Morddrohungen

John Smith Porras Bernal, dessen Bruder von Sicherheitskräften getötet wurde, hat Morddrohungen erhalten. Er ist in Lebensgefahr.

Appell an

VERTEIDIGUNGSMINISTER
Dr. Gabriel Silva
Avenida El Dorado, Carrera 52 OFI. 217, Centro Administrativo Nacional (CAN)
Bogotá
KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Dear Dr Silva/Estimado Dr. Silva)
Fax: (0057) 1 266 0351

GENERALSTAATSANWALT
Sr. Guillermo Mendoza Diago (e)
Fiscal General de la Nación
Fiscalía General de la Nación
Diagonal 22B (Av. Luis Carlos Galán No. 52-01) Bloque C, Piso 4
Bogotá
KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Dear Attorney General/Estimado Sr. Fiscal)
Fax: (0057) 1 414 9108

Sende eine Kopie an

AUSSENMINISTER
Sr. Jaime Bermúdez
Ministerio de Relaciones Exteriores
Calle 10 No 5-51
Palacio de San Carlos
Bogotá
KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Dear Sr. Bermúdez/Estimado Sr. Bermúdez)
Fax: (0057) 1 381 4721

BOTSCHAFT DER REPUBLIK KOLUMBIEN
I. E. Frau Dr. Maria Dora Victoriana Mejía Marulanda
Kurfürstenstr. 84
10787 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: info@botschaft-kolumbien.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 17. Dezember 2009 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE

  • Fordern Sie die Behörden auf, eine umfassende und unparteiische Untersuchung der Drohungen gegen John Smith Porras Bernal anzuordnen, die Ergebnisse zu veröffentlichen und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.

  • Appellieren Sie an die Behörden, in Abstimmung mit John Smith Porras Bernal, seiner Mutter Luz Marina Porras Bernal und anderen Angehörigen von Opfern staatlicher Morde entschiedene Maßnahmen zu ihrem Schutz zu ergreifen.

  • Rufen Sie die Behörden auf, eine vollständige und unparteiische Untersuchung der Vorwürfe von staatlichem Mord durch die Armee einzuleiten, die Ergebnisse öffentlich zu machen und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.

Sachlage

Am 2. November wurde ein Brief unter der Wohnungstür von John Smith Porras Bernal durchgeschoben. Darin stand: "Egal, ob du dich in dieser Wohnung versteckst und einschließt, irgendwann wirst du rausgehen und wir werden dich kriegen. Wir haben dich gewarnt. [...] Wenn du nicht willst, dass dir etwas passiert, dann hau ab so schnell du kannst, denn dir bleibt nicht viel Zeit. Vergiss nicht: Wir meinen es ernst, wir wissen, wer du bist."

John Smith Porras Bernal lebt in Soacha, einer armen Region unweit der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá. Bereits am 20. Oktober hatte er eine schriftliche Morddrohung erhalten, die besagte, er solle "die Konsequenzen tragen". Die Schreiber bezogen sich dabei auf einen Brief vom 10. Oktober. John Smith Porras Bernal und andere Angehörige von Opfern staatlicher Morde durch die Armee in Soacha waren in dem Schreiben aufgefordert worden, sich ruhig zu verhalten. Die Betroffenen hatten das nicht getan.

Fair Leonardo Porras Bernal, der Bruder von John Smith Porras Bernal, wurde zuletzt am 8. Januar 2008 gesehen. Zu dem Zeitpunkt war er 26 Jahre alt. Am 16. September 2008 teilte man seiner Mutter mit, dass seine Leiche in einem Massengrab im Departement Norte de Santander im Nordosten Kolumbiens gefunden worden war.

Die Armee behauptete, er sei Mitglied einer illegalen bewaffnete Gruppierung gewesen und bei Kämpfen am 12. Januar 2008 getötet worden. Eine Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft ergab jedoch, dass Fair Leonardo Porras Bernal und einige andere junge Männer aus Soacha und anderen Teilen des Landes in Wahrheit von der Armee getötet worden waren. Diese hatte den Männern unter anderem Arbeitsmöglichkeiten in anderen Städten versprochen, um sie wegzulocken und zu töten. Ihre Leichen wurden dann als angeblich im Kampf getötete Guerilla-Kämpfer präsentiert.

Fair Leonardo Porras Bernals Mutter, Luz Marina Porras Bernal, hat sich mit anderen Müttern aus Soacha zusammengeschlossen, deren Söhne ebenfalls von der Armee getötet wurden. Sie fordert Gerechtigkeit für ihren Sohn. John Smith Porras Bernal unterstützt sie dabei. Möglicherweise sollen die Drohungen gegen ihn Luz Marina Porras Bernal dazu bewegen, ihr Engagement für Gerechtigkeit einzustellen.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Die Morde an dutzenden jungen Männer aus Soacha im Jahr 2008 zwangen die Regierung zuzugeben, dass die Sicherheitskräfte für staatliche Morde verantwortlich sind. Die Ermordeten wurden von der Armee als "im Kampf getötete Guerilleros" ausgegeben. Dabei arbeitete die Armee offenbar mit paramilitärischen Gruppen oder kriminellen Banden zusammen. In einigen Fällen erhielten Soldaten, die "einen Guerillero getötet hatten", dafür Geld, Sonderurlaub und Belobigungsschreiben ihrer Vorgesetzten.

Das Ausmaß dieses Skandals führte im Oktober 2008 zur Entlassung von 27 Armeeangehörigen, darunter drei Generäle. Im November 2008 sah sich der Kommandant der Streitkräfte, General Mario Montoya, zum Rücktritt gezwungen. Er war mit Menschenrechtsverletzungen in Verbindung gebracht worden. Kolumbiens Präsident Uribe kündigte an, dass die Untersuchung der Morde nicht durch Militärgerichte, sondern durch Zivilgerichte erfolgen wird. Die Militärgerichtsbarkeit erklärt sich in solchen Fällen häufig für zuständig, stellt die Verfahren aber dann jedoch ohne ernstzunehmende Ermittlungen ein.

Berichten zufolge ermittelt die Staatsanwaltschaft derzeit in mehr als 2000 Fällen von staatlichen Morden, die von Sicherheitskräften begangen worden sein sollen.