NGO-Mitarbeiter_innen in Gefahr

Guatemala

Guatemala

Die Büroräume der internationalen Organisation Impunity Watch in Guatemala sind am 21. Juni von unbekannten Bewaffneten durchsucht worden. Es müssen sofort Schutzmaßnahmen für die Mitarbeiter_innen der NGO ergriffen werden!

Appell an:

PRÄSIDENT
James Morales Cabrera
Casa Presidencial
6 a. Avenida, 4-18 zona 1
Ciudad de Guatemala
GUATEMALA
(Anrede: Dear President / Estimado Sr. Presidente / Sehr geehrter Herr Präsident)
Fax: (00 502) 221 442 3
Twitter: @jimmymoralesgt

OMBUDSMANN FÜR MENSCHENRECHTE
Jorge Eduardo De León Duque
Procuraduría de derechos humanos
12 Avenida 12-54, zona 1
Ciudad de Guatemala
GUATEMALA
(Anrede: Dear Ombudsman / Estimado Sr. Procurador / Sehr geehrter Ombudsmann)
Fax: (00 502) 238 173 4
E-Mail: gmasariegos@pdh.org.gt
Twitter: @PDHgt

Sende eine Kopie an:

NGO
Impunity Watch
E-Mail: iw-guatemala@impunitywatch.org

BOTSCHAFT DER REPUBLIK GUATEMALA
S. E. Herrn Carlos Jiménez Licona
Joachim-Karnatz-Allee 45-47, 2. OG.
10557 Berlin
Fax: 030-2064 3659
E-Mail: sekretariat@botschaft-guatemala.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 4. August 2016 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

FAXE, LUFTPOSTBRIEFE, TWITTER-NACHRICHTEN ODER E-MAILS MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich bitte Sie eindringlich, unverzüglich angemessene und umfassende Schutzmaßnahmen für die Mitarbeiter_innen von Impunity Watch in Übereinstimmung mit deren Wünschen zu ergreifen.

  • Leiten Sie bitte eine unabhängige, sorgfältige und unparteiische Untersuchung der Durchsuchung der Büroräume von Impunity Watch ein und stellen Sie die Verantwortlichen vor Gericht.

  • Ich möchte Sie zudem darum bitten, sicherzustellen, dass alle Parteien, die an Verfahren im Zusammenhang mit Menschenrechtsverstößen beteiligt sind, die während des internen bewaffneten Konflikts begangen wurden, ihrer Arbeit ohne Angst vor Vergeltungsmaßnahmen nachgehen können.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling on authorities to implement full and appropriate protection to the staff of Impunity Watch, in accordance with their wishes.

  • Urging them to carry out an independent, thorough and impartial investigation into the raiding of Impunity Watch´s offices and bring those responsible to justice.

  • Reminding them to ensure that all parties involved with cases of human rights violations committed during the armed conflict can carry out their work without fear of reprisal.

Sachlage

Am 21. Juni um kurz nach 17 Uhr sind drei bewaffnete und maskierte Männer in die Büroräume der internationalen Organisation Impunity Watch in Guatemala eingedrungen. Laut Mitarbeiter_innen der Organisation zwangen die Männer eine Sekretärin, die das Büro gerade verlassen wollte, die Tür zu öffnen, verbanden ihr anschließend die Augen, klebten ihr den Mund zu und durchsuchten die Räumlichkeiten. Die Männer schrien „Wo sind die Akten?“ und verlangten nach den „Akten des fetten Anwalts“. Als es an der Tür des Büros klingelte, flohen die Eindringlinge.

Der Angriff auf Impunity Watch fand zwei Tage vor einem geplanten Gerichtstermin im Fall von Marco Antonio Molina Theissen statt. Der Jugendliche war 1981 während des internen bewaffneten Konflikts in Guatemala „verschwunden“, nachdem bewaffnete Männer ihn aus seinem Haus mitgenommen hatten. Alejandro Rodríguez, ein Mitarbeiter von Impunity Watch, vertritt die Familie von Marco Antonio Molina Theissen vor Gericht.

Die Sekretärin wurde laut Sprecher_innen von Impunity Watch nicht verletzt. Ob Akten entwendet wurden, ist noch nicht klar, die Organisation gab jedoch an, dass die Akten zum Fall von Marco Antonio Molina Theissen nicht im Büro von _Impunity Watch_aufbewahrt werden.

Im Januar 2016 wurden vier ehemalige Militärangehörige im Zusammenhang mit dem Fall von Marco Antonio Molina Theissen festgenommen und angeklagt. Am 23. Juni sollte ein Gerichtstermin bezüglich der Sicherungsverwahrung der Angeklagten stattfinden. Der Termin wurde dann jedoch verschoben, damit der Fall an ein Hochsicherheitsgericht verwiesen werden kann. Alejandro Rodríguez hat angegeben, dass Familienangehörige von Marco Antonio Molina Theissen online drangsaliert werden.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Impunity Watch arbeitet in Guatemala seit vielen Jahren zu Menschenrechtsverstößen, die während des internen bewaffneten Konflikts zwischen 1960 und 1996 begangen wurden.

Laut einer von den Vereinten Nationen unterstützten Wahrheitskommission sind während des Konflikts etwa 200.000 Menschen getötet worden oder „verschwanden“. Mehr als 80 Prozent von ihnen waren Angehörige der indigenen Gemeinschaft der Maya. Im Verfahren gegen den ehemaligen Oberbefehlshaber der guatemaltekischen Streitkräfte, José Efraín Ríos Montt, der wegen Genozids und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt ist, ist es bereits mehrfach zu Verzögerungen gekommen.

Im Februar 2016 erging ein historisches Urteil gegen zwei ehemalige Angehörige des guatemaltekischen Militärs. Die beiden Männer wurden wegen ihrer Beteiligung an sexuellen Gewalttaten gegen elf indigene Frauen auf einem Militärstützpunkt und deren Versklavung während des internen Konflikts in Guatemala verurteilt. Anfang Juni 2016 entschied das Hochsicherheitsgericht A in Guatemala-Stadt, dass sich acht ehemalige Militärangehörige vor Gericht verantworten müssen. Sie sind im Zusammenhang mit Fällen des Verschwindenlassens und Tötungsdelikten angeklagt, die auf einem Militärstützpunkt in der Region Alta Verapaz im Norden des Landes begangen wurden. Diese Verfahren und das Verfahren zum Fall von Marco Antonio Molina Theissen sind ein vielversprechendes Zeichen dafür, dass das Land neue Schritte ergreift, um Gerechtigkeit herzustellen. Impunity Watch unterstützt die Opfer in einigen dieser prominenten Fälle.

Die Verfahren polarisieren einen Großteil der Gesellschaft in Guatemala und haben zu öffentlichen Protesten von Unterstützer_innen des Militärs geführt. Lokale Menschenrechtsorganisationen geben an, dass Personen, die an den Verfahren beteiligt sind oder diese unterstützen, bedroht und drangsaliert werden.

Generalstaatsanwältin Thelma Aldana ist für die meisten dieser Fälle verantwortlich und setzt sich offensiv gegen Korruption auf höchster Ebene in Guatemala ein. Auch sie ist zum Ziel intensiver öffentlicher Kritik geworden. Am 20. Juni hat sie über Facebook erklärt, dass sie zum ersten Mal in ihrer Amtszeit Angst um ihre Sicherheit habe.