Hinrichtungstermin aufgeschoben

Diese Urgent Action ist beendet.

Alva Campbell sollte am 15. November hingerichtet werden. Seine Hinrichtung wurde gestoppt, da keine geeignete Vene für die tödliche Giftspritze gefunden werden konnte. Der Gouverneur hat für den 5. Juni 2019 erneut einen Hinrichtungstermin für den dann 71-jährigen Alva Campbell angesetzt.

Hinrichtungskammer in Huntsville, Texas

Hinrichtungskammer in Huntsville, Texas

Alva Campbell sollte am 15. November hingerichtet werden. Seine Hinrichtung wurde gestoppt, da keine geeignete Vene für die tödliche Giftspritze gefunden werden konnte. Der Gouverneur hat für den 5. Juni 2019 erneut einen Hinrichtungstermin für den dann 71-jährigen Alva Campbell angesetzt.

Sachlage

Alva Campbell war 1998 wegen des 1997 begangenen Mordes an Charles Dials zum Tode verurteilt worden. Der Begnadigungsausschuss von Ohio hatte im Oktober gegen eine Begnadigung gestimmt. Eines von zwölf Mitgliedern hatte sich hierbei für die Begnadigung von Alva Campbell ausgesprochen. Am 9. November sprach sich Gouverneur John Kasich gegen die Begnadigung aus. Der Oberste Gerichtshof der USA entschied am 14. November, keinen Hinrichtungsaufschub zu gewähren, sodass die Hinrichtung am 15. November um 10 Uhr vollstreckt werden sollte. Mit einer Stunde Verspätung wurde Alva Campbell in die Todeszelle gebracht, wo das Hinrichtungsteam 30 Minuten lang versuchte, einen intravenösen Zugang zu legen. Nach mehreren Versuchen an seinen Armen und seinem rechten Bein stoppte der Direktor der US-Gefängnisbehörde die Hinrichtung und Gouverneur Kasich erließ einen vorübergehenden Aufschub. Er setzte für den 5. Juni 2019 einen neuen Hinrichtungstermin an. Dann wird John Kasich nicht mehr Gouverneur von Ohio sein, da seine Amtszeit im Januar 2019 endet. Der Rechtsbeistand von Alva Campbell stellte infrage, inwiefern die Behörden des Bundesstaates im Juni 2019 mehr Erfolg dabei haben würden, seinen Mandanten hinzurichten: "Er ist 69 Jahre alt, leidet an verschiedenen Erkrankungen und seine Gefäße sind in einem schlechten Zustand. Das wird nicht besser werden."

Ein kürzlich eingelegtes Rechtsmittel beschreibt, wie sich der Gesundheitszustand von Alva Campbell seit 2003 "zunehmend und akut verschlechtert" hat und wie "beinahe jedes Jahr mehrere schwere und lebensbedrohliche Erkrankungen" hinzugekommen sind. Darin wird argumentiert, dass es aufgrund des äußerst schlechten Gesundheitszustands von Alva Campbell wahrscheinlich ist, dass das Setzen einer Giftspritze bei ihm eine "paradoxe Reaktion" hervorrufen wird, "was jeglichen Hinrichtungsversuch durch den Bundesstaat verfassungswidrig machen würde". Es wurde auch auf seine schlechten Venen hingewiesen. Am 25. Oktober lehnte das zuständige Berufungsgericht das Rechtsmittel ab. Von drei Richter_innen sprach sich jedoch eine Richterin mit folgenden Worten für das Rechtsmittel aus: "Es gibt Situationen, in denen es als Akt blindwütiger Vergeltung anzusehen wäre, eine Person zu töten, um deren geistige Gesundheit es sehr schlecht bestellt ist; und es gibt Situationen, in denen es als Akt blindwütiger Vergeltung anzusehen wäre, eine Person zu töten, um deren körperliche Gesundheit es zunehmend schlecht bestellt ist." Die Rechtsbeistände von Alva Campbell beantragten beim Obersten Gerichtshof der USA einen Hinrichtungsaufschub, der am 14. November ohne Gegenstimmen und ohne Stellungnahme abgelehnt wurde.

2017 sind in den USA bisher 23 Todesurteile vollstreckt worden. Zwei davon, und somit 55 der insgesamt 1.465 Exekutionen in den USA seit der Wiederaufnahme von Hinrichtungen im Jahr 1976, wurden im Bundesstaat Ohio vollstreckt. Vor September 2022 stehen in Ohio noch 27 weitere Hinrichtungen an, darunter auch die von Alva Campbell und Romell Broom. Er sollte 2009 hingerichtet werden, aber auch seine Hinrichtung wurde abgebrochen, weil das Hinrichtungsteam keine geeignete Vene für die tödliche Giftspritze finden konnte. 2016 hatte das Oberste Gericht der USA mit vier zu drei Stimmen entschieden, dass ein erneuter Hinrichtungsversuch nicht verfassungswidrig sei. Ein Richter, der sich gegen diese Entscheidung aussprach, begründete dies mit den Worten: "Ich frage mich, wann das Konzept der Menschenwürde sich so weit entwickelt haben wird, dass der Staat Ohio die Todesstraffe vollständig abschafft, so wie es mit anderen, offensichtlicheren Formen von Folter bereits geschehen ist."

Vielen Dank allen, die Appelle geschrieben haben. Weitere Aktionen des Eilaktionsnetzes sind zurzeit nicht erforderlich.