#EndSARS-Tötungen untersuchen!

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Mehrere Jugendliche stehen auf einem Autodach und halten weiß-grüne Fahnen in der Hand, eine Person hat ein Megaphon, sie rufen laut.

Jugendliche demonstrieren am 13. Oktober 2020 in der nigerianischen Stadt Lagos gegen exzessive Polizeigewalt.

Seit dem 8. Oktober sind Nigerianer_innen auf der Straße und fordern friedlich ein Ende der Polizeigewalt, der außergerichtlichen Hinrichtungen und der Erpressungen durch die Spezialeinheit der Polizei SARS. Dabei begegnen ihnen Polizei und Armee mit exzessiver Gewaltanwendung. Am 20. Oktober sollen mindestens zwölf friedlich Protestierende erschossen worden sein, als die Armee das Feuer auf Tausende Protestierende eröffnete, die im Rahmen der #EndSARS-Bewegung ein Ende der Polizeigewalt forderten.

Setzt euch für die Protestierenden in Nigeria ein!

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Dein Appell

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Sehr geehrter Gouverneur,

mit großer Sorge verfolge ich die Reaktionen auf die Proteste gegen Polizeigewalt. Am 20. Oktober sollen Angehörige des nigerianischen Militärs und der Polizei mindestens zwölf Protestierende getötet und mehrere verletzt haben, als sie in der Hauptstadt Lagos ohne Vorwarnung das Feuer auf Tausende Menschen eröffneten, die im Rahmen der #EndSARS-Bewegung friedlich eine gute Regierungsführung und ein Ende der Polizeigewalt forderten.

Ich fordere Sie auf, im ganzen Land öffentlich das Ende der Tötungen und der exzessiven Gewaltanwendung gegen friedlich Protestierende durch Angehörige der Sicherheitskräfte und des Militärs anzuordnen. Sorgen Sie bitte dafür, dass umgehend eine gründliche, unparteiische, wirksame und transparente Untersuchung aller Fälle von Menschenrechtsverletzungen durch die Polizei, darunter die rechtswidrige Tötung der #EndSARS-Demonstrierenden, durchgeführt wird. Stellen Sie anschließend all diejenigen in fairen Verfahren vor Gericht, die mutmaßlich für die Tötungen und Angriffe gegen Protestierende verantwortlich sind. Gewährleisten Sie bitte auch den Zugang der Opfer und ihrer Familien zur Justiz und zu wirksamen Rechtsbehelfen. Verpflichten Sie sich öffentlich zur Umsetzung der Forderungen der Protestierenden. Dazu gehört das Ende der Polizeigewalt, die Rechenschaftspflicht bei außergerichtlichen Hinrichtungen, Vergewaltigung, Folter und Erpressung durch Angehörige der Spezialeinheit SARS und allgemeine Polizeireformen.

Mit freundlichen Grüßen

Dear President Buhari,

I am writing to express grave concern over reported killings of #EndSARS peaceful protesters in several parts of Nigeria. On 20 October, the Nigerian army and police reportedly killed at least 12 peaceful protesters and left several injured in the capital Lagos, when they without warning opened fire on thousands of people who were peacefully calling for good governance and an end to police brutality as part of the #EndSARS movement.

In light of this, I call on you to publicly order an end to the killing and excessive use of force against peaceful protesters across the country by security agents and the military. Please ensure a prompt, thorough, impartial, effective and transparent investigation into all cases of human rights violations by the police, including the unlawful killings of the #EndSARS protesters, is carried out and bring to justice anyone suspected to be responsible for the killings and attacks on protesters. I urge you to ensure access to justice and effective remedies for victims and their families. Finally, I call on you to publicly commit to implement the demands of the protesters including: an end to police brutality, accountability for extrajudicial killings, rape, torture and extortion by SARS officers and policing reforms in general.

Yours sincerely,

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Hier kannst du deinen Brief ausdrucken, um ihn per Post oder Fax an die Behörden zu senden, oder ihn direkt über dein eigenes E-Mail-Programm verschicken.

