Verschwindenlassen in Mexiko

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Mütter von Verschwundenen demonstrieren in Mexiko-Stadt am 10. Mai 2012

Mütter von Verschwundenen demonstrieren in Mexiko-Stadt am 10. Mai 2012

Von Februar bis Mai 2018 ist in der Stadt Nuevo Laredo im Norden Mexikos das Verschwinden von mindestens 33 Personen angezeigt worden. Die Behörden haben bei den Ermittlungen wertvolle Zeit verloren und die Familienangehörigen erhalten keinen angemessenen Schutz.

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Dein Appell

Sehr geehrter Herr Beltrán,

zwischen Februar und Mai 2018 ist in der Stadt Nuevo Laredo im Norden Mexikos das Verschwinden von mindestens 33 Personen angezeigt worden. Bislang wurden 13 von ihnen tot aufgefunden. Mich erschüttern diese Berichte. Deshalb wende ich mich heute an Sie.

Ich möchte Sie höflich auffordern, das Verschwindenlassen und die Tötungen der vergangenen Monate unverzüglich und zielgerichtet zu untersuchen und dabei der Suche nach den „verschwundenen“ Menschen sowie der Spurensicherung und den Ermittlungen vor Ort Vorrang zu geben.

Gewähren Sie den Familienangehörigen, die eine Überwachung oder andere Schutzmaßnahmen fordern, diesen Schutz und gewährleisten Sie öffentliche Unterstützung für die in diesen Fällen engagierten Menschenrechtsverteidiger_innen.

Mit freundlichen Grüßen

 

 

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Bitte abschicken bis: 01.08.2018

Appell an:

Alberto Elías Beltrán

Procurador General Interino

Rio Amazonas 43

Col. Cuauhtémoc Ciudad de México

C.P. 06500, MEXIKO

Sende eine Kopie an:

Botschaft der Vereinigten Mexikanischen Staaten

S. E. Herrn Rogelio Granguillhome Morfin

Klingelhöferstraße 3

10785 Berlin

Fax: 030-26 93 23 700

E-Mail: mexale@sre.gob.mx

Amnesty fordert:

  • Ich möchte Sie höflich auffordern, das Verschwindenlassen und die Tötungen der vergangenen Monate unverzüglich und zielgerichtet zu untersuchen und dabei der Suche nach den „verschwundenen“ Menschen sowie der Spurensicherung und den Ermittlungen vor Ort Vorrang zu geben.
  • Gewähren Sie den Familienangehörigen, die eine Überwachung oder andere Schutzmaßnahmen fordern, diesen Schutz und gewährleisten Sie öffentliche Unterstützung für die in diesen Fällen engagierten Menschenrechtsverteidiger_innen.
  • An die mexikanische Marine: Bitte kooperieren Sie in vollem Umfang mit den Ermittlungsbehörden und geben Sie detaillierte Informationen zu Ihren Operationen der vergangenen Monate in Nuevo Laredo, Tamaulipas.

Sachlage

Seit Februar 2018 sind der Nationalen Menschenrechtskommission mindestens 33 Fälle von Verschwindenlassen in Nuevo Laredo im mexikanischen Bundesstaat Tamaulipas gemeldet worden. Bislang wurden 13 Leichen gefunden, meist von Familienangehörigen. Im Mai veröffentlichte das Büro des UN-Hochkommissars für Menschenrechte eine Reihe von Warnhinweisen zu diesen Vorfällen. Bei einigen Fällen könnte laut Zeugenaussagen und audiovisuellem Material, das während der Vorfälle aufgenommen wurde, eine Beteiligung der mexikanischen Marine gegeben sein.

Eine Reihe von Angehörigen und Zeug_innen erhielt Drohungen, nachdem sie die Fälle den Behörden gemeldet oder sie öffentlich gemacht hatten. Viele haben Angst und benötigen staatlichen Schutz. Darüberhinaus hat die mexikanische Marine ihr anfängliches Versprechen zurückgezogen, ihnen zu gestatten, die Einrichtungen der Marine zu betreten, um nach den „Verschwundenen“ zu suchen. Einige Familienangehörige gaben an, dass sie schikaniert oder eingeschüchtert worden sind, nachdem sie an Marinestützpunkten nach Informationen gefragt hatten. Die sie begleitende örtliche Menschenrechts-NGO Comité de Derechos Humanos de Nuevo Laredo wird in den Sozialen Medien ständig angegriffen und beschuldigt, „Kriminelle zu unterstützen“. Am 6. Juni verpflichteten sie die Bundesbehörden nach einem Treffen mit Dutzenden Angehörigen der „Verschwundenen“ zu einer Reihe von Aktionen wie z. B. die Beschleunigung der Suche, die Sicherstellung ungehinderter Ermittlungen und die Gewährleistung ihres Schutzes.

Angehörige von Angel (14), José Daniel Trejo García (41), Jorge Antonio Hernández Dominguez (18) und José Luis Bautista Carrillo (32) berichteten Amnesty International, dass die Generalstaatsanwaltschaft das Verschwindenlassen bislang weder umfassend untersucht habe, noch mit den Ermittlungen zu dem Verschwindenlassen, das bereits zwischen März und Mai geschah, vorangekommen sei. Hinzukommt, dass die Angehörigen von José Eugenio Hernández Romero (14), der am Abend des 23. April „verschwand“ und dessen Leichnam einige Tage später gefunden wurde, noch keinen Zugang zu einer Kopie der Ermittlungsakte zu seinem Tod erhalten haben, obwohl ihnen dieses Recht zusteht. Die gemeinsame Spur in diesen Fällen ist, dass die „Verschwundenen“ laut Zeug_innen in den Fahrzeugen von Marinesoldat_innen weggebracht wurden.

Hintergrundinformation

Hintergrund

In Mexiko sind derzeit mehr als 37.000 Menschen Opfer des Verschwindenlassens. Tamaulipas ist der Bundesstaat mit der höchsten Zahl an „Verschwundenen“ in Mexiko. Am 30. April 2018 war laut offiziellen Angaben der Verbleib von 5.990 Menschen nicht bekannt. Die Zahl ist seither weiter gestiegen.

Zwischen Februar und Mai 2018 kam es zu einem großen Anstieg der Verschwundenenzahlen in der Stadt Nuevo Laredo im Bundesstaat Tamaulipas. Familienangehörige und Zeug_innen machen die Marine für viele dieser Fälle verantwortlich.

Vom 12. bis zum 15. Juni kam eine Reihe von Vertreter_innen mehrerer Bundesbehörden ein weiteres Mal nach Nuevo Laredo, um den Verpflichtungen nachzukommen, die sie mit Familienangehörigen während des hochrangigen Treffens am 6. Juni eingegangen waren. Bei dieser zweiten Delegationsreise befragten Behördenvertreter_innen die Familien einzeln, um zu den Ermittlungen beizutragen.

Das ist zwar wichtig, doch Familienangehörige haben gegenüber Amnesty International angemerkt, dass damit wertvolle Zeit für die Spurensuche vor Ort verlorengeht. Wichtige Informationen wie Telefonverbindungen und Handyortungen, Überwachungsvideos der Geschäfte in der Nähe der Tatorte, Fingerabdrücke und andere Beweismaterialien müssen in mehreren Fällen erst noch analysiert werden, obwohl einige der Vorfälle bereits drei Monate zurückliegen.

Bislang wird die Suche nach „Verschwundenen“ meist von den Familienangehörigen selbst durchgeführt. Das setzt sie einem großen Sicherheitsrisiko aus. Im Laufe dieser Suche sind 13 Leichen gefunden worden.