Gebäude niedergebrannt
Hunderte Menschen sind aus ihren Häusern in einer informellen Siedlung in der nigerianischen Hauptstadt Abuja vertrieben worden. Die Siedlung wurde von einer Einsatzgruppe der Regierung niedergebrannt und mindestens eine Person kam dabei ums Leben.
Appell an
STAATSSEKRETÄR DER FCTA
FCTA Permanent Secretary
Dr. Biodun Nathaniel Olorunfemi
Federal Capital Territory Administration (FCTA)
Area 11, Garki Abuja
FCT PMB 24, NIGERIA
(korrekte Anrede: Dear Permanent Secretary / Sehr geehrter Herr Staatssekretär)
DIREKTORIN FÜR INSPEKTION UND KONTROLLE IM FCT
Director of Inspection and Monitoring in the FCT
Mrs. Jumai Kwanashie, Federal Capital Territory Administration (FCTA)
Area 11, Garki Abuja
FCT PMB 24 , NIGERIA
(korrekte Anrede: Dear Director / Sehr geehrte Frau Direktorin)
Sende eine Kopie an
MINISTER FÜR WOHNRAUM UND STADTENTWICKLUNG
Minister of Works, Housing and Urban Development
Federal Ministry of Works, Housing and Urban Development
9th Floor, federal Secretariat Towers
Shehu, Shangari Way
Abuja
NIGERIA
BOTSCHAFT DER BUNDESREPUBLIK NIGERIA
Neue Jakobstraße 4
10179 Berlin
Fax: 030-2123 0212 oder 030-2123 0164
E-Mail: info@nigeriaembassygermany.org
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 30. Juli 2011 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
-
Sehr geehrter Herr Dr. Olorunfemi, ich möchte Sie nachdrücklich auffordern, alle rechtswidrigen Zwangsräumungen einzustellen.
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Setzen Sie bitte auch alle weiteren von der Einsatzgruppe geplanten Zwangsräumungen aus, bis angemessene Schutzmaßnahmen getroffen wurden, um die Rechtmäßigkeit der Räumungen zu gewährleisten und sichergestellt ist, dass Räumungen immer unter Einhaltung der regionalen und internationalen Menschenrechtsstandards durchgeführt werden.
-
Bitte sorgen Sie dafür, dass die BewohnerInnen der Gemeinde Panteka Zugang zu wirksamem Rechtsschutz erhalten, dazu zählt die Unterbringung in angemessenem alternativen Wohnraum und die Entschädigung für alle erlittenen Verluste.
-
Stellen Sie bitte umgehend vorübergehende Unterkünfte für die Menschen zur Verfügung, deren Häuser niedergebrannt wurden, sowie, falls notwendig, Nothilfe wie Nahrung, Wasser und Gesundheitsversorgung.
- Untersuchen Sie bitte die Umstände des Todes von wenigstens einem, möglicherweise aber auch drei Menschen und veröffentlichen Sie die Ergebnisse dieser Ermittlung.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Calling on the Federal Capital Territory (FCT) Permanent Secretary to urgently stop all forced evictions.
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Calling on the FCT Permanent Secretary to suspend future evictions planned by the task force,until adequate safeguards are in place to prevent forced evictions and to ensure that all evictions comply with regional and international human rights standards.
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Ensure residents of Panteka community are provided with effective remedies, including adequate alternative housing and compensation for all losses.
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Immediately provide temporary housing to people whose homes were burnt and emergency relief, as necessary, including food, water and health care services.
- Fully investigate the circumstances surrounding the death of at least one person, but possibly up to three persons; the findings of the investigation should be made public.
Sachlage
Hunderte Menschen wurden gegen ihren Willen aus ihren Häusern vertrieben und mindestens eine Person starb, als die Einsatzgruppe Umweltsanierung in Begleitung bewaffneter PolizeibeamtInnen und SoldatInnen in der Siedlung und auf dem Markt von Panteka Gebäude niederbrannte. Die Einsatzgruppe wurde gegründet, um "Abuja von Slums zu befreien und ungesetzliche Aktivitäten, Verkehrsstaus, Straßenbettelei, Straßenverkauf sowie illegale Gebäude im Großraum Abuja zu verhindern." Die Einsatzgruppe hat angekündigt, in den nächsten drei Wochen weitere dieser Operationen durchführen zu wollen.
Am 25. Juni kamen VertreterInnen der Einsatzgruppe in die Siedlung im Bezirk Apo der Stadt Abuja und begannen, die Gebäude in Brand zu setzen. Laut Angaben von BewohnerInnen schoss die Polizei in die Luft und nahm Menschen fest, die versuchten wegzulaufen. Die BewohnerInnen berichteten Amnesty International, dass der Schuhputzer Abu-Bakr Muhammad Abdullahi in seinem Haus verbrannte. Eine Sprecherin der Behörde für Umweltschutz in Abuja (Abuja Environmental Protection Board - AEPB) bestätigte, dass eine Person "durch eine Rauchvergiftung und andere Dinge" zu Tode gekommen sei. Die BewohnerInnen berichten von zwei weiteren Toten, darunter eine Frau namens Blessing Christopher. AEPB bestreitet dies.