Bitte abschicken bis: 21.12.2020

Appell an

President
Muhammadu Buhari

Commander-in-Chief of the Nigerian Armed Forces
Office of the President of the Federal Republic
Aso Rock Villa, Abuja
NIGERIA

 

Sende eine Kopie an

Botschaft der Bundesrepublik Nigeria
S.E. Herrn Yusuf Maitame Tuggar
Neue Jakobstraße 4

10179 Berlin
Fax: 030-2123 0212
E-Mail: info@nigeriaembassygermany.org

Amnesty fordert:

  • Ich fordere Sie auf, im ganzen Land öffentlich das Ende der Tötungen und der exzessiven Gewaltanwendung gegen friedlich Protestierende durch Angehörige der Sicherheitskräfte und des Militärs anzuordnen.
  • Sorgen Sie bitte auch dafür, dass umgehend eine gründliche, unparteiische, wirksame und transparente Untersuchung aller Fälle von Menschenrechtsverletzungen durch die Polizei, darunter die rechtswidrige Tötung der #EndSARS-Demonstrierenden, durchgeführt wird. Stellen Sie anschließend all diejenigen in fairen Verfahren vor Gericht, die mutmaßlich für die Tötungen und Angriffe gegen Protestierende verantwortlich sind.
  • Gewährleisten Sie bitte auch den Zugang der Opfer und ihrer Familien zur Justiz und zu wirksamen Rechtsbehelfen.
  • Verpflichten Sie sich öffentlich zur Umsetzung der Forderungen der Protestierenden. Dazu gehört das Ende der Polizeigewalt, die Rechenschaftspflicht bei außergerichtlichen Hinrichtungen, Vergewaltigung, Folter und Erpressung durch Angehörige der Spezialeinheit SARS und allgemeine Polizeireformen.

Sachlage

Am 20. Oktober sollen Angehörige des nigerianischen Militärs und der Polizei zwischen 18.45 und 21 Uhr mindestens zwölf Protestierende getötet und mehrere verletzt haben, als sie in der Hauptstadt Lagos in den Stadtteilen Lekki und Alausa ohne Vorwarnung das Feuer auf Tausende Menschen eröffneten, die im Rahmen der #EndSARS-Bewegung friedlich eine gute Regierungsführung und ein Ende der Polizeigewalt forderten.

Seit dem 8. Oktober sind Nigerianer_innen in 21 Bundesstaaten auf den Straßen der größeren Städte und fordern ein Ende der Polizeigewalt, der außergerichtlichen Hinrichtungen sowie der Erpressungen durch die Polizeieinheit SARS, einer Spezialtruppe, die Gewaltverbrechen bekämpfen soll. Die Demonstrationen, ausgelöst durch ein virales Video, auf dem zu sehen ist, wie ein SARS-Angehöriger am 3. Oktober einen jungen Mann erschießt, haben sich zu landesweiten Protesten mit der Forderung nach einer Reform der Polizei entwickelt. Den Protestierenden wird dabei ständig mit exzessiver Gewalt begegnet: Die Sicherheitskräfte schießen mit scharfer Munition, Wasserwerfer werden eingesetzt und Tränengaskanister in Menschenmengen geworfen, die Demonstrierenden werden geschlagen und festgenommen. Die Folge dieser Maßnahmen sind Tote und Verletzte. Die unverhältnismäßige Gewalt gegen friedliche Protestierende verstößt sowohl gegen die nigerianische Verfassung von 1999 [in geänderter Form] als auch gegen Internationale Standards, die das Recht auf Leben, Würde und friedliche Versammlung schützen.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Amnesty International verfolgt die Entwicklungen in ganz Nigeria seit Beginn der #EndSARS-Proteste am 8. Oktober 2020. Mindestens 56 Menschen sollen seither im ganzen Land getötet worden sein, allein etwa 38 Personen am 20. Oktober. In vielen dieser Fälle hatten die Sicherheitskräfte exzessive Gewalt angewendet, um die Proteste zu unterbinden.

Als Reaktion auf die landesweiten Proteste hat der nigerianische Polizeipräsident am 11. Oktober die Spezialeinheit SARS (Special Anti-Robbery Squad) aufgelöst und die sofortige Verteilung der SARS-Beamt_innen auf andere Einheiten gefordert. Trotz dieser Erklärung und der immer brutaleren Unterdrückung der Demonstrationen setzen Tausende Nigerianer_innen ihren Protest fort. Sie fordern die Freilassung aller festgenommenen Protestierenden, Gerechtigkeit für die Opfer der Polizeigewalt und eine angemessene Entschädigung für die Opfer und ihre Familien sowie die strafrechtliche Verfolgung der mutmaßlich Verantwortlichen.

Im Laufe der letzten fünf Jahre hat die nigerianische Bundesregierung wiederholt versprochen, die Spezialeinheit SARS zu reformieren. Trotz dieser Reform- und Rechenschaftspflichtsversprechen für begangene Menschenrechtsverletzungen zeigt der aktuelle Bericht Nigeria: Time to end impunity, torture and other violations by the special anti-robbery squad SARS von Amnesty International, dass Angehörige der SARS weiterhin straflos Menschenrechtsverletzungen begehen.