Gefangene misshandelt
Amnesty International liegen Berichte vor, denen zufolge Wärter am 24. Juli im Gefängnis von Wadi Guedid im Südwesten der ägyptischen Wüste während Zellendurchsuchungen auf Gefangene eingeschlagen haben. Die Verletzten haben bislang offenbar keine medizinische Versorgung erhalten.
Appell an
INNENMINISTER
H.E. Mansour Abdel Kerim Moustafa Essawy
Ministry of Interior Affairs
El Sheikh Rihan Street
Cairo, Postal Code 11641
ÄGYPTEN
(korrekte Anrede: Your Excellency/ Exzellenz)
Fax: (00 20) 22 795 9494
E-Mail: center@iscmi.gov.eg
GENERALSTAATSANWALT
Abd El-Megeed Mahmoud
Dar al-Qadha al-'Ali
Ramses Street,
Cairo
ÄGYPTEN
(korrekte Anrede: Dear Prosecutor General/ Sehr geehrter Herr Staatsanwalt)
Fax: (00 20) 22 577 4716
Sende eine Kopie an
GEFÄNGNISVERWALTUNG
Idarat al-Sujun
al-Kolali street
Ramsis, Cairo
ÄGYPTEN
Fax: (00 20) 22 574 5561
BOTSCHAFT DER ARABISCHEN REPUBLIK ÄGYPTEN
S.E. Herrn Ramzy Ezz Eldin Ramzy
Stauffenbergstraße 6 – 7
10785 Berlin
Fax: 030-477 1049
E-Mail: embassy@egyptian-embassy.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 6. September 2011 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE, E-MAILS UND LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
-
Gewährleisten Sie die Sicherheit der Gefangenen und stellen Sie sicher, dass die Insassen des Gefängnisses Wadi Guedid weder gefoltert noch anderweitig misshandelt werden.
-
Bitte stellen Sie sicher, dass Verletzte, wie im Völkerrecht und internationalen Standards festgelegt, sofortige und angemessene medizinische Versorgung erhalten.
-
Ich fordere Sie auf, eine sofortige, sorgfältige, unparteiische und unabhängige Untersuchung der Misshandlungsvorwürfe vom 24. Juli zu veranlassen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.
- Bitte sorgen Sie dafür, dass die Familien den Aufenthaltsort ihrer Angehörigen erfahren und dass sämtliche Gefangene Kontakt zu ihren Familien und Rechtsbeiständen aufnehmen können.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
-
Urging the Egyptian authorities to ensure the safety of detainees and prisoners and not to subject inmates of Wadi Guedid Prison to torture or other ill-treatment.
-
Urging them to ensure that all those injured receive adequate medical treatment without further delay as required in international law and standards.
-
Calling on them to order an immediate, thorough, impartial and independent investigation into the 24 July beatings, and bring those found responsible to justice.
- Calling on them to disclose to the prisoners' families their whereabouts and allow all prisoners access to their families and lawyers.
Sachlage
Die Familie von Abu el-Maati Ahmed Abu al-Arab hat erfahren, dass Gefängniswärter während einer Zellendurchsuchung mit Kabeln und Schlagstöcken auf ihn einprügelten und ihm das Bein gebrochen haben sollen. Die Familie glaubt, dass er sich immer noch ohne medizinische Versorgung in seiner Zelle befindet. Abu el-Maati Ahmed Abu al-Arab wurde am 3. Februar festgenommen, als er den Tahrir-Platz in Kairo verließ. Vor einem Militärgericht wurde er angeklagt, öffentliches Eigentum zerstört zu haben. In einem Schnellverfahren verurteilte ihn das Gericht zu fünf Jahren Haft. Amnesty International lehnt Prozesse gegen Zivilpersonen vor Militärgerichten ab.
Als Mohamed Al Beheiry seinen Bruder Amr Abdallah Al Beheiry am 25. Juli im Gefängnis von Wadi Guedid besuchen wollte, wurde ihm mitgeteilt, dass sein Bruder in ein anderes Gefängnis gebracht worden sei. Es gelang ihm, seinen Bruder und fünf weitere Häftlinge zu sehen, als sie für den Transport vorbereitet wurden. Er berichtete Amnesty International, dass einer der fünf auf einer Pritsche lag und kaum atmen konnte. Er sagte, dass der für den Transport verantwortliche Beamte sich anfangs weigerte, den Mann auf der Liege mitzunehmen, weil er dringend medizinische Hilfe benötige. Aber später wurden alle Männer in Handschellen in den Lastwagen verfrachtet. Dann erzählten Gefängniswärter Mohamed Al Beheiry, dass sein Bruder nach Wadi Natroun gebracht werden solle. Er merkte an, dass der Mann auf der Liege nicht in den Transportwagen verfrachtet werden sollte und wurde daraufhin zurechtgewiesen, dass ihn das nichts anginge.
Rechtsbeistände erklärten Amnesty International, dass der Transport zum Gefängnis Wadi Natroun bis zu 48 Stunden dauern kann, weil die Gefangenen in einem langsamen Militärzug zunächst nach Nordkairo gebracht werden, um sie von dort dann von einem Lastwagen nach Wadi Natroun zu transportieren.
