USA: Drohende Hinrichtung stoppen!
Diese Urgent Action ist beendet.
Quintin Jones wurde am 19. Mai hingerichtet. Den Geschworen war zur Festsetzung des Strafmaßes eine Fehleinschätzung der Gefährlichkeitsprognose von Quintin Jones präsentiert worden. Diese war ausschlaggebend für sein Todesurteil. Sein erster Rechtsbeistand hatte nach dem Schuldspruch die erforderlichen Anträge zu spät vorgelegt, sodass eine wirksame Prüfung des Falls nicht möglich war. Angehörige des Mordopfers unterstützten ein Gnadengesuch. Trotz allem stimmten die texanischen Behörden dem Gnadengesuch nicht zu.
Eine Hinrichtungskammer in Huntsville in Texas 2012
© AP GraphicsBank
Quintin Jones soll am 19. Mai hingerichtet werden. Er war für schuldig befunden worden, 1999 seine 83 jährigen Großtante ermordet zu haben und wurde 2001 zum Tode verurteilt. Zur Tatzeit war er 20 Jahre alt. Den Geschworen war zur Festsetzung des Strafmaßes eine Fehleinschätzung der Gefährlichkeitsprognose von Quintin Jones präsentiert worden, welche ausschlaggebend für sein Todesurteil war. Sein erster Rechtsbeistand legte nach dem Schuldspruch die erforderlichen Anträge zu spät vor, sodass eine wirksame Prüfung des Falls nicht möglich war. Angehörige des Mordopfers unterstützen ein Gnadengesuch.
Bitte versucht die Hinrichtung von Quintin Jones zu verhindern!
Appell an
Texas Board of Pardons and Paroles
8610 Shoal Creek Blvd.
Austin, Texas 78757
USA
Sende eine Kopie an
Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika
Frau Robin Suzanne Quinville
Clayallee 170
14195 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50 oder 030-831 49 26
E-Mail: feedback@usembassy.de
Amnesty fordert:
- Ich fordere Sie auf, die Begnadigung von Quintin Phillippe Jones (TDCJ #999379) zu empfehlen.
Sachlage
Am 19. Mai 2021 soll Quintin Jones wegen des 1999 begangenen Mordes an seiner Großtante hingerichtet werden. Zur Tatzeit war er 20 Jahre alt. In der Phase des Gerichtsverfahrens, in dem über das Strafmaß befunden wurde, stützten die Geschworenen ihre Entscheidung für die Todesstrafe hauptsächlich auf die Aussagen eines vom Gericht beauftragten Arztes. Der Arzt stufte den Angeklagten als Psychopathen und als eine dauerhafte Bedrohung ein, sodass er sich für ein Todesurteil aussprach. Die Aussagen des Arztes basierten auf einem psychologischen Gutachten, das sich für die Einschätzung einer Gefährlichkeitsprognose als unzuverlässig und irreführend erwies. Darüber hinaus zeigt die wissenschaftliche Forschung, dass die Entwicklung des Gehirns und die psychologische und emotionale Reifung bis in die zwanziger Jahre weitergehen. Sein erster Rechtsbeistand legte nach dem Schuldspruch die erforderlichen Anträge zu spät vor, sodass eine wirksame Prüfung des Falls nicht möglich war. Die Schwester und der Großneffe des Mordopfers baten vor dem Begnadigungsausschuss um eine Begnadigung und sprachen sich gegen die Hinrichtung von Quintin Jones aus. Er habe sich zu einer reumütigen und empathischen Person entwickelt.
Hintergrundinformation
Quintin Phillippe Jones war 2001 des Mordes an seiner 83-jährigen Großtante, Berthena Bryant, in Tarrant County im US-Bundesstaat Texas für schuldig befunden und zum Tode verurteilt worden. Der damals 20‑Jährige hatte versucht, seine Großtante auszurauben, weil sie sich geweigert hatte, ihm erneut Geld zu leihen, um ihm weiterhin seinen Drogenkonsum zu finanzieren.
In der Strafzumessungsphase des Prozesses stützte man sich hauptsächlich auf die Aussagen eines Psychologen, der bei Quintin Jones eine Psychopathie diagnostizierte und daraus eine Gefährlichkeitsprognose ableitete. Seine Diagnose basierte auf der Hare Psycopathy Checklist Revised (PCL-R). Diese Checkliste umfasst 20 Merkmale zur Diagnose einer Psychopathie und wurde von Psycholog_innen verwendet, um eine psychopathische Veranlagung zu bewerten. In den nachfolgenden Jahren des Gerichtsprozesses zeigte die wissenschaftliche Forschung jedoch, dass diese Checkliste unzuverlässig, irreführend und ihre Eignung zur Diagnose einer Psychopathie in Fällen von Kapitaldelikten wissenschaftlich nicht belegt sei. Unter anderem das Bezirksgericht von Massachusetts erkannte die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung an. Außerdem zeigte die wissenschaftliche Forschung seither, dass das Gehirn bis Anfang/Mitte Zwanzig nicht völlig ausgereift sein wird. Daher seien Gefährlichkeitsprognosen zu diesem Zeitpunkt zu ungenau.
Da Quintin Jones erster Rechtsbeistand die erforderlichen Unterlagen für ein Rechtsmittelverfahren nicht fristgerecht einreichte, war eine wirksame Prüfung des Falls nicht möglich. Das Berufungsgericht von Texas (TCCA) wies Quintin Jones einen zweiten Rechtsbeistand zu und verlängerte die Einreichungsfrist der Unterlagen. Dennoch versäumte auch dieser Rechtsbeistand die fristgerechte Abgabe um mehr als einen Monat. Das Rechtsmittel war daraufhin vollständig vom Berufungsgericht abgelehnt worden.
Amnesty International wendet sich in allen Fällen ausnahmslos gegen die Todesstrafe, ungeachtet der Schwere und der Umstände einer Tat, der Schuld, Unschuld oder besonderen Eigenschaften des Verurteilten, oder der vom Staat gewählten Hinrichtungsmethode.