Imam inhaftiert

Der Imam Baba Leigh ist seit dem 3. Dezember ohne Kontakt zur Außenwelt und ohne Anklage inhaftiert. Er hatte öffentlich kritisiert, dass im August in Gambia neun Menschen hingerichtet wurden.

Appell an:

DIREKTOR DES GEHEIMDIENSTES
Numo Kujabi
National Intelligence Agency (NIA) Headquarters
Banjul
GAMBIA
(Anrede: Dear Director / Sehr geehrter Herr Direktor)
Fax: (00 220) 422 5562

INNENMINISTER
Ousman Sonko
Ministry of Interior and NGO Affairs
No.5 J.R. Forster Street (Ex. Fitzgerald Street)
Banjul
GAMBIA
(Anrede: Dear Minister / Sehr geehrter Herr Minister)
Fax: (00 220) 420 1320

Sende eine Kopie an:

AUSSENMINISTER
Dr Mamadou Tangara
Ministry of Foreign Affairs
4, Marina Parade
Banjul
GAMBIA
(Anrede: Dear Minister / Sehr geehrter Herr Minister)
E-Mail: info@mofa.gov.gm

BOTSCHAFT DER REPUBLIK GAMBIA
S.E. Herrn Mamour A. Jagne
126, Avenue Franklin Roosevelt
1050 Brüssel
BELGIEN
Fax: (00 32) 264 63 277
E-Mail: info@gambiaembassy.be oder
mamour@gambiaembassy.be

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 22. Januar 2013 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Bitte stellen Sie sicher, dass Imam Baba Leigh umgehend einem Haftrichter vorgeführt und entweder einer anerkannten Straftat angeklagt oder andernfalls freigelassen wird.

  • Sorgen Sie dafür, dass Imam Baba Leigh sofortigen Zugang zu seiner Familie und einem Rechtsbeistand erhält.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Urging the authorities to ensure that Imam Baba Leigh is brought before a court of law as a matter of urgency and charged with recognizable criminal offence or released

  • Urging the authorities to allow Imam Baba Leigh immediate access to his family and his lawyer

Sachlage

Augenzeugen zufolge erschienen am 3. Dezember gegen 22 Uhr zwei BeamtInnen des Geheimdienstes (National Intelligence Agency –NIA) am Haus von Baba Leigh. Die BeamtInnen teilten Baba Leigh mit, sie würden ihn zu einer Vernehmung in ihre Zentrale bringen, weitere Informationen erhielt er jedoch nicht. Seitdem ist Baba Leigh nicht mehr gesehen worden.

Seine Familie glaubt, dass Baba Leigh in der Zentrale des NIA inhaftiert ist. Der NIA gibt an, keine Informationen hinsichtlich seines Aufenthaltsortes zu haben.
Weder seiner Familie noch seinem Rechtsbeistand war es bisher möglich, Baba Leigh zu besuchen. Seine Familienangehörigen und FreundInnen sind um sein Wohlergehen besorgt. Ein Mitglied seiner Familie sagte gegenüber Amnesty International: "Wir machen uns große Sorgen um ihn. Wir haben ihn seit Montag nicht gesehen und hatten keine Möglichkeit, ihn mit Nahrung oder Medikamenten zu versorgen. Wir müssen ihn sehen und möchten wissen, welche Straftat er begangen hat."

Die Inhaftierung von Imam Baba Leigh ohne Anklage und ohne Kontakt zur Außenwelt wiederspricht Artikel 19 (3) der gambischen Verfassung, welcher das Recht garantiert, innerhalb von 72 Stunden einem Haftrichter vorgeführt zu werden. Zudem verstößt eine solche Inhaftierung gegen internationale und regionale Menschenrechtsabkommen und –standards.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Am Abend des 23. August wurden acht Männer und eine Frau aus ihren Zellen im Todestrakt geholt und kurz darauf durch Erschießen hingerichtet. Weder die Familienangehörigen noch die Rechtsbeistände der Häftlinge waren im Voraus über die Hinrichtungen informiert worden. Die Betroffenen selbst sollen erst von ihrer Hinrichtung erfahren haben, als sie aus ihren Zellen geholt wurden. Diese Hinrichtungen sind die ersten seit beinahe 30 Jahren. Man hat den Familien weder die Leichen überbracht noch ihnen mitgeteilt, wo diese begraben worden sind.

Imam Baba Leigh hält seine Predigt jeden Freitag in der Moschee in Kanifing. Im September hatte der Imam die Hinrichtungen von neun Insassen des Todestrakts im August verurteilt indem er sagte, diese seien "un-islamisch". Er forderte von der Regierung, die Leichen der Hingerichteten an deren Familien zu übergeben. Baba Leigh hat seine Kritik an der Regierung und der Todesstrafe in den vergangenen Monaten in seinen Predigten fortgesetzt.

Am 7. September waren zwei Journalisten, Baboucarr Ceesay und Abubacarr Saidykhan, inhaftiert worden, weil sie die Genehmigung beantragt hatten, friedlich gegen die Hinrichtungen zu protestieren. Sie wurden am 10. September wegen "Verschwörung zu einem Verbrechen" angeklagt. Später warf man ihnen "Aufwiegelung" vor und ließ sie auf Kaution frei. Die Anklagen wurden am 23. Oktober schließlich fallengelassen, Berichten zufolge auf Anordnung des Präsidenten Yayha Jammeh. Kurz darauf erhielten die Journalisten Morddrohungen.

JournalistInnen, MenschenrechtsverteidigerInnen und politische GegnerInnen sind in Gambia immer wieder Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt, wie z.B. rechtswidrigen Festnahmen und Inhaftierungen, Folter, unfairen Gerichtsverfahren, Schikanierungen, Angriffen und Morddrohungen. Dies erschwert die Fortführung ihrer Arbeit erheblich.