oberkörper nahe seines Herzens angeschossen worden. Er ist der einzige, der schwer verletzt wurde.

Mohamed Anwar Dabbas wurde zunächst in eine kleines Privatkrankenhaus in Daraya eingeliefert. Die Ärzte verständigten einen Familienangehörigen und teilten ihm mit, seine Verletzungen seien zu schwer, um ihn in dem Privatkrankenhaus behandeln zu können. Er müsse sofort von einem Facharzt operiert werden. Daraufhin verlegte man ihn in ein Krankenhaus in Daraya, wo er für die Operation vorbereitet wurde. Während der Vorbereitungen überlegten die Ärzte, ihn in ein größeres Krankenhaus in Damaskus zu verlegen, anstatt auf den Chirurgen zu warten. Ein Familienmitglied vor Ort berichtete, dass in Zivil gekleidete Mitarbeiter des Nachrichtendienstes der syrischen Luftwaffe das Krankenhaus betraten und dem medizinischen Personal befahlen, Mohamed Anwar Dabbas für den Transport vorzubereiten. Sie sagten, sie wollten ihn in das Krankenhaus in Damaskus bringen. Den Familienmitgliedern wurde die Begleitung verweigert, und man brachte den Patienten in bewusstlosem Zustand weg. Der Krankenwagenfahrer berichtete später, er sei aufgefordert worden, in ein Militärkrankenhaus in al-Mezzeh, einem Vorort von Damaskus, zu fahren.

Seitdem gibt es kein Lebenszeichen von Mohamed Anwar Dabbas. Als seine Familienangehörigen im Militärkrankenhaus nach ihm fragten, wurde ihnen die Auskunft über den Patienten verweigert und man forderte sie auf zu gehen. Aufgrund seiner schweren Verletzungen ist Amnesty International sehr um die Gesundheit von Mohamed Anwar Dabbas besorgt. Es ist unklar, ob er die notwendige Gesundheitsversorgung in dem Militärkrankenhaus erhält. Der derzeitige Aufenthaltsort und der rechtliche Status von Mohamed Anwar Dabbas sind ungewiss. Amnesty International geht davon aus, dass er ein gewaltloser politischer Gefangener ist, der nur aufgrund seiner friedlichen Proteste für Reformen in Haft gehalten wird.

[EMPFOHLENE AKTIONEN]

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich fordere Sie auf, Mohamed Anwar Dabbas die notwendige medizinische Versorgung und jegliche weitere medizinische Behandlung zu gewähren, ihn vor Folter und anderen Misshandlungen zu schützen und dafür zu sorgen, dass er unverzüglich Kontakt zu seiner Familie aufnehmen kann.

  • Ich fordere Sie auf, Informationen bezüglich des derzeitigen Verbleibs und der Rechtsstellung von Mohamed Anwar Dabbas zu gewähren und weise sie drauf hin, dass er nur aufgrund der friedlichen, reformorientierten Aktivitäten inhaftiert ist und Amnesty International ihn als einen gewaltlosen politischen Gefangenen ansieht, der unverzüglich und bedingungslos freigelassen werden muss.

[APPELLE AN]

STAATSPRÄSIDENT
Bashar al-Assad
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E-Mail: info@syrianembassy.de oder
press@syrianembassy.de oder secretary@syrianembassy.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch, Französisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 17. Februar 2012 keine Appelle mehr zu verschicken.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Die Demonstrationen für Reformen in Syrien begannen im Februar 2011 und entwickelten sich Mitte März zu Massenprotesten. Obwohl sie weitgehend friedlich verliefen, reagierten die Behörden in ihrem Bestreben, die Proteste niederzuschlagen, mit großer Brutalität. Amnesty International verfügt über die Namen von mehr als 4.400 Menschen, die Berichten zufolge seit Mitte März 2011 im Zusammenhang mit den Demonstrationen gestorben sind oder getötet wurden. Offenbar sind viele von ihnen von den Sicherheitskräften, die mit scharfer Munition gegen die Protestierenden vorgegangen sind, erschossen worden, während sie an friedlichen Demonstrationen oder der Beisetzung von Opfern früherer Proteste teilnahmen. Auch Sicherheitskräfte wurden dabei getötet, oftmals durch übergelaufene Militärangehörige, die ihre Waffen gegen die Regierung erhoben haben.

Mohamed Anwar Dabbas arbeitete während seines Jurastudiums im Immobilienbereich und zeigt sich seit Beginn der Demonstrationen als friedlicher Aktivist. Während der Demonstrationen spornte er Menschen zum Gesang an. Er wurde bereits Mitte August 2011 aufgrund seiner reformorientierten Aktivitäten festgenommen und kurz darauf wieder freigelassen. Er ist mit der Schwester von Ghayath Mattar verheiratet, einem Aktivisten, der von syrischen Sicherheitskräften am 6. September 2011 festgenommen worden war und dessen Leichnam vier Tage später an seine Familie übergeben wurde (s. UA-268/2011 vom 8. September 2011).

Amnesty International hat bereits zuvor schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen in mindestens vier staatlichen Krankenhäusern Syriens dokumentiert (weitere Informationen unter Health Crisis: Syrian Government Targets the Wounded and Health Workers, Index MDE 24/059/2011, October 2011, http://amnesty.org/en/library/info/MDE24/059/2011/en). Der Organisation liegen Beweise über Folter und andere Misshandlungen an den PatientInnen, u.a. durch das Krankenhauspersonal, vor. Angehörige des Krankenhauspersonals, die verdächtigt wurden, Demonstrierende und andere aufständische Verletze behandelt zu haben, wurden selbst Opfer von Festnahmen und Folterungen.

Amnesty International fand heraus, dass Übergriffe auf PatientInnen vom medizinischen Personal, KrankenpflegerInnen und Sicherheitspersonal in den staatlichen Krankenhäusern in Banias, Homs und Tell Kalakh sowie dem Militärkrankenhaus in Homs stattgefunden haben. Ein Arzt aus dem Militärkrankenhaus in Homs berichtete Amnesty International, er habe Misshandlungen an PatientInnen von vier ÄrztInnen und mehr als 20 Krankenschwestern beobachtet. Zudem wurden Patienten aus den Krankenhäusern weggebracht. So überfielen beispielsweise am 7. September 2011 Sicherheitskräfte das al-Birr wa al-Khadamat-Krankenhaus in Homs. Sie waren auf der Suche nach einem mutmaßlich bewaffneten Befehlshaber, der sich gegen die Regierung aufgelehnt hatte. Da sie ihn nicht gefunden hatten, nahmen sie 18 verwundete Personen fest. Ein Krankenpfleger, der während des Überfalls vor Ort war, berichtete Amnesty International, einem bewusstlosen Patienten sei das Beatmungsgerät abgenommen worden, bevor man ihn wegbrachte.

Die Demonstration vom 1. Januar 2012 fand aufgrund der Anwesenheit von Bebachtern der Arabischen Liga statt, die sich an diesem Tag vermutlich in Daraya aufgehalten haben. Trotz der Anwesenheit der Beobachter gehen die syrischen Sicherheitskräfte weiterhin gegen friedliche Proteste vor. ZeugInnen in Daraya berichteten Amnesty International, dass am 1. Januar 2012 bei Razzien der Sicherheitskräfte in der Stadt mindestens 17 Personen festgenommen wurden.