Kolumbien: Durch Glyphosat in Gefahr

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Ein Mann zeigt in einer bergigen, aber sehr bewachsenen Region auf eine Kokaplantage.

Ein Mann vor seiner Kokaplantage in Catatumbo, Juni 2019.

Kolumbien lässt den Einsatz des Herbizids Glyphosat aus der Luft zur Vernichtung verbotener Kulturpflanzen wieder zu. Diese Maßnahme wurde 2015 aufgrund ihrer schädlichen Auswirkungen auf Umwelt und Menschenrechte gestoppt und könnte nun unter anderem erneut die Gesundheit von Hunderten kleinbäuerlicher Gemeinschaften sowie die Umwelt gefährden.

Setzt euch für die kleinbäuerlichen Gemeinschaften ein!

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Dein Appell

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Sehr geehrter Herr Justizminister,

der Einsatz von Glyphosat hat erwiesenermaßen schwerwiegende Auswirkungen auf die Umwelt und die Menschenrechte von Tausenden von Menschen. Dazu gehören die Rechte auf Leben, Gesundheit, Wasser, auf eine gesunde und sichere Umwelt sowie auf einen angemessenen Lebensstandard. Die Zwangsvernichtung illegaler Anbaukulturen durch das Herbizid Glyphosat wird die Konfliktsituation im Land verschärfen und kleinbäuerliche Gemeinschaften somit noch mehr gefährden.

Bitte setzen Sie das Versprühen von Glyphosat aus der Luft umgehend aus und entscheiden Sie sich gegen eine Drogenpolitik, die den Menschen schadet. Entwickeln Sie stattdessen eine Strategie, die die zugrundeliegenden sozioökonomischen Ursachen angeht, aufgrund derer die Menschen diese Pflanzen anbauen. Die Armut und Benachteiligung in diesen Gemeinschaften darf nicht verschärft werden. Die Regierung muss den kleinbäuerlichen Gemeinschaften, die von solchen Anbaukulturen abhängig sind, die notwendige Unterstützung für die Entwicklung wirtschaftlich tragfähiger und nachhaltiger Alternativen sowie für die Wahrnehmung ihres Rechts auf Arbeit und einen angemessenen Lebensstandard bieten. In dieser Hinsicht haben sich die im Friedensabkommen anerkannten Programme zur freiwilligen Substitution als nachhaltiger und effektiver erwiesen.

Mit freundlichen Grüßen

Dear Mr Wilson Ruiz Orejuela,

It is widely documented that the use of glyphosate has had a serious impact on the environment and the human rights of thousands of people, such as right to life, health, water, to a healthy and safe environment and to an adequate standard of living. The force eradication of illegal crops with glyphosate will exacerbate the situation of conflict in the country, leaving rural communities in an even more vulnerable situation.

We urge you to immediately agree on a suspension of aerial spraying with glyphosate, and to refrain from adopting drug policies that harm people. In this sense, I call on you to develop instead policies that address the underlying socio-economic causes that lead people to cultivate these crops and avoid entrenching poverty and deprivation in these communities. The government must provide peasants farmers who depend on such crops with the necessary support to develop economically viable and sustainable alternatives and to realize their right to work and an adequate standard of living. The programs for voluntary substitution, recognized in the Peace Agreement, have proven to be more sustainable and effective for the protection of communities’ human rights.

Yours sincerely

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Hier kannst du deinen Brief ausdrucken, um ihn per Post oder Fax an die Behörden zu senden, oder ihn direkt über dein eigenes E-Mail-Programm verschicken.

Bitte abschicken bis: 11.06.2021

Appell an

Wilson Ruiz Orijuela
President of the National Narcotics Council
Cl. 53 #1327
Bogotá

KOLUMBIEN

Sende eine Kopie an

Botschaft der Republik Kolumbien
S.E. Herrn Hans-Peter Knudsen
Taubenstr. 23
10117 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: ealemania@cancilleria.gov.co

Amnesty fordert:

Sachlage

Am 12. April 2021 unterzeichnete Präsident Ivan Duque das Dekret 380 zur Bekämpfung illegaler Anbaukulturen. Die kolumbianische Regierung macht somit den Weg für die Vernichtung illegaler Nutzpflanzen durch das Versprühen von Glyphosat aus der Luft wieder frei und gefährdet dadurch die Gesundheit und Sicherheit von Tausenden von Menschen. Die Bemühungen der Regierung bei der Bekämpfung des illegalen Drogenanbaus darf die Bevölkerung nicht in der Wahrnehmung ihrer Menschenrechte beeinträchtigen. Dies gilt auch für die kleinbäuerlichen Gemeinschaften, deren Lebensunterhalt von solchen Kulturpflanzen abhängt.

