Aktuell Philippinen 18. Juli 2014

Gerechtigkeit für Alfreda Disbarro

Folter auf den Philippinen
Gerechtigkeit für Alfreda Disbarro

Alfreda Disbarro wurde auf den Philippinen gefoltert

Der folgende Fall basiert auf der unter Eid geleisteten Zeugenaussage von Alfreda Disbarro.

Alfreda Disbarro wurde im Oktober 2013 wegen des Verdachts auf Drogenhandel festgenommen. In Haft musste sie schwere Folter über sich ergehen lassen. Der Staatsanwalt hat gegen Alfreda Anklage wegen Drogenhandels erhoben. Derzeit wartet sie auf ihren Prozess.

Alfreda Disbarro ist alleinerziehende Mutter und arbeitete hin und wieder als Informantin für die Polizei. Sie saß am 3. Oktober 2013 in einem Internetcafé, unweit ihres Hauses in Parañaque auf den Philippinen. Zwei Polizeibeamte und ein inoffizieller Hilfspolizist näherten sich ihr und warfen ihr vor, eine Drogendealerin zu sein. Alfreda wehrte sich vehement gegen die Anschuldigungen und öffnete freiwillig ihre Taschen, um jeglichen Verdacht aus der Welt zu schaffen. Ohne eine Vorwarnung richtete der Hilfspolizist dennoch eine Waffe auf sie, während ihr einer der Polizeibeamten auf die Brust schlug. Dann wurde sie in Handschellen abgeführt und zum Drogendezernat der Polizei von Parañaque gebracht.

Gefoltert und misshandelt

Auf dem Polizeirevier angekommen, wurde Alfreda von einem männlichen Hilfspolizisten abgetastet und mit gefesselten Armen in einen Raum mit fünf anderen Gefangenen gebracht.

Nach zwei Stunden brachten Beamte sie in eine Küche. Ein führender Polizeibeamter begann, sie mehrfach in den Bauch und ins Gesicht zu schlagen. Dann schlug er sie mit einem Knüppel, stach mit seinen Fingern in Alfredas Augen und zwang ihr einen Wischmop in den Mund. Mehrfach wurde Alfreda Disbarro heftig gegen die Wand geschleudert. Anschließend übernahm ein anderer Beamter die Misshandlung und schlug Alfreda Disbarro mit einem Stock. Familienangehörige waren in das Gebäude gekommen, um Alfreda Disbarro zu sehen. Sie durften aber nicht zu ihr.

Falsche Beweise und ein falsches Geständnis

Am 4. Oktober brachte man Alfreda Disbarro in das Rathaus ihres Heimatbezirks Barangay. Hier warteten schon Polizisten mit einigen Hundert-Dollar-Noten und einem Päckchen Drogen. Alfreda Disbarro beharrte auf ihrer Unschuld.

Am nächsten Morgen forderte man Alfreda Disbarro auf, ein weißes Blatt Papier zu unterschreiben. Außerdem wurde sie zusammen mit dem Geld und den Drogen fotografiert, bevor sie in eine Haftanstalt für Frauen gebracht wurde. Die Tage nach dem 3. Oktober waren schrecklich für Alfreda. Sie hatte aufgrund der Folter derart starke Schmerzen, dass sie nicht essen und kaum atmen konnte.

Am 8. Oktober 2013 kam Alfreda Disbarro vor den Staatsanwalt, der sie wegen Besitzes und Verkaufs von Drogen anklagte. Er interessierte sich in keiner Weise für die Folter und Misshandlungen, die Alfreda über sich ergehen lassen musste.

Alfreda Disbarros Schwester reichte Beschwerde bei der nationalen Menschenrechtskommission ein, woraufhin Alfreda Disbarro am 10. Oktober von einem Arzt untersucht wurde. Er stellte zahlreiche Prellungen und Blutergüsse an ihrem Körper fest, die ihr in den letzten 1-2 Wochen zugefügt worden waren. Der Arzt kam zu dem Schluss, dass ihre Verletzungen von einem harten, stumpfen Gegenstand herrührten und empfahl eine Computertomographie, um innere Verletzungen ausschließen zu können.

Derzeit ist Alfreda Disbarro im Gefängnis von Parañaque inhaftiert und wartet auf ihren Prozess wegen Drogenhandels. Ihre Familie hat Drohungen erhalten und wurde mehrfach aufgefordert, die Stadt zu verlassen.

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