Angola: Drei Menschenrechtler im Visier
© Amnesty International
Am 12. Mai 2026 wurden die Menschenrechtsverteidiger Jaime Domingos Chimbamba Mussinda, Edgar Cláudio und João Luanda festgenommen, während sie Übergriffe auf informelle Straßenhändlerinnen dokumentierten. Ohne Angabe von Gründen hielt die Polizei sie fünf Stunden lang fest und ließ sie anschließend ohne Anklage frei. Die Behörden müssen die willkürliche Inhaftierung umgehend untersuchen und die Betroffenen wirksam vor weiteren Einschüchterungen und Repressionen schützen.
Setzt euch für Jaime MC, Edgar Cláudio und João Luanda ein!
Hier kannst du deinen Brief ausdrucken, um ihn per Post oder Fax an die Behörden zu senden, oder ihn direkt über dein eigenes E-Mail-Programm verschicken.
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Achtung: Bitte prüfe bei der Deutschen Post ob die Briefzustellung in das Zielland ungehindert möglich ist.
Appell an
Prosecutor General of the Republic
Pedro Mendes de Carvalho
Rua 17 de Setembro
Cidade Alta
Luanda
ANGOLA
Sende eine Kopie an
I.E. Frau
Maria Isabel G. Godinho de Resende Encoge
Werderscher Markt 10
10117 Berlin
Fax: 030-2408 9712
E-Mail: botschaft@botschaftangola.de
Amnesty fordert:
- Ich fordere Sie auf, alle notwendigen Schritte zu unternehmen, um sicherzustellen, dass Jaime Mussinda, Edgar Cláudio und João Luanda in Zukunft vor Einschüchterung, Schikanen und Repressalien im Zusammenhang mit ihrer legitimen Menschenrechtsarbeit geschützt werden. Dazu gehören auch eine willkürliche Festnahme, Inhaftierung und Strafverfolgung.
- Ich fordere Sie außerdem auf, eine rasche, gründliche, unabhängige und wirksame Untersuchung des Angriffs auf Edgar Cláudio und der willkürlichen Inhaftierung von Jaime Mussinda, Edgar Cláudio und João Luanda zu gewährleisten. Ziehen Sie die Verantwortlichen bitte zur Rechenschaft.
Sachlage
Die willkürliche Inhaftierung der drei Menschenrechtsverteidiger Jaime Domingos Chimbamba Mussinda (bekannt als Jaime MC), Edgar Cláudio und João Luanda, löst Sorge aus.
Jaime MC ist der nationale Koordinator des Rechtsteams und des Komitees zur Unterstützung von Opfern bei der angolanischen zivilgesellschaftlichen Initiative Movimento Cívico Mudei. Die Initiative dokumentiert Menschenrechtsverletzungen und unterstützt Betroffene, die Rechenschaft fordern. Edgar Cláudio und João Luanda sind Mitglieder des Kommunikationsteams der Initiative.
Am 12. Mai dokumentierten die drei in Benfica, einem Viertel in der Provinz Luanda, Menschenrechtsverletzungen an informellen Verkäuferinnen. Anlass waren mehrere zuvor eingegangene Beschwerden über Misshandlungen der Frauen bei Kontrollen. Sie beobachteten insbesondere, ob beschlagnahmte Waren ordnungsgemäß registriert wurden und ob die Händlerinnen eine schriftliche Bestätigung der Beschlagnahmung erhielten. Während dieser Dokumentationsarbeit kam ein nicht identifizierter Mann – der mutmaßlich mit den Kontrollbehörden von Benfica in Verbindung steht – auf die drei zu. Er beschlagnahmte das Mobiltelefon von Jaime MC und griff Edgar Cláudio an. Er schlug und ohrfeigte ihn mehrere Male. Anstatt den Angreifer festzunehmen, nahmen anwesende Polizeibeamte die drei Männer fest und brachten sie auf das ehemalige Polizeirevier Controlo do Benfica in Luanda. Dort wurden sie fünf Stunden lang festgehalten und Berichten zufolge psychischem Druck und rechtswidrigen Verhörmethoden unterzogen. Videos und Fotos, die Edgar Cláudio und João Luanda an diesem Tag von ihrer Arbeit mit den Händlerinnen gemacht hatten, sollen von ihren Handys gelöscht worden sein. Sie hätten als Beweis für den Angriff dienen können. Die drei wurden noch am selben Tag ohne Anklage, ohne Einleitung eines formalen Verfahrens und ohne nachvollziehbare Begründung für ihre Festnahme wieder freigelassen.
Hintergrundinformation
Informelle Verkäuferinnen sind in Angola gemeinhin als Zungueiras bekannt. Sie haben wiederholt über Misshandlungen bei Polizei- und Kontrollaktionen berichtet, darunter Belästigung, Gewalt, Beschlagnahmung von Waren, Einschüchterung und entwürdigende Behandlung. Im Jahr 2023 versammelten sich etwa 400 Zungueiras in Luanda, um gegen die Neuordnung der informellen Straßenmärkte zu protestieren. Sie wurden von der Polizei mit Hunden, Tränengas und Schlagstöcken angegriffen, wobei Demonstrierende und Passant*innen verletzt wurden. Vor diesem Hintergrund ist die Tätigkeit von Menschenrechtsverteidiger*innen besonders wichtig.
Die willkürliche Verhaftung von Jaime MC, Edgar Cláudio und João Luanda sowie der tätliche Angriff auf Edgar Cláudio geben Anlass zu Sorge über die Einschüchterung und Kriminalisierung von Menschenrechtsverteidiger*innen aufgrund ihrer Tätigkeit. Amnesty International ist nach wie vor besorgt um die Sicherheit der drei Männer. Sie könnten wegen ihrer Menschenrechtsarbeit zur Zielscheibe werden und erneut festgenommen werden.