Anschlag auf 77-Jährigen

Oliver Igwe, der Vater des Menschenrechtsverteidigers Leo Igwe, wurde am 4. August in seinem Haus von Unbekannten überfallen und so schwer verletzt, dass er ein Auge verlor. Die Polizei weigert sich, den Überfall zu untersuchen. Es besteht offenbar ein Zusammenhang zwischen dem Anschlag und dem Einsatz der Familie Igwe für Gerechtigkeit für ein Vergewaltigungsopfer. Amnesty International befürchtet, dass die Familie weiterhin in Gefahr ist, wenn die Behörden ihr keinen Schutz gewähren.

Appell an

POLIZEICHEF DES BUNDESSTAATES IMO
The Police Commissioner of Imo State
Imo State Police Command
Owerri

Imo State
NIGERIA
(korrekte Anrede: Dear Commissioner)

Sende eine Kopie an

REGIONALER POLIZEICHEF
Divisional Police Officer (DPO)
Ahiazu Mbaise Police Station
Afororu town
Ahiazu Mbaise Local Government Area (LGA)
Imo state
NIGERIA
(korrekte Anrede: Dear Divisional Police Officer

BOTSCHAFT DER BUNDESREPUBLIK NIGERIA
S.E. Herrn Abdul-Kadir Bin Rimdap
Neue Jakobstraße 4
10179 Berlin
Fax: 030-2123 0212
E-Mail: info@nigeriaembassygermany.org

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 24. September 2010 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich fordere Sie auf, umgehend Ermittlungen einzuleiten, um den Anschlag auf Oliver Igwe vom 4. August aufzuklären, die Ergebnisse zu veröffentlichen und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.

  • Stellen Sie sicher, dass in Abstimmung mit Familie Igwe umgehend Maßnahmen eingeleitet werden, um die Betroffenen vor Drohungen und Drangsalierungen zu schützen.

  • Ich fordere Sie außerdem auf, die fortgesetzten Schikanen gegen Familie Igwe zu untersuchen.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Urging the police to immediately open an investigation into the attack against Oliver Igwe on 4 August, with the results made public and those responsible brought to justice;

  • Calling on the police to take immediate action to protect the Igwe family from threats and harassment, in accordance with the wishes of those at risk;

  • Calling on the police to investigate the continuing harassment of the Igwe family.

Sachlage

Am 4. August drangen gegen Mitternacht zwei Unbekannte in das Haus von Oliver Igwe im Bundesstaat Imo im Süden Nigerias ein. Sie verbanden dem 77-Jährigen die Augen und schlugen mit Steinen auf ihn ein, so dass er schwere Verletzungen an Kopf und Gesicht erlitt. Ihm musste am 11. August ein Auge entfernt werden. Derzeit befindet sich Oliver Igwe im Krankenhaus. Seine Ehefrau, die zum Zeitpunkt des Anschlags anwesend war und sich kurz zuvor einer Herzoperation unterzogen hatte, blieb unverletzt. Allerdings wurde das Haus verwüstet und einige Wertgegenstände gestohlen. Obwohl das Ehepaar den Überfall bei der Polizei meldete, kam diese nicht zu dessen Haus und hat sich bislang auch geweigert, eine Untersuchung einzuleiten. Sie forderte den Sohn des Ehepaares, Leo Igwe, auf, schriftlich die Einleitung von Ermittlungen zu beantragen.

Seit Januar 2007 setzt sich Familie Igwe dafür ein, dass die 2006 verübte Vergewaltigung eines zehnjährigen Mädchens aufgeklärt wird. Amnesty International geht davon aus, dass der Anschlag auf Oliver Igwe der jüngste einer Serie von Vorfällen war, mit denen die Familie dazu gezwungen werden soll, ihr Engagement für das Mädchen einzustellen.

Seitdem sich die Familie für Gerechtigkeit für das Mädchen einsetzt, ist die Polizei immer wieder aufgefordert worden, Angehörige der Familie Igwe und Familienangehörige des Mädchens festzunehmen. Zudem wurden mehrere Zivilklagen bei Gericht eingereicht. Sowohl die Polizei als auch der Staatssicherheitsdienst SSS haben mehrfach Angehörige der Familie Igwe vorgeladen, festgenommen, inhaftiert und verhört. Wiederholt wurden Angehörige beider Familien auf Polizeiwachen mehrere Stunden festgehalten. Familie Igwe hat nach eigenen Angaben seit 2007 der Polizei über 100.000 Naira (ca. 520 Euro) als "Kaution" bezahlt. In Nigeria gehen die Kautionszahlungen jedoch an die Gerichte, nicht an die Polizei.

Amnesty International vertritt die Auffassung, dass der Anschlag auf Oliver Igwe und die wiederholten Schikanierungen der Familie Igwe darauf abzielen, Leo Igwe, seine Familie und ZeugInnen einzuschüchtern und zu bedrohen, um die Aufmerksamkeit von dem Vergewaltigungsfall abzulenken.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Im Jahr 2007 hat der Menschenrechtler und Vorsitzender der Organisation "Nigerian Humanist Society", Leo Igwe, in mehreren Schreiben an die Polizei kritisiert, dass die Vergewaltigung eines zehnjährigen Mädchens im Jahr 2006 nicht untersucht wurde und stattdessen das Mädchen sowie seine Familie und BewohnerInnen der Gemeinde im Zusammenhang mit dem Fall eingeschüchtert wurden.
Seit 2007 ist Oliver Igwe mindestens neun Mal vorgeladen bzw. festgenommen worden. Er wurde auf drei Polizeiwachen festgehalten und verhört. Leo Igwe und seine drei Brüder wurden mindestens vier Mal vorgeladen bzw. festgenommen und dann inhaftiert und verhört.

In Artikel 1 der UN-Erklärung zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern heißt es: "Jeder Mensch hat, einzeln und in Gemeinschaft mit anderen, das Recht, den Schutz und die Umsetzung der Menschenrechte und Grundfreiheiten auf nationaler und internationaler Ebene zu fördern und hiernach zu streben." Artikel 9 Punkt 3c) garantiert das Recht, professionellen und qualifizierten Rechtsbeistand oder anderen Rat und Unterstützung zur Verteidigung der Menschenrechte und Grundfreiheiten anzubieten und zur Verfügung zu stellen.