USA: Jamie Mills hingerichtet

Sachlage

Jamie Mills wurde am 30. Mai 2024 um 18:27 Uhr für tot erklärt.

In diesem Jahr wurden in den USA sechs Hinrichtungen vollstreckt. Damit beläuft sich die Gesamtzahl der Hinrichtungen seit der Wiederaufnahme der Hinrichtungen durch den Obersten Gerichtshof der USA im Jahr 1976 auf 1.588. Auf Alabama entfallen 74 dieser Hinrichtungen.

Letzte Einsprüche, die sich auf eine eidesstattliche Erklärung des Anwalts von JoAnn Mills, der Lebensgefährtin von Jamie Mills, stützten, blieben erfolglos. In dieser eidesstattlichen Erklärung vom 26. Februar 2024 heißt es, dass der damalige Staatsanwalt vor der Aussage seiner Mandantin im Prozess gegen Jamie Mills im Jahr 2007 versprochen hatte, auf die Todesstrafe in ihrem Fall zu verzichten und einer lebenslangen Freiheitsstrafe mit der Möglichkeit der Bewährung zuzustimmen, wenn sie sich bereit erklärte, gegen Jamie Mills auszusagen. Wenn das stimmt, würde das bedeuten, dass der Staatsanwalt gelogen hat, als er dem Gericht sagte, dass JoAnn Mills ohne jegliches Angebot, Andeutung oder Versprechen für einen Deal ausgesagt hat. Und auch in den darauffolgenden Anhörungen und Berufungsverfahren auf bundesstaatlicher und bundesweiter Ebene wurde immer wieder versichert, dass zum Zeitpunkt des Prozesses gegen Jamie Mills keine Übereinkunft zwischen der Staatsanwaltschaft und der Zeugin erzielt worden war. Zehn Tage nach der Verurteilung von Jamie Mills wurde JoAnn Mills zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe mit der Möglichkeit der Bewährung verurteilt.

In einer eidesstattlichen Erklärung, die am 6. März 2024 unterzeichnet wurde, leugnete der ehemalige Staatsanwalt, dass er JoAnn Mills vor dem Prozess gegen Jamie Mills "irgendeine Art von Angebot gemacht hatte" und führte an, dass er ein solches Angebot nicht machen konnte, weil die Angehörigen der Opfer "ihre Position sehr deutlich gemacht hatten", dass sie die Todesstrafe verfolgen. Er behauptete, das Angebot sei erst nach dem Prozess gegen Jamie Mills gemacht worden. Am 15. April 2024 wies ein Gericht des Bundesstaates die Berufung von Jamie Mills mit der Begründung ab, dass dem Gericht keine Beweise dafür vorlägen, warum die eidesstattliche Erklärung von JoAnn Mills' Anwalt nicht früher hatte eingeholt werden können. Die Anwälte von Jamie Mills wandten sich an das Bundesbezirksgericht, das am 17. Mai 2024 entschied, dass die Klage nicht rechtzeitig eingereicht wurde und kein Grund angegeben wurde, warum eine eidesstattliche Erklärung von JoAnn Mills' Anwalt nicht früher hätte eingeholt werden können. 

Vielen Dank allen, die versucht haben, diese Hinrichtung zu verhindern.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Weiter auf Englisch: The US Court of Appeals for the 11th Circuit upheld the decision. One of the three judges, concurring, nevertheless concluded: "Unfortunately, even when a petitioner’s life hangs in the balance, our case law does not extend sufficient procedural and substantive due process protections".

On 21 May 2024, another federal District Court in Alabama dismissed a motion for injunctive measures brought by Jamie Mills’s lawyers in relation to the execution process, based on what had occurred in recent cases in Alabama, including prolonged, torturous and sometimes unsuccessful attempts to carry out lethal injections. The Chief Justice of the District Court denied the motion, echoing the US Supreme Court’s hostility to "last-minute" challenges to execution methods ("Courts should police carefully against attempts to use such challenges as tools to interpose unjustified delays" (2019)). She said that no "reasonable explanation" had been given as to why the challenge had not been filed earlier. She said that the delay in filing the case was "inexcusable", and that "the practice of filing lawsuits and requests for stay of execution at the last minute where the facts were well known in advance is ineffective, unworkable, and must stop". The three-judge panel of the 11th Circuit Court of Appeals affirmed, with the same judge as in the affidavit case again concurring. This time she noted the "troubling" conduct and "pattern of delay during executions" in Alabama, including in four recent "botched" executions, and added that Mills’s fears were "valid".

The US Supreme Court dismissed final appeals without comment, and Governor Kay Ivey denied clemency, then Jamie Mills was executed. Attorney General Steve Marshall issued a statement that "his assigned punishment has never been more deserved". The Equal Justice Initiative (EJI), whose lawyers represented Jamie Mills on appeal, issued a statement, saying: "Jamie Mills became another person needlessly killed by state officials who comfortably tolerate state deception, violation of the law, and breach of fundamental constitutional rights in an effort to carry out a death sentence they claim upholds the rule of law. There will come a day when governments recognize the perverse injustice of this process and the wrongfulness of this punishment".