Indigene in Gefahr

Tage
:
Std
:
Min

Angehörige einer indigenen Gemeinschaft in Chocó, Kolumbien

Im Departamento Chocó im Nordwesten von Kolumbien haben Unbekannte Aulio Isarama Forastero getötet, den Governeur des Indigenenreservats Catru Dubaza Ancoso in der Gemeinde Alto Baudó. Bei den Verantwortlichen soll es sich um Mitglieder der Guerillagruppe Nationale Befreiungsarmee (Ejército De Liberación Nacional – ELN) gehandelt haben. Die dort lebende indigene Gemeinschaft wird aktiv bedroht und läuft Gefahr, vertrieben zu werden.

Setz dich für die Sicherheit der Indigenen in Kolumbien ein!

Bereits Mein-Amnesty-Account-Inhaber? Dann bitte hier anmelden.
Name
Ich habe die Datenschutzhinweise zur Kenntnis genommen.

Meine Profildaten (Vorname, erster Buchstabe des Nachnamens) dürfen bei Aktionsteilnahme angezeigt werden.

Pflichtfelder

Dein Appell

Sehr geehrter Herr Präsident,

mit großer Sorge habe ich erfahren, dass Aulio Isarama Forastero getötet, der Governeur des Indigenenreservats Catru Dubaza Ancoso in der Gemeinde Alto Baudó getötet wurde.  Bei den Verantwortlichen soll es sich um Mitglieder der Guerillagruppe Nationale Befreiungsarmee (Ejército De Liberación Nacional – ELN) gehandelt haben. Die dort lebende indigene Gemeinschaft wird aktiv bedroht und läuft Gefahr, vertrieben zu werden.

Ich fordere Sie höflich auf, durch eine angemessene staatliche Präsenz in der Gemeinde Alto Baudó das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit sowie das Recht auf Sicherheit der indigenen und afro-kolumbianischen Gemeinschaften zu gewährleisten, besonders in den Gebieten, die durch die Präsenz bewaffneter Gruppen gefährdet sind.

Bitte ergreifen Sie in Absprache mit Menschenrechtler_innen und Sprecher_innen indigener und afro-kolumbianischer Gemeinschaften entsprechend ihren Wünschen Schutzmaßnahmen auf individueller und kollektiver Ebene, um ihr Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit zu schützen.

Erarbeiten Sie in Anbetracht der 2009 vom kolumbianischen Verfassungsgericht erlassenen Resolution 4 eine umfassende Strategie zum Schutz indigener Gemeinschaften vor Vertreibung bzw. zum Schutz von bereits vertriebenen Gemeinschaften.

Mit freundlichen Grüßen

Du möchtest selbst aktiv werden und die Botschaft lieber per Brief, Fax oder mit deinem eigenen E-Mail-Programm versenden?

Hier kannst du deine Botschaft als PDF-Datei herunterladen oder direkt über dein eigenes E-Mail-Programm verschicken. Wähle einfach deine bevorzugte Versandmethode und die Sprache, in der du den Brief verschicken möchtest, aus.

Bitte abschicken bis: 07.12.2017

Appell an:

Juan Manuel Santos

Presidente de la República

Palacio de Nariño, Carrera 8 Núm. 7-26

Bogotá,

KOLUMBIEN

Sende eine Kopie an:

Ombudsperson
Carlos Alfonso Negret
Carrera 9 Núm.16 - 21
Bogotá D. C.
KOLUMBIEN

E-Mail: Asuntosdefensor@defensoria.gov.co

Botschaft der Republik Kolumbien
I. E. Frau Catalina Avila Morales Botschaftsrätin (Geschäftsträgerin a.i.)
Taubenstr. 23
10117 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: ealemania@cancilleria.gov.co

 

Amnesty fordert:

  • Ich fordere Sie höflich auf, durch eine angemessene staatliche Präsenz in der Gemeinde Alto Baudó das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit sowie das Recht auf Sicherheit der indigenen und afro-kolumbianischen Gemeinschaften zu gewährleisten, besonders in den Gebieten, die durch die Präsenz bewaffneter Gruppen gefährdet sind.
  • Bitte ergreifen Sie in Absprache mit Menschenrechtler_innen und Sprecher_innen indigener und afro-kolumbianischer Gemeinschaften entsprechend ihren Wünschen Schutzmaßnahmen auf individueller und kollektiver Ebene, um ihr Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit zu schützen.
  • Erarbeiten Sie in Anbetracht der 2009 vom kolumbianischen Verfassungsgericht erlassenen Resolution 4 eine umfassende Strategie zum Schutz indigener Gemeinschaften vor Vertreibung bzw. zum Schutz von bereits vertriebenen Gemeinschaften.

