Aktuell Deutschland 30. November 2016

"Man muss sich immer etwas Neues einfallen lassen"

Interview mit jungen Amnesty-Mitgliedern aus Ghana
Nannette Anafo und Lord Horlali Bobbie, Amnesty-Mitglieder aus Ghana, beim Jugend@Amnesty-Treffen in Wuppertal am 26.11.2016

Nannette Anafo und Lord Horlali Bobbie, Amnesty-Mitglieder aus Ghana, beim Jugend@Amnesty-Treffen in Wuppertal am 26.11.2016

30. November 2016 - Seit 2011 gibt es eine enge Partnerschaft zwischen der deutschen und ghanaischen Amnesty-Sektion, um sich als globale Bewegung im Sinne von "One Amnesty" gemeinsam für die Einhaltung der Menschenrechte einzusetzen. Ende November besuchten junge Amnesty-Mitglieder aus Ghana in Wuppertal Jugend©Amnesty, das jährliche Treffen der Jugend- und Hochschulgruppen von Amnesty International in Deutschland. Im Interview erzählen Nannette Anafo und Lord Horlali Bobbie von ihrem Engagement in Ghana und ihren Erlebnissen in Deutschland.

Interview: Sven Mesch, Afrika-Beauftragter des Vorstands der deutschen Amnesty-Sektion

Warum seid ihr Mitglieder bei Amnesty geworden?

Lord: Meine ehemalige Schule ist Teil eines Programms von Amnesty International, das sich "Human Rights Friendly School Project“ (HRFSP) nennt. Ich war damals Schülervertreter, als zum ersten Mal an der Accra-High-School ein Workshop mit dem Schwerpunkt Menschrechte für die neu gewählten Schülervertreter angeboten wurde. So kam ich das erste Mal mit Amnesty in Berührung und entschied mich, Mitglied zu werden.
Nannette: Bei mir war es ähnlich. Ich war allerdings zuvor in einer anderen Arbeitsgruppe, der "National Commission for Civic Education“ (NCCE). Auch dort hat das Thema Menschenrechte eine Rolle gespielt. Als ich dann vom HRFSP gehört habe, wollte ich es mir mal ansehen. Ich fand es sehr interessant, und so war meine Leidenschaft, mich für Menschenrechte einzusetzen, endgültig geweckt, und ich schloss mich Amnesty an.

Was sind eurer Meinung nach die Stärken von Amnesty in Ghana?

Lord: Jugendliche spielen in unserer Sektion eine besondere Rolle. Wir können schnell mobilisieren und Aktionen durchführen. Dabei werden wir unglaublich gut von den Mitarbeitern der Sektion unterstützt. Wann immer wir Hilfe brauchen, können wir uns an sie wenden.
Nannette: Die Leidenschaft, mit der sowohl die Mitarbeiter als auch die jugendlichen Mitglieder arbeiten, ist wirklich außergewöhnlich. Außerdem bietet die Art und Weise, wie Amnesty in Ghana organisiert ist, den Jugendlichen viele Möglichkeiten. Wir lernen viel und haben auch viele Gelegenheiten, das neu Erlernte gleich anzuwenden. Wir hatten zu Beginn noch Schwierigkeiten, uns zu organisieren. Aber durch die vielen Aktionen, die wir dank der Unterstützung der Mitarbeiter durchführen konnten, haben wir gelernt, eigene Initiativen zu entwickeln und umzusetzen.
Lord: Man darf auch nicht vergessen, dass Jugendliche einen Ort brauchen, um sich zu treffen, zu diskutieren und Aktionen zu planen. Die Sektion in Ghana stellt uns Räumlichkeiten zur Verfügung und heißt uns zu jeder Tageszeit willkommen. Das ist nicht selb stverständlich und hilft ungemein.

Was bedeutet das Engagement bei Amnesty für euch persönlich?

Lord: Ich finde die Arbeit inspirierend und habe die Möglichkeit, viele positive Erfahrungen zu machen. Wenn man beispielsweise die gute Nachricht erhält, dass die Person, für die man sich eingesetzt hat, aus der Haft entlassen wird, oder sich die Bedingungen für bestimmte Menschen verbessert haben, dann ist es ein sehr schönes Gefühl zu wissen, dass man dazu auch einen Teil beigetragen hat. Und das passiert gar nicht so selten. In diesem Jahr wurden vier politische Gefangene freigelassen, für die wir uns eingesetzt haben.
Nannette: Neben den positiven Erlebnissen erweitert das Engagement auch die Perspektive. Als Mitglied globaler Organisation erfährt man von Dingen, von denen man sonst nicht erfahren würde. Man lässt sich inspirieren von den Aktionsvorschlägen und entwickelt seine eigenen Ideen. Dabei darf man nicht faul sein, sondern man muss sich immer etwas Neues einfallen lassen, um sein Ziel zu erreichen.
Lord: Man darf nicht vergessen, dass man sich auch persönlich weiterentwickelt. Ich habe damals als Schülervertreter gelernt, andere zu begeistern und Aktionen zu organisieren.
Nannette: Mich hat die Arbeit sehr viel selbstbewusster gemacht. Früher war ich eher schüchtern und heute stelle ich mich hin und rede vor über hundert jungen Amnesty-Mitgliedern in Deutschland!

Und wie hat euch "Jugend@Amnesty“ hier in Deutschland gefallen?

Lord: Es war unglaublich gut organisiert (lacht)!
Nannette: Und wie (lacht ebenfalls)! Hier können wir uns noch einiges abschauen für unsere Arbeit in Ghana. Auch wenn wir aufgrund der Sprache nicht immer alles verstanden haben, war es doch ein sehr interessantes Programm, bei dem wir uns nie gelangweilt haben. Alle waren außerdem sehr offen und freundlich und haben uns sofort ihre Kontaktdaten gegeben. Ich fühlte mich schon fast wie zuhause (beide lachen)!

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