Zehn Jahre Friedensabkommen Kolumbien: Zwischen Fortschritt und neuer Gewalt
Montag, 5. Oktober 2026
18:00 bis 20:30 Uhr
Veranstalterin: Heinrich-Böll-Stiftung – Bundesstiftung Berlin
in Kooperation mit mehreren Organisationen
Vor zehn Jahren unterzeichnete Kolumbien ein historisches Friedensabkommen mit der FARC – ein Meilenstein der Übergangsjustiz, der international als Referenz für Friedensprozesse gilt. Deutschland begleitet das Land bis heute als verlässlicher Partner und unterstützt Prozesse der Friedenskonsolidierung, ländlichen Entwicklung, Reintegration demobilisierter Kämpfer*innen sowie der Opferentschädigung. Wie steht es heute, zehn Jahre nach Unterzeichnung des Abkommens, um den Friedensprozess? Das Bild ist widersprüchlich: Einerseits wurden wichtige Fortschritte bei der Beteiligung von Frauen*, indigenen Völkern und ethnischen Gruppen erzielt. Andererseits gefährden anhaltende Gewalt, Organisierte Kriminalität und strukturelle Schwächen des Staates die Konsolidierung des Friedens.
Präsident Gustavo Petro (2022-2026) verfolgte mit seiner Politik des umfassenden Friedens ("Paz Total") das Ziel, die Konfliktregionen durch eine enge Zusammenarbeit von Staat und Zivilgesellschaft zu transformieren.
Doch die Umsetzung scheiterte oft an institutionellen Defiziten und dem Einfluss illegaler Wirtschaftsstrukturen. Kolumbien steht vor schwierigen Herausforderungen: Die Zahl der Morde an Menschenrechtsverteidiger*innen, demobilisierten Kämpfer*innen und Zivilist*innen bleibt alarmierend hoch. Die neue Regierung unter Abelardo de la Espriella setzt bereits jetzt auf militarisierte Sicherheitsansätze – ein Rückschlag für den zivilen Friedensprozess.
Die Veranstaltung bringt kolumbianische und europäische Expert*innen, Politiker*innen und Menschenrechtsverteidiger*innen zusammen, um Bilanz zu ziehen: Welche Erkenntnisse lassen sich aus der kolumbianischen Erfahrung für andere Friedensprozesse ziehen? Wie kann inklusiver und gerechter Frieden in einem komplexen globalen Umfeld gesichert werden? Und welche Rolle kommt dabei der internationalen Gemeinschaft – insbesondere Deutschland und Europa - zu?
Programm
18:00 | Begrüßung
- Dr. Imme Scholz, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung
- Juana Corral, Deutsche Menschenrechtskoordination Kolumbien (MRKK)
18:15 | Keynote "Zehn Jahre Friedensabkommen"
- Martha Carvaljalino, Juristin und Politikerin, ehemalige Landwirtschaftsministerin Kolumbiens (Juli 2024-August 2026)
18:45| Diskussion "Friedensprozess zwischen lokalen Realitäten und internationaler Verantwortung" mit
- Elisabeth Moreno, Menschenrechtsverteidigerin und Koordinatorin von FISCH (Foro Interétnico Solidaridad del Chocó)
- Monsignore Hector Fabio Henao, Delegierter für die Beziehungen zwischen Kirche und Staat der Kolumbianischen Bischofskonferenz
- Martha Carvaljalino, Juristin und Politikerin, ehemalige Landwirtschaftsministerin Kolumbiens (Juli 2024-August 2026)
- Mildrey Corrales, Menschenrechtsverteidigerin und Koordinatorin der CCEEU (Coordinación Colombia Europa Estados Unidos)
- Niels Annen, Staatssekretär des BMZ (Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung)
Moderation: Alexandra Endres, Journalistin
20:30 | Empfang mit einem kulturellen Beitrag von Grupo Cumbé.
22:00 | Ende der Veranstaltung
Weitere Informationen gibt es auf https://calendar.boell.de
Veranstaltungsort
Heinrich-Böll-Stiftung - Bundesstiftung
Schumannstr. 8
Berlin 10117
Deutschland