Aktivist „verschwunden“

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"Lebend soll er wieder auftauchen. Sofort!", Graffiti zum Verschwundenen Mapuche-Aktivisten Santiago Maldonado. Buenos Aires.

"Lebend soll er wieder auftauchen. Sofort!" steht an dieser Mauer in Buenos Aires geschrieben.

Am 1. August gingen argentinische Sicherheitskräfte gewaltsam gegen Angehörige der indigenen Gemeinschaft der Mapuche vor, die im Departamento Cushamen in der Provinz Chubut leben. Seither wird der 28-jährige Santiago Maldonado vermisst.

Wo ist der Aktivist Santiago Maldonado?

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Dein Appell

Sehr geehrte Frau Ministerin,

mit großer Besorgnis habe ich vom Verschwinden des 28-jährigen Aktivisten Santiago Maldonado erfahren. Am 1. August gingen argentinische Sicherheitskräfte gewaltsam gegen Angehörige der Mapuche vor, die im Departamento Cushamen in der Provinz Chubut leben. Seither wird der 28-jährige Santiago Maldonado vermisst.

Ergreifen Sie bitte dringend alle nötigen Maßnahmen, um den Verbleib von Santiago Maldonado zu klären.

Leiten Sie bitte eine umfassende und unparteiische Untersuchung der gewaltsamen Übergriffe vom 1. August in der Mapuche-Gemeinde „Resistencia en Cushamen“ ein, veröffentlichen Sie die Ergebnisse und stellen Sie die für Menschenrechtsverletzungen Verantwortlichen vor Gericht.

Ergreifen Sie bitte alle nötigen Schutzmaßnahmen, um die körperliche Unversehrtheit der Mapuche-Gemeinschaft in Cushamen zu garantieren, und beziehen Sie bei der Ausarbeitung dieser Maßnahmen die Gemeinschaft mit ein.

Bitte setzen Sie sich für eine rechtmäßige Lösung der Landansprüche der Mapuche-Gemeinschaft in Cushamen ein.

Mit freundlichen Grüßen

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Amnesty fordert:

  • Ergreifen Sie bitte dringend alle nötigen Maßnahmen, um den Verbleib von Santiago Maldonado zu klären.
  • Leiten Sie bitte eine umfassende und unparteiische Untersuchung der gewaltsamen Übergriffe vom 1. August in der Mapuche-Gemeinde „Resistencia en Cushamen“ ein, veröffentlichen Sie die Ergebnisse und stellen Sie die für Menschenrechtsverletzungen Verantwortlichen vor Gericht.
  • Ergreifen Sie bitte alle nötigen Schutzmaßnahmen, um die körperliche Unversehrtheit der Mapuche-Gemeinschaft in Cushamen zu garantieren, und beziehen Sie bei der Ausarbeitung dieser Maßnahmen die Gemeinschaft mit ein.
  • Bitte setzen Sie sich für eine rechtmäßige Lösung der Landansprüche der Mapuche-Gemeinschaft in Cushamen ein.

Sachlage

Am Morgen des 1. August verschafften sich etwa 100 Angehörige der argentinischen Gendarmerie ohne Erlaubnis gewaltsam Zutritt zu einem Grundstück im Departamento Cushamen in der Provinz Chubut, auf dem die indigene Gemeinschaft der Mapuche „Resistencia en Cushamen“ lebt. Die Gendarmerie ist Teil des argentinischen Militärs.

Laut Angaben der Mapuche-Gemeinschaft setzten die Sicherheitskräfte Blei- und Gummigeschosse ein und steckten die Habseligkeiten vieler Familien in Brand. Der Aktivist Santiago Maldonado wird seit Beginn dieses Einsatzes vermisst. Er war am Tag zuvor in die Gemeinde gekommen, um den Mapuche bei der Durchsetzung ihrer Landrechte zu helfen. Er wurde zuletzt am 1. August gesehen, wie er vor den Sicherheitskräften floh.

