Angola: Drei Menschenrechtler im Visier

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Illustration von drei Personen im Fadenkreuz

Am 12. Mai 2026 wurden die Menschenrechtsverteidiger Jaime Domingos Chimbamba Mussinda, Edgar Cláudio und João Luanda festgenommen, während sie Übergriffe auf informelle Straßenhändlerinnen dokumentierten. Ohne Angabe von Gründen hielt die Polizei sie fünf Stunden lang fest und ließ sie anschließend ohne Anklage frei. Die Behörden müssen die willkürliche Inhaftierung umgehend untersuchen und die Betroffenen wirksam vor weiteren Einschüchterungen und Repressionen schützen.

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Dein Appell

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Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt,

am 12. Mai 2026 wurden die Menschenrechtsverteidiger Jaime Domingos Chimbamba Mussinda, Edgar Cláudio und João Luanda festgenommen, während sie Übergriffe auf informelle Straßenhändlerinnen dokumentierten. Ohne Angabe von Gründen hielt die Polizei sie fünf Stunden lang fest und ließ sie anschließend ohne Anklage frei. Die Behörden müssen die willkürliche Inhaftierung umgehend untersuchen und die Betroffenen wirksam vor weiteren Einschüchterungen und Repressionen schützen.

Ich fordere Sie auf, alle notwendigen Schritte zu unternehmen, um sicherzustellen, dass Jaime Mussinda, Edgar Cláudio und João Luanda in Zukunft vor Einschüchterung, Schikanen und Repressalien im Zusammenhang mit ihrer legitimen Menschenrechtsarbeit geschützt werden. Dazu gehören auch eine willkürliche Festnahme, Inhaftierung und Strafverfolgung. 

Ich fordere Sie außerdem auf, eine rasche, gründliche, unabhängige und wirksame Untersuchung des Angriffs auf Edgar Cláudio und der willkürlichen Inhaftierung von Jaime Mussinda, Edgar Cláudio und João Luanda zu gewährleisten. Ziehen Sie die Verantwortlichen bitte zur Rechenschaft.

Mit freundlichen Grüßen

Dear Prosecutor General,

I am writing to express my deep concern about the arbitrary detention and safety of three human rights defenders, Jaime Domingos Chimbamba Mussinda, (known as Jaime MC), Edgar Cláudio and João Luanda.

Jaime MC is the National Coordinator of the Legal Team and Victims Support Committee of Movimento Cívico Mudei, an Angolan civil society movement that documents human rights violations and supports victims seeking accountability. Edgar Cláudio and João Luanda are members of the movement’s communication team. On 12 May, the three were in Benfica, a neighbourhood in Luanda province, documenting human rights violations against women informal sellers (known in Angola as zungueiras) following several complaints about abuses by the women during inspection operations. Their work focused on reports that goods seized from women informal sellers were being taken without proper records, seizure notices or other formal documentation. While the three were carrying out this documentation work, an unidentified man - allegedly linked to the Benfica inspection services - seized Jaime MC’s phone and assaulted Edgar Cláudio, punching and slapping him several times. Instead of taking the aggressor to the police station, police officers who were present at the scene arrested the three men and took them to ex-Controlo do Benfica police station in Luanda. The three were held for five hours at the station and reportedly subjected to psychological pressure and abusive questioning. Videos and photographs recorded by Edgar Cláudio and João Luanda that day of their work with the zungueiras, which could have served as evidence of the incident, were also reportedly deleted from their phones. The three were released on the same day, without being presented with any charges, formal process or clear explanation for their arrest.

Jaime MC, Edgar Cláudio and João Luanda’s arbitrary arrest and detention, together with the assault against Edgar Cláudio, raise serious concerns about the intimidation and criminalization of human rights defenders in Angola for their work. Amnesty International remains concerned for the three men’s safety and potential risk of re-arrest and targeting for their human rights work.

I urge you to take all necessary steps to ensure Jaime Mussinda, Edgar Cláudio and João Luanda are protected from future intimidation, harassment, reprisals and/or arbitrary arrest, detention and prosecution in connection with their legitimate human rights work. I also urge you to ensure a prompt, thorough, independent, impartial and effective investigation into the assault against Edgar Cláudio and the arbitrary detention of Jaime Mussinda, Edgar Cláudio and João Luanda, with those responsible held accountable.

