Schwager von Mousavi in Haft
Der 62-jährige Shapour Kazemi befindet sich nach vorliegenden Informationen im Teheraner Evin-Gefängnis in Haft. Er ist ein Schwager von Mir Hossein Mousavi, einem der Kandidaten der iranischen Präsidentschaftswahlen vom 12. Juni 2009. Amnesty International befürchtet, dass Shapour Kazemi allein aufgrund seiner verwandtschaftlichen Verbindung zu Mir Hossein Mousavi in Haft gehalten wird. Er könnte in Gefahr sein, gefoltert oder in anderer Weise misshandelt zu werden. Zudem erhält er offenbar nicht regelmäßig seine dringend benötigten Medikamente.
Appell an
RELIGIONSFÜHRER
Ayatollah Sayed 'Ali Khamenei
The Office of the Supreme Leader
Islamic Republic Street - End of Shahid Keshvar Doust Street, Tehran, IRAN
(korrekte Anrede: Your Excellency)
E-Mail: über die Websites:
http://www.leader.ir/langs/en/index.php?p=letter (Englisch)
OBERSTE JUSTIZAUTORITÄT
Ayatollah Sadeqh Larijani
Howzeh Riyasat-e Qoveh Qazaiyeh
Pasteur St., Vali Asr Ave., south of Serah-e Jomhouri
Tehran 1316814737, IRAN
(korrekte Anrede: Your Excellency)
E-Mail: über die Website
http://www.dadiran.ir/tabid/81/Default.aspx
Auf der Website füllen Sie bitte die mit einem roten Sternchen markierten Textfelder unterhalb der E-Mail-Adresse info@dadiran.ir aus. In die erste Textzeile schreiben Sie Ihren Vor-, in die zweite ihren Nachnamen. Die dritte Zeile (ohne Sternchen) bleibt leer. In der letzten Zeile geben Sie Ihre E-Mail-Adresse an. Ihren Appelltext schreiben Sie bitte in die große Textbox darunter.
Sende eine Kopie an
INNENMINISTER
Sadegh Mahsouli
Ministry of the Interior,
Dr Fatemi Avenue, Tehran,
IRAN
Fax: (00 98) 21 8 896 203
(00 98) 21 8 899 547
(00 98) 21 6 650 203
BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN
S.E. Herrn Alireza Sheikh Attar
Podbielskiallee 65-67, 14195 Berlin
Fax: 030-8435 3535
E-Mail: iran.botschaft@t-online.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Persisch, Arabisch, Französisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 5. Oktober 2009 keine Appelle mehr zu verschicken.
PLEASE WRITE APPEALS IMMEDIATELY IN ENGLISH OR YOUR OWN LANGUAGE:
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Urging the authorities to give Shapour Kazemi immediate and regular access to family members, a lawyer of his choice and to any medical treatment he may require;
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Calling for assurances that he is not tortured or otherwise ill-treated;
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Urging them to release Shapour Kazemi immediately and unconditionally, as he appears to have been arrested solely on account of his family connection to Mir Hossein Mousavi;
- Urging them to remove unlawful restrictions on freedoms of expression, association and assembly in Iran.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE LUFTPOSTBRIEFE, FAXE UND E-MAILS, IN DENEN SIE
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die Behörden auffordern, Shapour Kazemi sofort den regelmäßigen Kontakt zu seinen Familienangehörigen und einem Rechtsanwalt seiner Wahl sowie die erforderliche medizinische Versorgung zu ermöglichen;
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um die Zusicherung bitten, dass er weder misshandelt noch gefoltert wird;
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fordern, dass Shapour Kazemi sofort und bedingungslos freigelassen wird, da er offenbar allein wegen seiner familiären Verbindung zu Mir Hossein Mousavi in Haft gehalten wird;
- die Behörden auffordern, alle rechtswidrigen Einschränkungen der Rechte auf freie Meinungsäußerung, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit aufzuheben.
Sachlage
Shapour Kazemi wurde kurz nach den umstrittenen Wahlen vom 12. Juni 2009 festgenommen. Seine Schwester ist die Ehefrau des Präsidentschaftskandidaten Mir Hossein Mousavi, der nach wie vor die Fairness und das offizielle Ergebnis der Wahlen in Frage stellt. Shapour Kazemi wird ohne Anklageerhebung festgehalten und hat keinen Zugang zu einem Rechtsanwalt. Er soll bislang einmal Besuch von seiner Mutter erhalten haben; dieses Treffen wurde von Gefängniswärtern gefilmt. Amnesty International befürchtet, dass er die Medikamente, die er zur Behandlung seines Bluthochdrucks braucht, nicht regelmäßig erhält.