Die BewohnerInnen geben an, dass sie weder angemessen über die Operation unterrichtet wurden noch Zeit hatten, ihr Hab und Gut zusammenzupacken. Die BewohnerInnen berichteten Amnesty International, dass der Gemeindevorsteher ohnehin nur mit fünf Tage Vorlauf von der bevorstehenden Zwangsräumung unterrichtet worden war, die Behörden aber bereits am dritten Tag kamen, um die Gebäude abzureißen. Ein Bewohner teilte Amnesty International mit: "Die Umweltleute kamen, sie legten einfach Feuer... Ich habe nur noch die Kleider, die ich gerade trage. Diese Hose und das Hemd, sind alles was, mir geblieben ist."
Laut Angaben eines Vertreters der AEPB wurde dem Gemeindevorsteher seit Januar 2011 der bevorstehende Abriss mehrmals angekündigt. Er sagte gegenüber Amnesty International, dass den Betroffenen verschiedene Daten für den Abriss gegeben wurden und "sie deshalb nicht sicher wussten, dass wir an diesem Tag [Samstag] kommen würden.
[EMPFOHLENE AKTIONEN]
SCHREIBEN SIE BITTE LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Sehr geehrter Herr Dr. Olorunfemi, ich möchte Sie nachdrücklich auffordern, alle rechtswidrigen Zwangsräumungen einzustellen.
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Setzen Sie bitte auch alle weiteren von der Einsatzgruppe geplanten Zwangsräumungen aus, bis angemessene Schutzmaßnahmen getroffen wurden, um die Rechtmäßigkeit der Räumungen zu gewährleisten und sichergestellt ist, dass Räumungen immer unter Einhaltung der regionalen und internationalen Menschenrechtsstandards durchgeführt werden.
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Bitte sorgen Sie dafür, dass die BewohnerInnen der Gemeinde Panteka Zugang zu wirksamem Rechtsschutz erhalten, dazu zählt die Unterbringung in angemessenem alternativen Wohnraum und die Entschädigung für alle erlittenen Verluste.
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Stellen Sie bitte umgehend vorübergehende Unterkünfte für die Menschen zur Verfügung, deren Häuser niedergebrannt wurden, sowie, falls notwendig, Nothilfe wie Nahrung, Wasser und Gesundheitsversorgung.
- Untersuchen Sie bitte die Umstände des Todes von wenigstens einem, möglicherweise aber auch drei Menschen und veröffentlichen Sie die Ergebnisse dieser Ermittlung.
[APPELLE AN]
STAATSSEKRETÄR DER FCTA
FCTA Permanent Secretary
Dr. Biodun Nathaniel Olorunfemi
Federal Capital Territory Administration (FCTA)
Area 11, Garki Abuja
FCT PMB 24, NIGERIA
(korrekte Anrede: Dear Permanent Secretary / Sehr geehrter Herr Staatssekretär)
DIREKTORIN FÜR INSPEKTION UND KONTROLLE IM FCT
Director of Inspection and Monitoring in the FCT
Mrs. Jumai Kwanashie, Federal Capital Territory Administration (FCTA)
Area 11, Garki Abuja
FCT PMB 24 , NIGERIA
(korrekte Anrede: Dear Director / Sehr geehrte Frau Direktorin)
KOPIEN AN
MINISTER FÜR WOHNRAUM UND STADTENTWICKLUNG
Minister of Works, Housing and Urban Development
Federal Ministry of Works, Housing and Urban Development
9th Floor, federal Secretariat Towers
Shehu, Shangari Way
Abuja
NIGERIA
BOTSCHAFT DER BUNDESREPUBLIK NIGERIA
Neue Jakobstraße 4
10179 Berlin
Fax: 030-2123 0212 oder 030-2123 0164
E-Mail: info@nigeriaembassygermany.org
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 30. Juli 2011 keine Appelle mehr zu verschicken.
Hintergrundinformation
Die Einsatzgruppe Sanierung und Umwelt kehrte am Montag, den 27. Juni 2011 in Begleitung von etwa 15 bewaffneten PolizeibeamtInnen nach Panteka (gemeinhin Tora Bora genannt) zurück. Sie verjagten AnwohnerInnen und fuhren fort, die verbleibenden Gebäude und auch von den BewohnerInnen gesammelte Materialien abzubrennen. Amnesty International hat das Gelände besucht und mit vertriebenen BewohnerInnen gesprochen, die versuchten zu retten, was aus den verbrannten Überresten ihrer Geschäfte und Häuser noch zu retten war. Amnesty International wurde an diesem Tag Zeugin der Rückkehr der Gruppe. Über mehrere Stunden konnte man über der Gemeinde Rauch aufsteigen sehen.