[EMPFOHLENE AKTIONEN]
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE, E-MAILS UND LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Gewährleisten Sie die Sicherheit der Gefangenen und stellen Sie sicher, dass die Insassen des Gefängnisses Wadi Guedid weder gefoltert noch anderweitig misshandelt werden.
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Bitte stellen Sie sicher, dass Verletzte, wie im Völkerrecht und internationalen Standards festgelegt, sofortige und angemessene medizinische Versorgung erhalten.
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Ich fordere Sie auf, eine sofortige, sorgfältige, unparteiische und unabhängige Untersuchung der Misshandlungsvorwürfe vom 24. Juli zu veranlassen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.
- Bitte sorgen Sie dafür, dass die Familien den Aufenthaltsort ihrer Angehörigen erfahren und dass sämtliche Gefangene Kontakt zu ihren Familien und Rechtsbeiständen aufnehmen können.
[APPELLE AN]
INNENMINISTER
H.E. Mansour Abdel Kerim Moustafa Essawy
Ministry of Interior Affairs
El Sheikh Rihan Street
Cairo, Postal Code 11641
ÄGYPTEN
(korrekte Anrede: Your Excellency/ Exzellenz)
Fax: (00 20) 22 795 9494
E-Mail: center@iscmi.gov.eg
GENERALSTAATSANWALT
Abd El-Megeed Mahmoud
Dar al-Qadha al-'Ali
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Cairo
ÄGYPTEN
(korrekte Anrede: Dear Prosecutor General/ Sehr geehrter Herr Staatsanwalt)
Fax: (00 20) 22 577 4716
KOPIEN AN
GEFÄNGNISVERWALTUNG
Idarat al-Sujun
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Ramsis, Cairo
ÄGYPTEN
Fax: (00 20) 22 574 5561
BOTSCHAFT DER ARABISCHEN REPUBLIK ÄGYPTEN
S.E. Herrn Ramzy Ezz Eldin Ramzy
Stauffenbergstraße 6 – 7
10785 Berlin
Fax: 030-477 1049
E-Mail: embassy@egyptian-embassy.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 6. September 2011 keine Appelle mehr zu verschicken.
Hintergrundinformation
Amr Abdallah Al Beheiry wurde am 1. März vom Obersten Militärgericht wegen Beleidigung eines Beamten im Dienst und Verstoßes gegen die Sperrstunde in einem Schnellverfahren zu fünf Jahren Haft verurteilt. Er, sein Cousin und weitere Protestierende waren Berichten zufolge mit Schlagstöcken traktiert und dann festgenommen worden, als die Militärpolizei und die Armee eine Protestkundgebung vor dem Parlamentsgebäude in Kairo am frühen Morgen des 26. Februar gewaltsam aufgelöst hatte. Amr Abdallah Al Beheiry wurde von der Militärpolizei freigelassen, aber kurz danach wieder verhaftet, wahrscheinlich weil andere Protestierende seine Verletzungen gefilmt hatten.
Laut verlässlichen Quellen wurden Amr Abdallah Al Beheiry und sein Cousin nach ihrer Festnahme im Februar geschlagen und mit Elektroschocks gefoltert.
Amnesty International hat weitere Vorfälle in Ägypten dokumentiert, bei denen Gefängniswärter mit Gewalt gegen Insassen vorgegangen sind. Die Unruhen begannen am 28. Januar im Gefängnis al-Qatta al-Gadeed, als die Gefangenen erfuhren, dass Häftlinge aus anderen Gefängnissen Ägyptens ausgebrochen oder freigelassen worden waren. Sie forderten daraufhin die Gefängnisbehörden auf, auch sie freizulassen. Als die Behörden sich weigerten, begannen die Aufstände. Als Reaktion darauf setzten die Gefängniswärter vermutlich Tränengas und exzessive Gewalt ein, darunter auch scharfe Munition. Laut einer Untersuchungskommission (Fact-Finding National Commission) zu den Aufständen vom 25. Januar gab die Gefängnisverwaltung eine Zahl von 189 Toten zusätzlich zu 263 Verletzten unter den Gefangenen an. Zudem sollen vier Sicherheitskräfte getötet und 30 verletzt worden sein.
Amnesty International hat außerdem viele Fälle dokumentiert, in denen Gefangene während der Proteste unter anderem von Angehörigen der Armee und der Militärpolizei gefoltert wurden. Die Folter- und Misshandlungsmethoden beinhalteten Prügel mit Schlagstöcken oder Peitschen, Elektroschocks, teils auch an empfindlichen Körperstellen, Verzerrung des Körpers durch Stresspositionen über lange Zeiträume, Beschimpfungen und Androhung von Vergewaltigung.
Neben Amr Abdallah Al Beheiry und Abu el-Maati Ahmed Abu al-Arab wurden viele weitere Personen vor Militärgerichten angeklagt. Der Oberste Rat des Militärs sagte, dass seit dem Rücktritt von Husni Mubarak mindestens 7.000 Zivilpersonen vor Militärgerichte gestellt wurden. Amnesty International verurteilt solche Prozesse, weil sie das grundlegende Recht auf ein faires Gerichtsverfahren missachten.