Honduras: Indigene Landrechtsaktivist*innen schützen!

Mehrere Personen protestieren vor einem Gittertor mit Plakaten und Fahnen. Sie tragen Mundschutzmasken.

Auf der Inselgruppe Cayos Cochinos leben Menschen des indigenen Volkes der Garífuna. Einige von ihnen protestieren seit dem 14. September friedlich gegen Filmaufnahmen für eine Reality-Show auf ihrem Land. Deshalb könnten sie von dort vertrieben werden. Gegen elf Personen soll außerdem Anklage erhoben werden. Die Behörden werfen ihnen vor, das Land unrechtmäßig zu besetzen.

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Dein Appell

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Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt,

auf den Cayos-Cochinos-Inseln droht Angehörigen des indigenen Volkes der Garífuna die Vertreibung, weil sie friedlich ihr Land verteidigen. 

Mitte September haben rund 40 Garífuna-Aktivist*innen der Organisation OFRANEH ein Protestlager in Playa Uva errichtet. Sie protestieren gegen die Dreharbeiten für eine Reality-Show. Die Sendung bedroht ihre Existenz, weil die Menschen auf ihrem eigenen Land nicht mehr fischen gehen können. Zudem schaden die Aufnahmen der Natur. Seit dem Start des Protests kontrolliert die Polizei das Lager der Aktivist*innen immer wieder wegen angeblichen Fehlverhaltens.

Der Interamerikanischen Menschenrechtsgerichtshofs hat 2025 entschieden, dass man die betroffene Gemeinschaft vorher hätte fragen und um Erlaubnis für die Dreharbeiten bitten müssen. Honduras müsse die Räumung sofort stoppen und die Indigenen für bereits angerichteten Schaden entschädigen.

Diese Ereignisse zeigen, wie das indigene Volk der Garífuna bedroht und eingeschüchtert wird. Die Indigenen fordern lediglich ihr Recht auf ihr angestammtes Land und verlangen, dass vier Urteile des Interamerikanischen Gerichtshofs – wie das zu Cayos Cochinos – endlich umgesetzt werden.

Ich bitte Sie hiermit, den Räumungsbefehl sofort aufzuheben,

Außerdem bitte ich darum, die strafrechtliche Verfolgung der Garífuna-Aktivist*innen von Cayos Cochinos zu beenden und dafür zu sorgen, dass das Urteil des Interamerikanischen Gerichtshofs vollständig umgesetzt wird. Das Urteil gilt für alle Behörden in Honduras und muss beachtet werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dear Attorney General,

I am writing you to express my concern over the situation of Garifuna human rights defenders of the Cayos Cochinos islands, who face an eviction order from their own ancestral territory, and criminal charges for peacefully defending their rights. On 16 September, dozens of policemen arrived by boat to carry out an order of "preventive eviction". Authorities indicated that 11 defenders were also facing usurpation charges.  

Two days before, about 40 Garifuna defenders of the (OFRANEH) set up a camp in playa uva to protest against the filming of a new season of a reality TV show that unduly restricts their use of their own land and threatens their ancestral practices and livelihoods, by preventing them to access fishing areas. They also denounce that these activities endanger the local ecosystems. Since then, policemen have arrived at the camp on several occasions to check alleged misconducts by protesters.

This eviction order is contrary to the ruling issued by the Inter American Court of Human rights in favour of the Garifuna community of Cayos Cochinos and international law standards on forced evictions. In 2025 that court determined that Honduras violated their right to free, prior and informed consultation and ordered several measures to cease the violations and repair the damages already caused.  

These events add to a context of threats and intimidation directed against the Garifuna people for defending their rights over their ancestral territory and demanding compliance with four rulings issued by the Inter-American Court, including the one concerning Cayos Cochinos.

I urge you to immediately request the lift of the eviction order, to cease criminalization against Garifuna defenders of Cayos Cochinos,  and to take all necessary measures to fully comply with the ruling of the Interamerican Court in their favour, that is binding for all Honduran authorities.

Yours sincerely,

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Bitte abschicken bis: 04.11.2026

Appell an

Generalstaatsanwalt:
Pablo Emilio Reyes Theodore
Fiscal General
Lomas del Guijarro
Tegucigalpa
HONDURAS 

Sende eine Kopie an

Botschaft der Republik Honduras
I. E. Frau Sandra Yamileth Ponce Aguilera
Cuxhavener Straße 14 
10555 Berlin

Fax: 030-397 49 709
E-Mail: embajadahonduras.de@gmail.comBotschaft der Republik Honduras

 

Amnesty fordert:

  • Ich bitte Sie hiermit, den Räumungsbefehl sofort aufzuheben,
  • Außerdem bitte ich darum, die strafrechtliche Verfolgung der Garífuna-Aktivist*innen von Cayos Cochinos zu beenden und dafür zu sorgen, dass das Urteil des Interamerikanischen Gerichtshofs vollständig umgesetzt wird. Das Urteil gilt für alle Behörden in Honduras und muss beachtet werden.

