Morddrohungen

Rafael Cáceres, der sich bei den Parlamentswahlen um ein Abgeordnetenmandat beworben hatte, ist mit dem Tod bedroht worden. Er hat sich gegen den Putsch vom Juni 2009 ausgesprochen, durch den eine neue Regierung in Honduras an die Macht gelangt war.

Appell an

DE-FACTO-PRÄSIDENT
Roberto Micheletti
Casa Presidencial
Boulevard Juan Pablo Segundo
Palacio José Cecilio del Valle
Tegucigalpa
HONDURAS
(korrekte Anrede: Dear Mr Micheletti / Estimado Sr. Micheletti)
Fax: (00 504) 239 3298
(Da diese Faxnummer nicht verlässlich ist, schreiben Sie bitte sowohl Faxe als auch Luftpostbriefe, um sicherzugehen, dass die Appelle ankommen.)

Sende eine Kopie an

ÖRTLICHE NICHTREGIERUNGSORGANISATION
Comité de Familiares de Detenidos Desaparecidos en Honduras (COFADEH)
Barrio La Plazuela, Avenida Cervantes
Casa No. 1301
Apartado Postal 1243
Tegucigalpa
HONDURAS
Fax: (00 504) 220 5280

BOTSCHAFT DER REPUBLIK HONDURAS
S.E. Herr Roberto Augusto Martinez Castañeda
Cuxhavener Straße 14
10555 Berlin
Fax: (030) 3974 9712
E-Mail: informacion@embahonduras.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 17. Februar 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE

  • Appellieren Sie an Präsident Roberto Micheletti, eine umfassende und unparteiische Untersuchung der gegen Rafael Cáceres gerichteten Drohungen anzuordnen.

  • Fordern Sie ihn auf, Rafael Cáceres unverzüglich seinen Wünschen entsprechend Schutz zu gewähren.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Urging the president to order a thorough and impartial investigation into the threats against Rafael Cáceres;

  • urging him to act immediately to give all necessary protection to Rafael Cáceres, in accordance with his wishes.

Sachlage

Rafael Cáceres ist stellvertretender Direktor der Kunsthochschule (Escuela de Bellas Artes) von Tegucigalpa. Er hat sich gegen den Putsch vom 28. Juni 2009 und die Absetzung von Präsident Manuel Zelaya gewandt. Bei den Parlamentswahlen war Rafael Cáceres Kandidat der sozialistischen Partei Partido Unificación Democratica, die eine von mehreren Oppositionsparteien des Landes ist.

Seit einiger Zeit erhält Rafael Cáceres auf seinem Handy immer wieder Drohnachrichten, die alle vom selben Absender stammen. In der ersten Mitteilung, die er am 11. Juli 2009 erhielt, hieß es: "Du stehst auf der Liste, du Köter" (Estas en la lista, perro). In der nächsten SMS, die am 19. Oktober gegen 22:00 Uhr eintraf, wurde gedroht: "Du stehst auch auf der Liste der Lehrer, die wir töten werden" (Vos tambien estas en la lista de los profesores que vamos a quebrar). Am 20. Dezember trafen in kurzer Abfolge zwei Nachrichten ein, deren Inhalt darauf hindeutet, dass die Absender über den Tagesablauf von Rafael Cáceres informiert sind. In der ersten SMS, die gegen Mittag verschickt wurde, hieß es: "Wir sind schon ganz in Deiner Nähe". Drei Minuten später erhielt Rafael Cáceres eine zweite Nachricht. Sie lautete: "Wir werden am kommenden Donnerstag in El Sitio auf dich warten" (Te esperamos por el sitio el jueves). El Sitio ist ein Viertel, das Rafael Cáceres jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit durchqueren muss. Am 22. Dezember wandte er sich an die Kriminalpolizei (Direccion Nacional de Investigacion Criminal) und teilte ihr konkrete Details wie etwa die Telefonnummer, von der aus die Nachrichten verschickt worden waren, mit. Am 24. Dezember erhielt Rafael Cácares eine weitere Nachricht. Darin hieß es: "Wir werden in diesen Tagen auf Dich warten" (Te esperamos estos días). Die letzte Drohung traf am 30. Dezember um 8:20 Uhr ein und lautete: "Wir werden in diesen Tagen auf Dich warten, wir müssen unsere Mission erfüllen" (Te estaremos esperando estos días tenemos que cumplir la misión).

Hintergrundinformation

Hintergrund

Der demokratisch gewählte Präsident von Honduras, José Manuel Zelaya Rosales, wurde am 28. Juni 2009 von einer durch das Militär unterstützten Gruppe von PolitikerInnen gestürzt, die vom ehemaligen Vorsitzenden des Nationalkongresses, Roberto Micheletti, angeführt wurde. Seitdem kommt es überall im Land zu Unruhen mit häufigen Zusammenstößen zwischen der Polizei, dem Militär und Demonstrierenden. Örtliche Quellen berichten, dass seit dem 28. Juni mindestens zehn Menschen unter ungeklärten Umständen zu Tode gekommen sind. Vor allem MenschenrechtlerInnen sind seit dem Putsch stark gefährdet. So wurde am 13. Dezember der Menschenrechtsaktivist Walter Tróchez auf dem Nachhauseweg im Zentrum von Tegucigalpa von Schüssen getroffen, die von einem vorbeifahrenden Wagen heraus auf ihn abgefeuert worden waren. Er starb später im Krankenhaus. Möglicherweise liegt das Motiv für den Anschlag auf Walter Tróchez in seinem menschenrechtlichen Engagement begründet.

Am 11. Dezember hatte Walter Tróchez Amnesty International mitgeteilt, dass eine Woche zuvor ein Entführungsversuch auf ihn verübt worden sei. Maskierte Männer hätten ihn mehrere Stunden lang bedroht, geschlagen und über Personen befragt, die den Machthabern, die durch den Putsch an die Macht gelangt waren, ablehnend gegenüber stehen.