Todesliste in Umlauf
In der südkolumbianischen Stadt Puerto Asís befinden sich 93 junge Menschen in Gefahr. Ihre Namen stehen auf einer von Paramilitärs veröffentlichten Todesliste. Seit dem 15. August sind drei Männer, deren Namen auf der Liste standen, getötet worden.
Appell an
PRÄSIDENT
Señor Presidente Juan Manuel Santos
Presidente de la República
Palacio de Nariño
Carrera 8 No 7-26, Bogotá
KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Dear President Santos/
Excmo. Sr. Presidente Santos)
Fax: (00 57) 1 337 5890
AUßENMINISTERIN
Sra. Angela María Holguín
Ministerio de Relaciones Exteriores
Calle 10 No 5-51, Palacio de San Carlos
Bogotá
KOLUMBIEN
(korrekte Anrede: Dear Minister/ Estimada Sra. Ministra)
Fax: (00 57) 1 562 7822 oder (00 57) 1 562 7836
Sende eine Kopie an
MENSCHENRECHTSORGANISATION
Minga
Calle 19 # 4-88, Oficina 1203
Bogotá
KOLUMBIEN
BOTSCHAFT DER REPUBLIK KOLUMBIEN
I. E. Frau Dr. Maria Dora Victoriana Mejía Marulanda
Kurfürstenstr. 84
10787 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: info@botschaft-kolumbien.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 22. Oktober 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Ich fordere Sie auf, alles Notwendige zu tun, um die Sicherheit der Frauen und Männer zu gewährleisten, deren Namen auf den zwei Todeslisten von Puerto Asís stehen.
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Ich appelliere an Sie, die vollständige und unparteiische Aufklärung der Morde an Diego Ferney Jaramillo Corredor, Silver Robinson Muñoz und Norbey Álvarez Vargas sowie des versuchten Mordes an einem weiteren Jugendlichen zu veranlassen.
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Veröffentlichen Sie die Ergebnisse und stellen Sie die Verantwortlichen vor Gericht.
- Ich dringe außerdem darauf, dass Sie die paramilitärischen Gruppen umgehend auffordern, die Waffen niederzulegen, entsprechend der von der kolumbianischen Regierung eingegangenen Verpflichtungen und den Empfehlungen der UN und anderer zwischenstaatlicher Organisationen.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Calling on the authorities to do everything necessary to guarantee the safety of the young people named on two "death lists" circulating in Puerto Asís;
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Urging them to order a full and impartial investigation into the killings of Diego Ferney Jaramillo Corredor, Silver Robinson Muñoz and Norbey Álvarez Vargas and the attempted killing of one other youth;
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Calling on them to publish the results and to bring those responsible to justice;
- Urging them to take immediate action to dismantle paramilitary groups, in line with stated government commitments and recommendations made by the UN and other intergovernmental organizations.
Sachlage
Am 15. August wurden Diego Ferney Jaramillo Corredor und Silver Robinson Muñoz auf einer Straße nahe Puerto Asís im Departement Putumayo von einem Motorrad aus erschossen. Für den Tod der jungen Männer werden Paramilitärs verantwortlich gemacht. Zur gleichen Zeit wurde über E-Mail und auf der Social-Network-Seite Facebook eine Liste mit den Namen von 65 jungen Männern in Puerto Asís in Umlauf gebracht. Diese Todesliste, die von Paramilitärs erstellt worden sein soll, enthält eine Warnung an die auf der Liste Genannten, innerhalb von drei Tagen die Stadt zu verlassen. Andernfalls sehe man sich gezwungen, Taten wie in der Nacht des 15. August zu verüben ("nos veremos obligados a realizar actos como lo de la noche del domingo 15 de agosto"). Seit dem 20. August kursiert eine weitere Liste mit den Namen von 31 jungen Frauen aus Puerto Asís. Einige der Betroffenen haben berichtet, nach dem Auftauchen der Liste Drohanrufe erhalten zu haben.
Die Namen von Diego Ferney Jaramillo Corredor und Silver Robinson Muñoz, die am 15. August getötet wurden, standen an erster und zweiter Stelle der Todesliste junger Männer. Am 20. August wurde der 19-jährige Norbey Álvarez Vargas im Bezirk Villa Paz von Puerto Asís von einem Motorrad aus erschossen. Sein Name stand auf der Todesliste junger Männer an dritter Stelle. Etwa zur gleichen Zeit wurde ein weiterer Jugendlicher, dessen Name sich ebenfalls auf der Liste befand, angeschossen.
Einige der auf der Liste Genannten werden verdächtigt, in Kleinkriminalität und Prostitution verwickelt zu sein. Anscheinend soll mit den Drohungen und Morden ein Exempel an ihnen statuiert werden. Andere junge Leute, die auf der Liste genannt werden, sind für ihr Engagement in ihren Gemeinde bekannt. Derzeit liegen Amnesty International keine genauen Informationen zu allen auf der Liste Genannten vor. Trotz der massiven Militär- und Polizeipräsenz in Puerto Asís wurden, so weit Amnesty International bekannt, keine wirksamen Maßnahmen ergriffen, um die Sicherheit der Jugendlichen zu gewährleisten oder die Verantwortlichen zu fassen. Viele der jungen Leute und ihre Familien haben nach den Drohungen Puerto Asís verlassen.
Hintergrundinformation
In den von Armut geprägten Bezirken kolumbianischer Städte werden Jugendliche, besonders bei Verdacht auf Kleinkriminalität, häufig zum Ziel paramilitärischer Todesschwadrone, die entweder allein oder mit geheimer Duldung der Sicherheitskräfte agieren. Auch Guerillakräfte sind in Gebieten, die ihrer militärischen Kontrolle unterstehen, immer wieder für die Ermordung von Kleinkriminellen verantwortlich.
Den jüngsten Drohungen und Morden an jungen Leuten in Puerto Asís war vor einem Monat die Ermordung zweier PolizistInnen vorausgegangen. Die Sicherheitskräfte machen die Guerilla-Gruppe FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) dafür verantwortlich.