Augenzeugenberichten zufolge begannen etwa 30 uniformierte Angehörige der Gendarmerie, um sich zu schießen. Daraufhin flohen zahlreiche Personen in Richtung des nahegelegenen Flusses. Einige konnten den Fluss überqueren und fliehen. Laut einigen Augenzeug_innen rannte auch Santiago Maldonado zum Fluss. Personen auf der anderen Seite des Flusses sahen, wie er sich duckte, um sich zu verstecken, und hörten dann zwei Sicherheitskräfte sagen: „Wir haben einen“ und „Du bist festgenommen“. Eine weitere Person berichtete über eine Gruppe Sicherheitskräfte, die einen jungen gefesselten Mann verprügelten. Ein weiterer Zeuge gab später an, gesehen zu haben, wie sechs bis acht Sicherheitskräfte eine Reihe bildeten, um die Sicht auf etwas zu versperren, das in einen Lieferwagen der Gendarmerie geladen wurde. Zwar konnte niemand bestätigen, dass es Santiago Maldonado war, der in den Lieferwagen geladen wurde, doch gibt es laut Angaben der Gemeinschaft sonst niemanden, der an diesem Tag verschwunden ist.

Die Mapuche-Gemeinschaft hat wiederholt versucht, den Verbleib von Santiago Maldonado herauszufinden, und es wurden einige Anträge auf richterliche Haftprüfung bei dem Bundesrichter Guido Otranto eingereicht, in dem die Behörden aufgefordert werden, Maßnahmen zu ergreifen, um Santiago Maldonado zu finden. Allerdings haben die Behörden bisher weder Auskunft über seinen Aufenthaltsort noch über die von ihnen ergriffenen Maßnahmen gegeben. Der UN-Ausschuss über das Verschwindenlassen hat die argentinischen Behörden aufgefordert, dringend Informationen über den Verbleib von Santiago Maldonado bekanntzugeben und eine gründliche Untersuchung der Vorkommnisse einzuleiten.

Appell an:

Patricia Bullrich

Gelly Y Obes 2289

C1425ema.

Ciudad Autónoma de Buenos Aires

ARGENTINIEN
 

Sende eine Kopie an:

Botschaft der Republik Argentinien
S. E. Herrn Luis Maria Kreckler
Kleiststraße 23-26
10787 Berlin

Fax: 030-229 14 00
E-Mail: ealem@mrecic.gov.ar

Hintergrundinformation

Hintergrund

Bereits am 30. Januar hat Amnesty International eine Urgent Action für die Mapuche-Gemeinde (Lof) Cushamen in der Provinz Chubut gestartet, da es dort am 10. und 11. Januar zu gewaltsamen Übergriffen durch die lokale Polizei kam (siehe UA-008/2017, online unter: https://www.amnesty.de/urgent-action/ua-008-2017/gewalt-gegen-indigene). Sowohl im Januar als auch im August berichteten Angehörige der Gemeinschaft, dass Personen geschlagen, Frauen an den Haaren gezogen und Kinder schikaniert wurden.

In dem Gebiet schwelt seit Längerem ein Landkonflikt und die Mapuche-Gemeinschaft fordert ihre Landrechte ein. Am 13. März 2015 besetzten einige Angehörige der Mapuche ein Stück Land im Departamento Cushamen nahe der Stadt Esquel in der Provinz Chubut. Auf diesem Grundstück befindet sich auch die Leleque-Ranch des Benetton-Konzerns, welcher in Patagonien ungefähr 1 Mio. Hektar Land besitzt. Am selben Tag erstattete die Immobilienfirma Compañía de Tierras del Sur Argentino, die Benetton gehört, bei den lokalen Justizbehörden Anzeige und forderte die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen möglicher widerrechtlicher Landaneignung.

Amnesty International und andere Organisationen berichteten 2016 über die vermehrte Stigmatisierung und staatliche Verfolgung der Mapuche. So werden indigene Gemeinschaften von den argentinischen Behörden z. B. als „Bedrohung der sozialen Sicherheit“ bezeichnet (siehe https://amnistia.org.ar/la-lucha-indigena-no-es-delito-estigmatizacion-…).