Yours sincerely,

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Appell an

Prosecutor General of the Republic
Pedro Mendes de Carvalho
Rua 17 de Setembro
Cidade Alta
Luanda
ANGOLA

Sende eine Kopie an

I.E. Frau 
Maria Isabel G. Godinho de Resende Encoge
Werderscher Markt 10
10117 Berlin
Fax: 030-2408 9712
E-Mail: botschaft@botschaftangola.de

Amnesty fordert:

  • Ich fordere Sie auf, alle notwendigen Schritte zu unternehmen, um sicherzustellen, dass Jaime Mussinda, Edgar Cláudio und João Luanda in Zukunft vor Einschüchterung, Schikanen und Repressalien im Zusammenhang mit ihrer legitimen Menschenrechtsarbeit geschützt werden. Dazu gehören auch eine willkürliche Festnahme, Inhaftierung und Strafverfolgung. 
  • Ich fordere Sie außerdem auf, eine rasche, gründliche, unabhängige und wirksame Untersuchung des Angriffs auf Edgar Cláudio und der willkürlichen Inhaftierung von Jaime Mussinda, Edgar Cláudio und João Luanda zu gewährleisten. Ziehen Sie die Verantwortlichen bitte zur Rechenschaft.

Sachlage

Die willkürliche Inhaftierung der drei Menschenrechtsverteidiger Jaime Domingos Chimbamba Mussinda (bekannt als Jaime MC), Edgar Cláudio und João Luanda, löst Sorge aus. 

Jaime MC ist der nationale Koordinator des Rechtsteams und des Komitees zur Unterstützung von Opfern bei der angolanischen zivilgesellschaftlichen Initiative Movimento Cívico Mudei. Die Initiative dokumentiert Menschenrechtsverletzungen und unterstützt Betroffene, die Rechenschaft fordern. Edgar Cláudio und João Luanda sind Mitglieder des Kommunikationsteams der Initiative. 

Am 12. Mai dokumentierten die drei in Benfica, einem Viertel in der Provinz Luanda, Menschenrechtsverletzungen an informellen Verkäuferinnen. Anlass waren mehrere zuvor eingegangene Beschwerden über Misshandlungen der Frauen bei Kontrollen. Sie beobachteten insbesondere, ob beschlagnahmte Waren ordnungsgemäß registriert wurden und ob die Händlerinnen eine schriftliche Bestätigung der Beschlagnahmung erhielten. Während dieser Dokumentationsarbeit kam ein nicht identifizierter Mann – der mutmaßlich mit den Kontrollbehörden von Benfica in Verbindung steht – auf die drei zu. Er beschlagnahmte das Mobiltelefon von Jaime MC und griff Edgar Cláudio an. Er schlug und ohrfeigte ihn mehrere Male. Anstatt den Angreifer festzunehmen, nahmen anwesende Polizeibeamte die drei Männer fest und brachten sie auf das ehemalige Polizeirevier Controlo do Benfica in Luanda. Dort wurden sie fünf Stunden lang festgehalten und Berichten zufolge psychischem Druck und rechtswidrigen Verhörmethoden unterzogen. Videos und Fotos, die Edgar Cláudio und João Luanda an diesem Tag von ihrer Arbeit mit den Händlerinnen gemacht hatten, sollen von ihren Handys gelöscht worden sein. Sie hätten als Beweis für den Angriff dienen können. Die drei wurden noch am selben Tag ohne Anklage, ohne Einleitung eines formalen Verfahrens und ohne nachvollziehbare Begründung für ihre Festnahme wieder freigelassen.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Informelle Verkäuferinnen sind in Angola gemeinhin als Zungueiras bekannt. Sie haben wiederholt über Misshandlungen bei Polizei- und Kontrollaktionen berichtet, darunter Belästigung, Gewalt, Beschlagnahmung von Waren, Einschüchterung und entwürdigende Behandlung. Im Jahr 2023 versammelten sich etwa 400 Zungueiras in Luanda, um gegen die Neuordnung der informellen Straßenmärkte zu protestieren. Sie wurden von der Polizei mit Hunden, Tränengas und Schlagstöcken angegriffen, wobei Demonstrierende und Passant*innen verletzt wurden. Vor diesem Hintergrund ist die Tätigkeit von Menschenrechtsverteidiger*innen besonders wichtig.

Die willkürliche Verhaftung von Jaime MC, Edgar Cláudio und João Luanda sowie der tätliche Angriff auf Edgar Cláudio geben Anlass zu Sorge über die Einschüchterung und Kriminalisierung von Menschenrechtsverteidiger*innen aufgrund ihrer Tätigkeit. Amnesty International ist nach wie vor besorgt um die Sicherheit der drei Männer. Sie könnten wegen ihrer Menschenrechtsarbeit zur Zielscheibe werden und erneut festgenommen werden.