Sachlage

Auf den Cayos-Cochinos-Inseln droht Garífuna-Aktivist*innen die Vertreibung, weil sie friedlich ihr Land verteidigen. Bereits am 16. September kam die Polizei mit einer großen Gruppe per Boot, um das Protestlager der Indigenen "vorsorglich" zu räumen. Außerdem sollen elf Menschenrechtsverteidiger*innen wegen Landbesetzung angeklagt werden.

Zwei Tage zuvor hatten rund 40 Garífuna-Aktivist*innen der Organisation OFRANEH ein Protestlager in Playa Uva errichtet. Sie protestieren gegen die Dreharbeiten für eine Reality-Show. Die Sendung bedroht ihre Existenz, weil die Menschen auf ihrem eigenen Land nicht mehr fischen gehen können. Zudem schaden die Aufnahmen der Natur. Seit dem Start des Protests kontrolliert die Polizei das Lager der Aktivist*innen immer wieder wegen angeblichen Fehlverhaltens.

Der Räumungsbefehl verstößt gegen internationales Recht und ein Urteil des Interamerikanischen Menschenrechtsgerichtshofs. Der Gerichtshof hat 2025 entschieden, dass man die betroffene Gemeinschaft vorher hätte fragen und um Erlaubnis für die Dreharbeiten bitten müssen. Honduras müsse die Räumung sofort stoppen und die Indigenen für bereits angerichteten Schaden entschädigen.

Diese Ereignisse zeigen, wie das indigene Volk der Garífuna bedroht und eingeschüchtert wird. Die Indigenen fordern lediglich ihr Recht auf ihr angestammtes Land und verlangen, dass vier Urteile des Interamerikanischen Gerichtshofs – wie das zu Cayos Cochinos – endlich umgesetzt werden.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Im September 2026 prangerte die honduranische Indigenenorganisation OFRANEH öffentlich an, dass die Angehörigen des indigenen Volkes der Garífuna auf der Inselgruppe Cayos Cochinos keinen Zugang zu ihrem Gebiet auf dem karibischen Archipel hatte, weil dort eine Reality-TV-Sendung gedreht wurde – und das trotz eines anderslautenden Urteils des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Es ist nicht das erste Mal, dass die Rechte der Garífuna durch Dreharbeiten auf ihrem angestammten Land beeinträchtigt werden.

In seinem am 20. November 2025 ergangenen Urteil zur Garífuna-Gemeinschaft von Cayos Cochinos stellte der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte fest, dass Honduras zwar eine Reihe von Maßnahmen wie die Ausweisung des Cayos-Cochinos-Archipels als Meeresschutzgebiet und die Aufstellung entsprechender Bewirtschaftungspläne umgesetzt hatte, jedoch auch Fernsehaufnahmen genehmigt hatte, ohne dass zuvor ein Prozess zur vorherigen, freien und informierten Konsultation mit den Garífuna von Cayos Cochinos durchgeführt wurde. Der Gerichtshof stellte ferner fest, dass dies die Möglichkeit der Indigenen beeinträchtigt habe, ihrer traditionellen Lebensweise nachzugehen sowie ihre kulturelle und spirituelle Verbindung zum Meer und zu den natürlichen Ressourcen des Gebiets zu bewahren. Dies galt auch für die Kleinfischerei als Lebensgrundlage der Gemeinschaft. Der Gerichtshof ordnete mehrere Maßnahmen an, um eine Wiederholung zu verhindern und Abhilfe zu schaffen. Dazu gehörte die Verpflichtung, die wirksame Beteiligung der Garífuna an den verschiedenen Phasen des Bewirtschaftungsplans für das Meeresschutzgebiet des Cayos-Cochinos-Archipels sicherzustellen, sowie die Verpflichtung, eine vorherige, freie und informierte Konsultation durchzuführen, um die eventuelle Produktion von Reality-Shows zu ermöglichen. Der Gerichtshof wies den Staat außerdem an, die zwischen 2007 und 2024 eingegangenen Anzeigen zu Gewalttaten gegen Angehörige der Gemeinschaft zu untersuchen.

OFRANEH hat wiederholt angeprangert, dass Honduras den Urteilen des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte zugunsten der Garífuna-Gemeinschaften von Punta Piedra, von Triunfo de la Cruz, von San Juan und von Cayos Cochinos nicht nachgekommen ist.

Mit dem Dekret 93-2021 wurde die Praxis präventiver und summarischer Räumungen ohne gerichtliche Kontrolle oder ordentlichen Verfahrensgarantien in das honduranische Recht eingeführt. Dies stellt einen Verstoß gegen internationale Menschenrechtsverpflichtungen dar. Im August 2026 forderten Sachverständige der Sonderverfahren der Vereinten Nationen die honduranischen Behörden auf, rund 1.000 anstehende Zwangsräumungen im Zusammenhang mit Landstreitigkeiten auszusetzen.