Die Einsatzgruppe Sanierung und Umwelt unter dem Vorsitz der Direktorin für Inspektion und Kontrolle im Hauptstadtterritorium wurde vom ständigen Sekretär der Regierung des Hauptstadtterritoriums (permanent secretary of the Federal Capital Territory Administration FCTA), eingerichtet. Sie setzt sich zusammen aus der AEPB, der Abteilung für Stadtentwicklungskontrolle, der Agentur zur Umsetzung der Antidrogengesetze, der Polizei und dem Militär.
Eine Sprecherin der AEPB teilte Amnesty International mit: "Schon seit einiger Zeit besteht ein Sicherheitsproblem... Es hat eine Bombenexplosion gegeben... Es kommt zu kriminellen Aktivitäten. Also versuchen wir, die Stadt zu säubern, damit es keine Übeltäter, Arme und Bettler mehr gibt. Wir säubern die Verstecke der Drogensüchtigen und Kriminellen und sorgen für eine saubere Umgebung. Es geht darum sicherzustellen, dass die Verstecke von Kriminellen ausgeräuchert werden und auch Banden und Drogen."
Nigeria ist aufgrund einer Reihe von Menschenrechtsabkommen wie dem Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, dem Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte und der Afrikanischen Charta über Menschenrechte und Rechte der Völker dazu verpflichtet, rechtswidrige Zwangsräumungen zu unterlassen und ihre BürgerInnen davor zu schützen. Der UN-Ausschuss für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte betont, dass Zwangsräumungen nur dann stattfinden dürfen, wenn alle anderen Alternativen ausgeschöpft wurden und angemessene verfahrenstechnische und rechtliche Schutzmaßnahmen getroffen wurden. Dazu gehören die wirkliche Konsultation der Betroffenen, die angemessene und rechtzeitige Ankündigung, angemessene alternative Unterkünfte und Entschädigung für alle Verluste, Schutzmaßnahmen hinsichtlich der Durchführung von Zwangsräumungen sowie der Zugang zu Rechtschutz und rechtlichen Verfahren einschließlich Prozessbeihilfe, falls nötig. Die Regierung muss darüber hinaus sicherstellen, dass niemand obdachlos wird oder aufgrund der Räumung anderen Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt wird. Die Bestimmungen sind bei allen Räumungen einzuhalten, unabhängig vom Miet- oder Eigentumsstatus der BewohnerInnen und gelten auch für Menschen, die in informellen Siedlungen leben.
Kapitel 2 der nigerianischen Verfassung von 1999, Abschnitt 16(2) verpflichtet den Staat, passende und angemessene Unterkunft aller Bürgerinnen und Bürger sicherzustellen. Doch wie auch andere Richtlinien zu sozialen und wirtschaftlichen Rechte fällt diese Bestimmung unter die "Direktiven" der Verfassung. Als solche ist sie nicht justiziabel und deshalb vor den nigerianischen Gerichten nicht einklagbar. Die Bestimmungen in Kapitel 4 der Verfassung garantieren das Recht auf den Erwerb von Wohnraum und das Recht auf Privatsphäre in diesem Wohnraum.
Laut dem Gesetz zur Nutzung von Land von 1978 ist es gesetzmäßig, das Recht auf Besetzung zu widerrufen, wenn es dem größeren öffentlichen Interesse dient. Das Gesetz sieht die Zahlung von Entschädigung vor und im Falle von Wohngebäuden, die Möglichkeit einer Umsiedlung. Nach nigerianischem Recht sind weder Zwangsräumungen verboten noch gibt es ein Recht auf angemessenes Wohnen.
Die Verwaltung des Hauptstadtterritoriums (Federal Capital Territory Administration – FCTA) wurde 1979 ins Leben gerufen und ist für die Planung und Entwicklung und die Zuweisung von Bau- und Nutzland innerhalb des Hauptstadtterritoriums zuständig. Tausende Menschen sind seit 2000 aus ihrem Wohnraum in Abuja vertrieben worden. Dies geschieht im Rahmen der Umsetzung des Abuja Gesamtkonzepts (Abuja Master Plan), das unter anderem darauf abzielt, die Stadt zu "verschönern". Seit 2000 sind in verschiedenen Teilen Nigerias über 2 Mio. Menschen aus ihren Häusern vertrieben worden. Laut einem Bericht der nigerianischen NGO "Social Economic Rights Action Centre" leben 70 Prozent der BewohnerInnen von Abuja aufgrund der hohen Mietpreise im Zentrum in informellen Siedlungen.