Nach Kenntnis von Amnesty International hat Shapour Kazemi weder Verbindungen zu politischen Organisationen noch hat er seinen Schwager im Wahlkampf unterstützt. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Assiociated Press (AP) hat seine Schwester Zahra Rahnavard erklärt, Shapour Kazemi sei festgenommen worden, um sie und ihren Ehemann Mir Hossein Mousavi unter Druck zu setzen, den Ausgang der Präsidentschaftswahlen öffentlich anzuerkennen.
Hintergrundinformation
Seit der Bekanntgabe des Wahlsiegs von Präsident Ahmadinejad am 13. Juni nahmen hunderttausende IranerInnen im ganzen Land an – im allgemeinen friedlichen – Großkundgebungen teil, in denen sie den Ausgang der Wahlen anzweifelten. Daraufhin schränkten die iranischen Behörden die Meinungs-, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit drakonisch ein. Auch Telefon- und Internetverbindungen waren erheblichen Störungen ausgesetzt. Außerdem ist es den iranischen Medien seit Bekanntgabe des Wahlergebnisses untersagt, Informationen über die im ganzen Land schwelenden Unruhen zu veröffentlichen. Ausländische JournalistInnen wurden von den Straßen verbannt, ihre Visa nicht verlängert, und einige wurden festgenommen oder des Landes verwiesen.
Als Reaktion auf die Massenproteste setzten die Behörden verstärkt Sicherheitskräfte ein, insbesondere die paramilitärische Basij-Miliz. In den drei bis vier Wochen nach dem 12. Juni 2009 wurden im ganzen Land mindestens 4000 Personen festgenommen. Dazu zählen auch bekannte politische Persönlichkeiten, die entweder Mir Hossein Mousavi, Mehdi Karroubi oder dem ehemaligen Präsidenten Khatami, der Mir Hossein Mousavi im Wahlkampf unterstützte, nahe stehen. Auch MenschenrechtsverteidigerInnen und JournalistInnen sind festgenommen worden. Den Inhaftierten werden lediglich Besuche ihrer Angehörigen gestattet, Zugang zu einem Rechtsbeistand erhalten sie jedoch nicht.
Die Sicherheitskräfte gingen mit exzessiver Gewalt gegen die Demonstrierenden vor, hunderte Menschen wurden dabei verletzt. Etwa 40 Personen sollen an den Folgen von Misshandlungen durch die Sicherheitskräfte gestorben sein bzw. an den Folgen der Haftbedingungen und weiteren Misshandlungen in den Hafteinrichtungen.
Die Massenprozesse gegen hunderte Personen, die am 1. August 2009 begannen, entsprechen bei Weitem nicht den internationalen Standards für faire Gerichtsverfahren. Einige Gefangene wurden gefilmt, als sie vage formulierte Anklagen "gestanden", die keine strafbare Handlung darstellen. In einigen Fällen wurden die "Geständnisse" im Fernsehen ausgestrahlt, bevor das Gerichtsverfahren eingeleitet worden war, was einen Verstoß gegen das Recht darstellt, dass niemand sich selbst belasten muss. Auch wurden "Geständnisse" zugelassen, die unter Zwang erpresst worden waren. Gegen einige der Angeklagten könnte die Todesstrafe verhängt werden.
Vertreter der iranischen Behörden bestätigten Vorwürfe, denen zufolge Gefangene, die man bei den Protesten gegen das Wahlergebnis inhaftiert hat, gefoltert und misshandelt wurden. Berichten zufolge ist es in mindestens einer Hafteinrichtung, möglicherweise Kahrizank außerhalb Teherans, zu Menschenrechtsverletzungen gekommen. Am 29. Juli ordnete der Religionsführer Ayatollah Ali Khamenei die Schließung der Hafteinrichtung an. Der Gefängnisleiter und drei Wachen wurden daraufhin entlassen, möglicherweise auch inhaftiert.
Amnesty International liegen Berichte vor, die mit den Angaben von Mehdi Karroubi übereinstimmen, einem der Präsidentschaftskandidaten bei den Wahlen vom Juni. Seinen Angaben zufolgen hatten sowohl weibliche als auch männliche Gefangene Vorwürfe erhoben, denen zufolge sie von Sicherheitskräften gefoltert und vergewaltigt wurden.