Sachlage

Laut Berichten des Runden Tisches für Dialog und Absprache der Indigenen Völker im kolumbianischen Departamento Chocó wurde am 24. Oktober der Indigenensprecher Aulio Isarama Forastero getötet. Er war von bewaffneten Männern überfallen worden, die sich als Mitglieder der Guerillagruppe Nationale Befreiungsarmee (Ejército De Liberación Nacional – ELN) zu erkennen gaben. Der Runde Tisch berichtet außerdem, dass am 7. Oktober im gleichen Indigenenreservat der Lehrer Jhon Eriberto Isarama Forastero entführt wurde. Sein Aufenthaltsort ist nach wie vor unbekannt. Die indigene Gemeinschaft im Reservat Catru Dubaza Ancoso ist in großer Gefahr, da die bewaffnete Gruppe gedroht hat, jeden zu töten, der diese Vorfälle zur Anzeige bringt.

Laut Angaben des Runden Tisches der Indigenen Völker in Chocó wurde zwar am 1. Oktober ein bilaterales Waffenstillstandsabkommen zwischen der ELN und der kolumbianischen Regierung geschlossen, doch seien „bisher noch keine Maßnahmen ergriffen worden, um die Gemeinschaften tatsächlich wirksam zu schützen“. Aulio Isarama Forastero ist der zweite Indigenensprecher, der diesen Monat in Kolumbien getötet wurde. Am 7. Oktober töteten Paramilitärs der Gruppe Autodefensas Gaitanistas de Colombia (ACG) den Sprecher der Gemeinde Medio Baudo, Ezquivel Manyoma, vor den Augen seiner Familie und anderen Angehörigen der Gemeinschaft.

Die Bewohner_innen des Indigenenreservats Catru Dubaza Ancoso befürchten angesichts dieser Vorfälle und der anhaltenden Drohungen, aus dem Gebiet vertrieben zu werden. Laut Angaben des UN-Hochkommissars für Flüchtlinge (UNHCR) wurden 2017 aus dem Departamento Chocó bereits 21 Fälle von Vertreibung gemeldet.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Am 16. August hat Amnesty International eine Stellungnahme zu der Situation in Chocó veröffentlicht, in der die Sorge über die schwierige humanitäre Lage im Departamento zum Ausdruck gebracht wird (Stellungnahme auf Englisch: https://www.amnesty.org/en/documents/amr23/6946/2017/en/).

In der ersten Hälfte des Jahres 2017 haben die indigenen Gemeinschaften in Chocó mindestens zwei Mal das Eindringen paramilitärischer Gruppen in ihre Territorien gemeldet. Zum ersten Mal passierte dies am 6. März. Es kam zu massiven Vertreibungen von Familien und zur Einschränkung ihrer Bewegungsfreiheit in den benachbarten Gemeinden in Peña Azul (siehe UA-056/2017, online unter https://www.amnesty.de/urgent-action/ua-056-2017/ueber-300-menschen-ver…). Beim zweiten Mal drangen am 18. April paramilitärische Gruppen in das Territorium Jiguamiandó nahe der humanitären Zone Pueblo Nuevo ein (siehe UA-162/2017-1, online unter https://www.amnesty.de/urgent-action/ua-062-2017-1/paramilitaers-weiter…).

In Chocó werden weiterhin Menschenrechtsverletzungen und Völkerrechtsverbrechen begangen, darunter auch gezielte Tötungen von Angehörigen der afro-kolumbianischen und indigenen Gemeinschaften. Darüber hinaus werden die Gemeinschaften von ihrem Land vertrieben oder dort eingeschlossen und es finden Zwangsrekrutierungen indigener Jungen und Mädchen statt.

Die indigenen Gemeinschaften in Chocó sind anhaltenden Drohungen und gewaltsamen Übergriffen durch paramilitärische Gruppen ausgesetzt. 2009 erließ das kolumbianische Verfassungsgericht die Resolution 4, welche die Regierung aufforderte, öffentliche Maßnahmen gegen die Vertreibung von Völkern zu ergreifen, mit dem Ziel, Leben, Freiheit, kulturelle Vielfalt und weitere Rechte zu schützen.

Amnesty International hat die zunehmenden Tötungsdelikte an Indigenensprecher_innen in Kolumbien bereits öffentlich angeprangert und dabei besonders den mangelnden Fortschritt bei den Friedensbemühungen kritisiert. „Die extrem gefährliche Lage indigener Gemeinschaften in Kolumbien ist alarmierend. Diese Straftaten zeigen zwei der größten Herausforderungen bei dem Versuch, Frieden zu schaffen: erstens den Schutz jener Gemeinschaften, die am meisten von dem bewaffneten Konflikt betroffen sind. Zweitens die Garantie, dass diese ungeheuerlichen Taten nicht ungestraft bleiben“, sagte Erika Guevara-Rosas, Direktorin der Region Amerikas bei Amnesty International. Nähere Informationen finden Sie auf Englisch unter https://www.amnesty.org/en/latest/news/2017/04/colombia-ola-deasesinatos-de-indigenas-resalta-fallas-de-implementacion-del-proceso-de-paz/.