Norma Cruz (Guatemala)
Unermüdliches Engagement. Norma Cruz.
© Fundación Sobrevivientes
In Guatemala ist Gewalt gegen Frauen ein drängendes Problem. Um Frauen, die Opfer von Gewalt wurden, Beistand zu leisten, gründete die Rechtsanwältin Norma Cruz 1996 in Guatemala-Stadt die Stiftung "Fundación Sobrevivientes", die ein Frauenhaus einrichtete.
Dank des unermüdlichen Engagements von Norma Cruz wurde aus dem Frauenhaus im Laufe der Zeit ein Frauenrechtszentrum, das Unterstützung in verschiedener Form anbietet. Die Stiftung dokumentiert außerdem Fälle von Gewalt gegen Frauen und vertritt die Opfer vor Gericht, sofern sie diesen Weg einschlagen wollen. Zudem organisiert Norma Cruz zusammen mit den Familien ermordeter Frauen Kampagnen, um die Mörder zu ermitteln und zur Rechenschaft zu ziehen.
Wegen ihres Einsatzes ist Norma Cruz großer Gefahr ausgesetzt. In Guatemala häufen sich Angriffe und Drohungen gegen alle, die die Menschenrechte verteidigen. Auch die zuständige UNO-Sonderberichterstatterin hat sich darüber besorgt gezeigt. Seit 2008 erhält Norma Cruz anonyme Drohungen, die sich gegen sie und ihre Familie richten. 2009 nahm sie sich eines Mädchens an, das im Alter von 14 bis 16 Jahren wiederholt von einem Bekannten vergewaltigt wurde. Daraufhin drohte man Norma mehr als fünfzig Mal, sie oder ein Mitglied ihrer Familie zu ermorden. Eine Tante des Mädchens, die die Anwaltskosten übernommen hatte, wurde ermordet. Bisher wurde nur ein Mann überführt, der für die Drohungen verantwortlich war. Er wurde lediglich zu einer Geldstrafe verurteilt. Amnesty hofft jedoch, dass dies ein Präzedenzfall sein könnte, denn bislang wurden Drohungen gegen Menschenrechtsverteidiger noch nie geahndet. Amnesty hat Norma Cruz durch einen Briefmarathon an die guatemaltekische Regierung unterstützt. Nicht zuletzt Dank des zivilgesellschaftlichen Drucks stehen Norma Cruz, ihre Familie und ihre Frauenrechtsorganisation heute unter Polizeischutz. Dennoch bleibt ihre Gefährdung groß.