Militärpolizei tötet neun Menschen

Caveirao/A military police officer stands next to an armoured vehicle, popularly known as the Caveirão, in the Morro Da Fe

Caveirao/A military police officer stands next to an armoured vehicle, popularly known as the Caveirão, in the Morro Da Fe

Berichten zufolge wurden in der Stadt Belém im nordbrasilianischen Bundesstaat Pará am 4. November mindestens neun Menschen von Militärpolizist_innen außer Dienst getötet. Nach Aussagen von Anwohner_innen liegt die Zahl der Toten weit höher, als dies von Behörden bestätigt wurde. Es gibt Hinweise darauf, dass es sich bei den Tötungen um einen Vergeltungsschlag für die Erschießung eines Polizisten handelt.

Appell an

GOUVERNEUR DES BUNDESSTAATES PARÁ
Simão Robson Oliveira Jatene
Palácio dos Despachos
Rodovia Augusto Montenegro, km 9
Coqueiro, Belém, CEP: 66823-010
Pará, BRASILIEN
(Anrede: Dear Governor/ Sehr geehrter Herr Gouverneur)
Fax: (00 55) 91 3248 0133
E-Mail: auxineri@gmail.com

KOMMANDANT DER MILITÄRPOLIZEI IN PARÁ
Coronel Daniel Mendes

Avenida Almirante Barroso, 2513
Marco, Belém, CEP: 66090-120
Pará, BRASILIEN
(Anrede: Dear General Commander/ Sehr geehrter Herr Kommandant)
E-Mail: ascompm@gmail.com

Sende eine Kopie an

VORSITZENDE DES NATIONALRATS FÜR ÖFFENTLICHE SICHERHEIT (CONASP)
Regina Maria Filomena de Luca Miki
Esplanada dos Ministérios, Ministério da Justiça, Bloco T, Anexo 2, 5º andar
CEP: 70064-900
Brasília, Distrito Federal, BRASILIEN
E-Mail: conasp@mj.gov.br

BOTSCHAFT DER FÖDERATIVEN REPUBLIK BRASILIEN
I. E. Frau Maria Luiza Ribeiro Viotti
Wallstraße 57
10179 Berlin
Fax: 030–7262 83-20 oder -21
E-Mail: brasemb.berlim@itamaraty.gov.br

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Portugiesisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 18. Dezember 2014 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

FAXE, E-MAILS UND LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Stellen Sie bitte sicher, dass die Behörden unverzüglich umfassende und unparteiische Ermittlungen zu den Tötungen einleiten, für die Angehörige der Militärpolizei verantwortlich sein sollen. Sorgen Sie bitte außerdem dafür, dass Militärpolizist_innen, die für die Tötungen verantwortlich sein sollen, vor Gericht gestellt werden und dass sie ein Verfahren erhalten, das internationalen Standards für faire Gerichtsverfahren entspricht.

  • Bitte ergreifen Sie alle erforderlichen Maßnahmen, um Bewohner_innen der Stadtbezirke Terra Firme, Guamá, Marco, Jurunas, Sideral und umliegender Gebiete unverzüglich vor weiteren Tötungen zu schützen.

  • Bitte stellen Sie sicher, dass polizeiliche Aktivitäten unabhängig überwacht werden und sorgen Sie für Rechenschaftsmechanismen.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Urging the authorities to ensure a prompt, thorough and impartial investigation of these killings allegedly by military police officers, and ensure that any officers found responsible for such killings are brought to justice in proceedings which meet international fair trial standards.

  • Urging them to take all appropriate measures to immediately ensure the safety of residents of the neighbourhoods of Terra Firme, Guamá, Marco, Jurunas, Sideral and surroundings areas, providing them with effective protection against any further killings taking place.

  • Urging them to ensure that police activities are subject to effective independent oversight and accountability mechanisms.

Sachlage

Die Behörden des nordbrasilianischen Bundesstaates Pará bestätigten am 5. November die Tötung von neun Menschen in den Stadtbezirken Guamà, Terra Firme, Marco, Jurunas und Sideral der Stadt Belém. Bewohner_innen der Bezirke und zivilgesellschaftliche Organisationen beschuldigen Angehörige der Militärpolizei der Tötungen. Die ersten Tötungen wurden in der Nacht des 4. November begangen, nachdem am selben Abend ein Militärpolizist außer Dienst bei seinem Haus in Guamà erschossen worden war. Die genauen Hintergründe der Tötung des Militärpolizisten sind bisher ungeklärt und werden noch von Behörden ermittelt. In der Nacht des 4. November, kurz nach der Tötung des Polizisten, riefen Beamt_innen von ROTAM (Ronda Ostensiva Tática Metropolitana – Taktische Stadtpatrouille), eine Spezialeinheit der Militärpolizei, Kolleg_innen in sozialen Netzwerken auf, die Tötung des Militärpolizisten zu rächen. Auf der Facebookseite von ROTAM lautete einer der Posts: "Die Jagd hat begonnen… Vagabunden, seht euch vor… ROTAM sieht Blut" (A caça começou…!!! Te liga vagabundo… A ROTAM está com sangue nos olhos).

Bewohner_innen des Stadtbezirks Terra Firme berichteten Amnesty International, dass die Militärpolizei Straßen zum Stadtbezirk mit ihren Wagen blockierten, um Bewohner_innen daran zu hindern, in den Bezirk zu gelangen oder ihn zu verlassen. Außerdem gaben sie an, dass zwei unbekannte Wagen und fünf Motorräder in den Bezirk einfuhren, deren Fahrer_innen und Insass_innen Kapuzen trugen und schwerbewaffnet waren. Diese sollen Bewohner_innen bedroht und attackiert haben. Laut Anwohner_innen ist die Zahl der Getöteten des 4. Novembers weit höher, als von Behörden angegeben. Der Ombudsmann für Öffentliche Sicherheit und Polizei sowie lokale Menschenrechtsorganisationen ermitteln derzeit noch eine genaue Zahl der Toten, die Identität der Opfer und genauere Hintergründe der Tötungen. Bewohner_innen der fünf Stadtbezirke in Belém fürchten noch immer um ihre Sicherheit.