Verschwindenlassen
Zwei Monate nachdem Amarildo Souza Lima von der Militärpolizei in Brasilien festgenommen wurde, wird er weiterhin vermisst. Zudem wird seine Familie bedroht und nicht über den Fortgang der polizeilichen Ermittlungen auf dem Laufenden gehalten.
Appell an
MINSTER FÜR ÖFFENTLICHE SICHERHEIT DES BUNDESSTAATES RIO DE JANEIRO
José Mariano Beltrame
Praça Cristiano Ottoni, s/nº - Prédio da Central do Brasil
CEP 20221-250 Rio de Janeiro, RJ
BRASILIEN
(Anrede: Dear Secretary / Sehr geehrter Herr Minister)
Fax: (00 55) 21 23349329
E-Mail: secretariodeseguranca@seguranca.rj.gov.br
JUSTIZMINISTER
José Eduardo Cardoso
Esplanada dos Ministérios
Bloco T, Edifício sede
CEP 70064-900 Brasilia, DF
BRASILIEN
(Anrede: Dear Minister / Sehr geehrter Herr Minister)
Fax: (00 55) 61 2025 9556
Sende eine Kopie an
MENSCHENRECHTSORGANISATION
Instituto de Defensores de Direitos Humanos (DDH)
João Tancredo
Avenida Presidente Vargas, 446 / Sala 1205, CEP: 20071-907Rio de Janeiro, RJ
BRASILIEN
Fax: (00 55) 21 2252 6042
(kombinierter Telefon-/Faxanschluss)
E-Mail: ddh@ddh.org.br
BOTSCHAFT DER FÖDERATIVEN REPUBLIK BRASILIEN
I.E. Frau Maria Luiza Ribeiro Viotti
Wallstraße 57
10179 Berlin
Fax: 030–7262 83-20
oder 030–7262 83-21
E-Mail: brasemb.berlim@itamaraty.gov.br oder
brasil@brasemberlim.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Portugiesisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 8. November 2013 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
E-MAILS, LUFTPOSTBRIEFE UND FAXE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Bitte leiten Sie umgehend eine gründliche und unabhängige Untersuchung darüber ein, was mit Amarildo Souza Lima geschehen ist, nachdem ihn die Militärpolizei am 14. Juni festgenommen hat, und bringen Sie die Verantwortlichen, sofern ausreichend zulässiges Beweismaterial vorliegt, nach den internationalen Standards für faire Gerichtsverfahren vor Gericht.
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Bitte stellen Sie sicher, dass PolizeibeamtInnen, die unter Verdacht stehen, in das Verschwindenlassen von Amarildo Souza Lima verwickelt zu sein, während der Ermittlungen vom Dienst suspendiert werden.
Bitte leiten Sie auch bezüglich der Drohungen gegen seine Frau und weitere Familienangehörige Ermittlungen ein und stellen Sie ihnen die erforderlichen Schutzmaßnahmen zur Verfügung. - Ich fordere Sie zudem dazu auf, umgehend umfassende und unabhängige Untersuchungen sämtlicher Vorwürfe von Folter und Misshandlung durch Angehörige der UPP in Rocinha einzuleiten.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Ensure an independent, impartial, thorough investigation into the disappearance of Amarildo Souza Lima with a view to identifying those responsible and, if sufficient admissible evidence is found, bringing them to trial in civilian proceedings which meet international fair trial standards.
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Ensure that any police officers suspected of responsibility for any matters related to his disappearance are suspended during the investigation, and investigate the threats made against his wife and other family members and provide them with protection as needed.
- Urging the federal and state authorities to ensure prompt, independent, impartial and effective investigations into any other allegations of torture or other ill-treatment by military police officers in the UPP Rocinha.
Sachlage
Amarildo Souza Lima wurde zuletzt am 14. Juli gesehen, als er nach seiner Festnahme durch die Militärpolizei für ein Verhör auf die Wache der Polizeieinheit "Unidade de Polícia Pacificadora" (UPP) in Rocinha in Rio de Janeiro gebracht wurde. Die Militärpolizei hat bezüglich seines "Verschwindens" interne Ermittlungen eingeleitet, die Zivilpolizei strafrechtliche Ermittlungen. Die Familie von Amarildo Souza Lima wird über den Fortgang der Ermittlungen jedoch nicht auf dem Laufenden gehalten. Laut AugenzeugInnen, die im Rahmen dieser Ermittlungen vor allem von der Militärpolizei befragt wurden, versuchen die ermittelnden PolizeibeamtInnen das Opfer und seine Familie mit den Handlungen örtlicher krimineller Gruppen in Verbindung zu bringen. Einige AugenzeugInnen erheben den Vorwurf, von Angehörigen der UPP dazu gedrängt worden zu sein, falsche Aussagen zu machen, offenbar in der Absicht, nicht der Polizei, sondern örtlichen Kriminellen die Schuld zuzuschreiben.
Von den 13 PolizeibeamtInnen, die unter dem Verdacht stehen, in das Verschwindenlassen von Amarildo Souza Lima verwickelt zu sein, ist bislang niemand vom Dienst suspendiert worden. Einige von ihnen sind in andere Einheiten versetzt worden. Im August hatte der Menschenrechtsrat von Rio de Janeiro (Conselho Estadual de Defesa dos Direitos Humanos do Rio de Janeiro) über Vorwürfe berichtet, nach denen PolizeibeamtInnen der UPP in Rocinha Gemeindeangehörige gefoltert und bedroht haben sollen. Aufgrund dieser und weiterer Informationen, die Amnesty International Brasilien erhalten hat, befürchten Amnesty International und Amarildo Souza Limas Familie, dass Amarildo Souza Lima nach Folter durch die Polizei möglicherweise gestorben ist. Amarildo Souza Limas Familie und insbesondere seine Ehefrau, Elizabeth Gomes da Silva, haben angegeben, seit seinem Verschwinden von PolizeibeamtInnen der UPP bedroht zu werden.
Hintergrundinformation
Die Unidade de Polícia Pacificadora (UPP) ist eine Polizeieinheit, die in bestimmten Slums in Rio de Janeiro eingesetzt wird. Rocinha ist mit rund 70.000 BewohnerInnen eine der größten Favelas (Slums) in Rio de Janeiro. Sie liegt auf einem steilen Hügel am Rande von São Conrado, einem vornehmen Viertel im Süden der Stadt. Die UPP wird seit September 2012 in Rocinha eingesetzt.
Amarildo Souza Lima lebt seit seiner Geburt in Rocinha. Er arbeitet als Maurer und hat vielen seiner Nachbarn beim Bau ihrer Häuser geholfen.
Seine Frau Elizabeth Gomes da Silva sagte kürzlich in einem Interview: "Die Polizei mochte die von uns eingenommene Haltung nicht. Wie viele Amarildos sind schon gestorben? Wie viele Menschen sind in den Favelas gestorben und ihre Familien haben aus Angst nichts gesagt? Wir haben mit Trillerpfeifen auf uns aufmerksam gemacht, wir haben demonstriert, Straßen blockiert und waren im Fernsehen. Wir schreien und fordern Gerechtigkeit." (Os policiais não gostaram da atitude que a gente tomou. Porque quantos Amarildos já morreram? Quantas pessoas não morreram dentro do morro, e a família não falou nada por medo? A gente botou a boca no trombone, protestou, fechou boca de túnel, entrou ao vivo na TV. Estamos gritando e pedindo justiça").