Pressemitteilung 01. Dezember 2015

Pressekonferenz zum Tag der Menschenrechte

Die "Flüchtlingskrise" ist in Wahrheit eine politische Krise, eine internationale Krise der Verantwortung und der Solidarität.

Terminhinweis

Wann:
Mittwoch, 09. Dezember 2015 11:00 Uhr

Wo:
Aktionsraum für Menschenrechte Brunnenstr. 188-190 10119 Berlin

Wer:
Selmin Çalışkan ist Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland. Im November 2015 fuhr sie nach Slowenien, um sich vor Ort ein Bild von der Situation der dort ankommenden Flüchtlinge zu machen.

Khairunissa Dhala ist Amnesty-Researcherin für Flucht und Migration. Seit 2013 arbeitet sie insbesondere zu Syrien und sprach u.a. mit Flüchtlingen im Irak, im Libanon und zuletzt im November 2015 in Jordanien.

Jaqar Khoen Mullah Ahmed wurde in Syrien monatelang inhaftiert, weil er sich politisch engagierte. Amnesty und andere Organisationen setzten sich für seine Freilassung ein. 2014 konnte er schließlich nach Berlin flüchten.

Weltweit sind 60 Millionen Menschen auf der Flucht, so viele wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Und während bewaffnete Konflikte wie in Syrien weiter eskalieren, werden etwa 80 Prozent der Fliehenden von Entwicklungsländern aufgenommen. Viele Industrieländer kürzten Anfang des Jahres ihre Zahlungen an die UN-Hilfsprogramme für Flüchtlinge in Camps in Jordanien oder dem Libanon. Gleichzeitig schottet sich die Europäische Union weiter ab. Ihre Mitgliedsstaaten sind zerstritten und ziehen sich auf nationale Interessen zurück. In Deutschland folgten der Aufnahme der Flüchtlinge vom Budapester Bahnhof Gesetzespakete mit Asylrechtsverschärfungen, wie es sie seit den 1990er-Jahren nicht mehr gab.

Die sogenannte Flüchtlingskrise ist in Wahrheit eine politische Krise, eine internationale Krise der Verantwortung und der Solidarität. Amnesty fordert die internationale Gemeinschaft dazu auf, legale und sichere Zugangswege für Flüchtende auszubauen bzw. jene Länder zu unterstützen, die die größte Zahl der Flüchtlinge aufgenommen haben. Gleichzeitig muss innerhalb Europas für eine gerechte Verteilung der Schutzbedürftigen gesorgt werden. Und nicht zuletzt kann nur eine menschenrechtsorientierte Außen- und Sicherheitspolitik Fluchtursachen langfristig bekämpfen und dafür sorgen, dass Menschen nicht mehr fliehen müssen.

Ort der Pressekonferenz ist ein temporärer Aktionsraum für Menschenrechte in den Räumen der Neuen Schule für Fotografie. In dem Raum finden vom 05. bis zum 13. Dezember mehrere Abendveranstaltungen rund um das Thema Menschenrechte statt. Fortlaufende Elemente der Aktion sind die Ausstellung „Flüchtlinge malen ihr Leben. Bilder aus Berlin-Moabit“ und der Amnesty-Briefmarathon, mit dem Amnesty jedes Jahr dazu aufruft, sich mit Briefen und E-Mails weltweit für Menschen in Gefahr einzusetzen.

Für Interviewwünsche oder Rechercheanfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle. Wenn Sie an der Pressekonferenz teilnehmen wollen, bitten wir um eine Anmeldung per Mail.

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