Indigene in Gefahr

Das Foto zeigt die Umrisse von Guatemala auf einer Karte

Aura Lolita Chávez, eine angesehene guatemaltekische Menschenrechtsverteidigerin und Indigenensprecherin, sowie Mitglieder ihrer Organisation "Rat der K’iche’" sind von Unbekannten bedroht und angegriffen worden. Die Menschenrechtsverteidiger_innen sind derzeit untergetaucht und fürchten um ihr Leben.

Appell an

Generalstaatsanwältin

Sra. Thelma Aldana Hernández

Fiscal General de la República

15 Av. 15-16 Zona 1, Edificio Gerona, C.P. 01001

GUATEMALA

Sende eine Kopie an

BOTSCHAFT DER REPUBLIK GUATEMALA

S. E. Herrn José Francisco Cali Tzay

Joachim-Karnatz-Allee 45-47, 2.
OG.

10557 Berlin



Amnesty fordert:

  • Leiten Sie bitte umgehend eine Untersuchung der von Aura Lolita Chávez und dem CPK gemeldeten Vorfälle vom 7. Juni und ihrer Angaben bezüglich der unbekannten bewaffneten Männer auf dem Land der K’iche ein.
  • Ich bitte Sie, in Abstimmung mit Aura Lolita Chávez und den anderen Mitgliedern des CPK umgehend Maßnahmen zu ihrem Schutz einzuleiten.

Sachlage

Aura Lolita Chávez, eine angesehene guatemaltekische Menschenrechtsverteidigerin und Indigenensprecherin, sowie Mitglieder ihrer Organisation "Rat der K’iche’" (Consejo de los Pueblos K’iche’ – CPK) wurden von unbekannten bewaffneten Männern bedroht und angegriffen. Die Menschenrechtsverteidiger_innen sind derzeit untergetaucht und fürchten um ihr Leben. Die guatemaltekischen Behörden müssen umgehend Maßnahmen zu ihrem Schutz ergreifen.

Am Nachmittag des 7. Juni haben Mitglieder des CPK (Rat der K’iche’ – Consejo de los Pueblos K’iche’) und deren Sprecherin und traditionelles Oberhaupt Aura Lolita Chávez zwischen Chichicastenango und Los Encantos im Departamento El Quiché im Norden Guatemalas einen mit Holzstämmen beladenen Lastwagen angehalten. Sie wollten die Herkunft und die Rechtmäßigkeit der Ladung prüfen. Der CPK führt diese Überprüfungen durch, weil das Land der indigenen Bevölkerung gehört und die Organisation die natürlichen Ressourcen ihres angestammten Landes kontrollieren darf. Dieses Recht ist in der Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte der indigenen Völker verbrieft. Dem CPK zufolge gab es für die Ladung auf dem Lastwagen keine Rodungsgenehmigung. Der CPK begleitete den Lastwagen deshalb zur Hauptstadt des Departamentos Santa Cruz del Quiché, um ihn den Behörden zu übergeben. Als sie dort eintrafen, kamen zwar sowohl Angehörige des Ombudsbüros als auch der Nationalpolizei zu dem Lastwagen, verließen den Ort jedoch unverrichteter Dinge wieder. Wie der CPK Amnesty International berichtete, tauchten unmittelbar darauf mindestens zehn unbekannte, mit Gewehren bewaffnete Männer in einem Kleintransporter auf. Sie drohten Aura Lolita Chávez und einigen weiteren Menschenrechtsverteidigerinnen des CPK unter anderem mit Vergewaltigung. Die Frauen rannten davon, wurden jedoch von den bewaffneten Männern verfolgt, die währenddessen Schüsse in die Luft abgaben. Schließlich konnten die Frauen fliehen.

Seitdem geht in der Stadt das Gerücht um, dass die Gruppe bewaffneter Männer nach Aura Lolita Chávez sucht. Sie hält sich derzeit versteckt, da sie um ihre Sicherheit bangt. Im Jahr 2005 wurden ihr von der Interamerikanischen Menschenrechtskommission Schutzmaßnahmen gewährt und seitdem wird sie ständig von der Polizei begleitet. Die Organisation UDEFEGUA (La Unidad de Protección a Defensores y Defensoras de Derechos Humanos de Guatemala), die Schutzeinheit für Menschenrechtsverteidiger_innen in Guatemala, informierte die Behörden über die Angriffe vom 7. Juni, doch die Behörden haben bisher keine Schutzmaßnahmen für Aura Lolita Chávez und die anderen CPK-Mitglieder eingeleitet.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Aura Lolita Chávez ist Sprecherin des Rates der K’iche’ (Consejo de los Pueblos K’iche’ – CPK) und das traditionelle Oberhaupt des Maya-Volkes der K’iche. Der CPK wurde 2008 gegründet, um das Land und Territorium sowie die gemeinsamen Güter der indigenen K’iche-Bevölkerung in Nordguatemala zu schützen. Die Organisation setzt sich für die Rechte von über 87 Gemeinden des Departamentos El Quiché ein. Sie führt gut angenommene Treu- und Glauben-Konsultationsprojekte durch. Dabei können die Gemeinden ihre Ansichten zu der Umsetzung von Wasserkraft-, Bergbau-, Rodungs- und Agrarwirtschaftsprojekten äußern. Die Mitglieder des CPK, und besonders Aura Lolita Chávez, haben in den vergangenen Jahren zahlreiche Morddrohungen erhalten und es kam immer wieder zu Sicherheitsvorfällen.

Laut der zivilgesellschaftlichen Organisation UDEFEGUA werden in Guatemala Menschenrechtsverteidiger_innen im Bereich Umweltschutz und Landfragen am häufigsten angegriffen. Recherchen von Amnesty International zufolge werden sie immer wieder Opfer von Hetzkampagnen, die dem Ansehen der Menschenrechtler_innen schaden und sie von ihrer legitimen Tätigkeit abhalten sollen. So werden sie z.B. fälschlich beschuldigt und strafrechtlich verfolgt, um sie zum Schweigen zu bringen. Zwar hat der Staat Richtlinien und Schutzmechanismen für Menschenrechtsverteidiger_innen entwickelt, doch stellen diese sich oft als wirkungslos heraus. Weitere Informationen finden Sie in den englischsprachigen Berichten "We are defending the land with our blood": Defenders of the land, territory and environment in Honduras and Guatemala (https://www.amnesty.org/en/documents/amr01/4562/2016/en/) und Americas: State Protection Mechanisms for Human Rights Defenders (https://www.amnesty.org/en/documents/amr01/6211/2017/en/).