Der Einsatz von Glyphosat hat erwiesenermaßen schwerwiegende Auswirkungen auf die Umwelt und die Menschenrechte von Tausenden von Menschen. Dazu gehören die Rechte auf Leben, Gesundheit, Wasser, auf eine gesunde und sichere Umwelt sowie auf einen angemessenen Lebensstandard. Die Zwangsvernichtung illegaler Anbaukulturen durch das Herbizid Glyphosat wird die Konfliktsituation im Land verschärfen und kleinbäuerliche Gemeinschaften somit noch mehr gefährden.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Im Jahr 2017 kam das kolumbianische Verfassungsgericht in seinem Urteil T-236 zu dem Schluss, dass es Indizien gibt, die vorläufig bestätigen, dass Glyphosat eine toxische Substanz ist, die je nach Expositionsgrad krebserregend oder anderweitig gesundheitsschädlich sein kann. Dieses Urteil bestimmt auch die Anforderungen, die erfüllt sein müssen, bevor das Herbizid zur Vernichtung illegaler Nutzpflanzen aus der Luft versprüht werden darf.

Im Jahr 2019 entschied das Verfassungsgericht durch den Beschluss 387, dass die Regierung die freiwillige Substitution gegenüber der Zwangsvernichtung priorisieren muss. Das Gericht legte außerdem fest, dass das Versprühen von Glyphosat aus der Luft die letzte Option sein sollte und nur dann zulässig ist, wenn die freiwillige Substitution sowie die mechanische Vernichtung fehlgeschlagen sind. Ferner müsse die kolumbianische Regierung im Rahmen von Punkt 4 ("Lösung des Problems der illegalen Drogen") des 2016 gemeinsam mit der bewaffneten Gruppe FARC-EP unterzeichneten Friedensabkommens eine Entscheidung über die Wiederaufnahme der Versprühung aus der Luft treffen.

Am 17. Dezember 2020 wandten sich zehn unabhängige Expert_innen der Vereinten Nationen in einem Brief an den kolumbianischen Präsidenten und forderten die Regierung dazu auf, die Besprühung verbotener Kulturpflanzen aus der Luft nicht wieder aufzunehmen, da diese Maßnahme "enorme Risiken" für Umwelt und Menschenrechte berge und gegen das Friedensabkommen verstoße. Zudem könnte sie Kolumbiens Verpflichtungen gemäß internationalen Menschenrechtsnormen entgegenstehen.

Auch im Jahr 2020 setzte die Regierung Programme zur freiwilligen Substitution der von Kokapflanzen nicht wirksam um, was ein Schlüsselelement des Friedensabkommens war. Stattdessen setzte sich die Regierung zum Ziel, die Kokaplantagen auf über 130.000 Hektar durch das Militär vernichten zu lassen. Im Juli 2020 veröffentlichte Amnesty International eine Pressemitteilung und forderte die Regierung dazu auf, die Besprühung der Kokaplantagen mit Glyphosat auch am Boden einzustellen, um Menschenrechtsverletzungen an den kleinbäuerlichen Gemeinschaften zu vermeiden, die für ihren Lebensunterhalt auf den Anbau von Koka angewiesen sind. Darüber hinaus argumentierte Amnesty, dass die Zwangsvernichtung der Kokapflanzen die Konfliktsituation im Land verschärfen und die kleinbäuerlichen Gemeinschaften und deren Sprecher_innen noch weiter gefährden würde.

Trotz des Gesundheitsnotstands im Zuge der Corona-Pandemie sowie zahlreicher Aufrufe verschiedener zivilgesellschaftlicher Organisationen, die Zwangsvernichtung von Koka in dieser Zeit auszusetzen, führten die Behörden ihre Maßnahmen in mindestens sieben Departamentos des Landes durch. Damit setzten sie sich auch über die Anordnung der Regierung zur obligatorischen Isolierung hinweg.