Oppositioneller entführt

Nazrul Islam, Mitglied einer bangladeschischen Oppositionspartei, ist Berichten zufolge am 12. April aus seinem Haus in Saheb Parha im nördlich von Bangladesch gelegenen Bezirk Joypurhat entführt worden. Seine EntführerInnen erklärten der Familie des Oppositionellen, sie gehörten „zur Regierung“. Seitdem fehlt jede Spur von Nazrul Islam. Es wird befürchtet, dass er an einen unbekannten Ort gebracht worden ist und ihm nun Folter oder eine außergerichtliche Hinrichtung drohen.

Amnesty fordert:

E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Bitte leiten Sie umgehend Untersuchungen der mutmaßlichen Entführung von Nazrul Islam ein und veröffentlichen Sie die Ergebnisse dieser Untersuchungen.

  • Ich bitte Sie sicherzustellen, dass die Sicherheit von Nazrul Islam gewährleistet wird und er weder Folter noch unmenschlicher Behandlung ausgesetzt wird, falls sich herausstellt, dass er sich in Gewahrsam der Behörden befindet.

  • Sollte sich herausstellen, dass sich Nazrul Islam in Gewahrsam der Behörden befindet, bitte ich Sie eindringlich, ihn freizulassen, wenn er nicht einer anerkannten Straftat angeklagt wird.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling on the authorities to launch an immediate investigation into the alleged abduction of Nazrul Islam, and to publish the conclusions of that investigation.

  • Seeking assurances that Nazrul Islam’s physical safety will be protected and that he will not be subjected to torture or other inhumane treatment should he be found to be in the custody of the authorities.

  • Calling on the authorities to ensure that, if it is established that Nazrul Islam has been detained by the authorities, that he be released unless he is charged with a recognizably criminal offence.

Sachlage

Nazrul Islam ist in Joypurhat Bezirkssekretär von Jamaat-e-Islami, einer bangladeschischen politischen Partei, die gegenwärtig Teil eines Oppositionsbündnisses ist. Nach Angaben von Nazrul Islams Familienangehörigen und Mitgliedern von Jamaat-e-Islami, sind Männer in Zivilkleidung, die sich als „zur Regierung Gehörige“ ausgaben, in der Nacht vom 11. auf den 12. April in das Haus von Nazrul Islam gekommen und nahmen ihn in einem Kleinbus mit. Seine Familie meldete den Vorfall bei der örtlichen Polizei und machte den Bezirksvorsteher und den Polizeichef auf den Fall aufmerksam.

Dennoch berichten lokale Medien, dass der Polizeichef von Joypurhat, Hamidul Alam, abstreite, dass Angehörige der Polizei oder des Schnellen Einsatzbataillons (Rapid Action Battalion), einer Sondereinheit, die an zahlreichen Mordfällen beteiligt gewesen sein soll, Nazrul Islam inhaftiert zuhaben. Seine Familie glaubt, dass er wegen seiner politischen Aktivitäten entführt wurde. Seit seiner Festnahme fehlt jede Spur von ihm. Nazrul Islams Aufenthalt ist immer noch unbekannt und er ist in Gefahr, gefoltert oder außergerichtlich hingerichtet zu werden.

Appell an:

INNENMINISTER
Muhiuddin Khan Alamgir
Ministry of Home Affairs
H-16, R-25, B-A
Banani, Dhaka-1213
BANGLADESCH
(Anrede: Dear Home Minister / Sehr geehrter Herr Minister)
Fax: (00 880) 2 7164788
E-Mail: mkalamgir@yahoo.com oder minister@mha.gov.bd

POLIZEICHEF
Mr Hassan Mahmud Khandker
Bangladesh Police HQ
Dhaka-1000
BANGLADESCH
Fax: (00 880) 2 7125840
E-Mail: ig@police.gov.bd

Sende eine Kopie an:

PREMIERMINISTERIN
Sheikh Hasina
Prime Minister's Office
Old Sangsad Bhaban
Tejgaon, Dhaka-1215
BANGLADESCH
(Anrede: Dear Prime Minister / Sehr geehrte Frau Premierministerin)
Fax: (00 880) 2 811 3244
E-Mail: pm@pmo.gov.bd oder ps1topm@pmo.gov.bd oder psecy@pmo.gov.bd

BOTSCHAFT DER VOLKSREPUBLIK BANGLADESCH
S. E. Herrn Mohammad Nazrul Islam
Dovestraße 1, 5. Etage
10587 Berlin
Fax: 030-3989 7510
E-Mail: info@bangladeshembassy.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Bengalisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 15. Juli 2013 keine Appelle mehr zu verschicken.

Hintergrundinformation

Hintergrund

In den vergangenen Jahren kommen Berichte über das Verschwindenlassen in den bangladeschischen Medien immer häufiger auf. Bangladeschische Menschenrechtsorganisationen haben zahlreiche solcher Fälle untersucht und darüber berichtet. Allein aus dem Jahr 2012 liegen Amnesty International Berichte über mindestens zehn Fälle des Verschwindenlassens vor.

Die Entführungen folgen einem klaren Muster. Meist werden sie von in Zivil gekleideten Personen durchgeführt, die sich vor ZeugInnen als Sicherheitskräfte ausweisen. Danach hört man nichts mehr von den Entführten – darunter bis jetzt ausschließlich Männer. In manchen Fällen, meist wenn bei der Entführung keine ZeugInnen anwesend waren, findet man den Leichnam des Betroffenen an einem anderen Ort als dem der Entführung.

Die meisten Entführten sind offenbar Mitglieder von oppositionellen Parteien, doch auch Personen ohne politische Zugehörigkeit sind entführt worden. Familien glauben, dass die Polizei für die Entführungen verantwortlich sei. Das Muster der offiziellen Reaktionen scheint diesen Verdacht zu bestärken. Die Polizei streitet ab, etwas damit zu tun zu haben, doch versäumen sie es jedes Mal, aufzudecken, was passiert ist und wer für die Entführungen verantwortlich ist. Von der Polizei liegen keine Berichte einer glaubwürdigen Untersuchung dieser oder anderer Entführungen vor.

Der Gewerkschaftsführer Aminul Islam „verschwand“ am 4. April 2012. Am nächsten Tag wurde seine Leiche in der Stadt Ghatail nördlich der Hauptstadt Dhaka aufgefunden. Seine Familie entdeckte Folterspuren an seinem Körper und vertrat die Auffassung, dass er von Sicherheitskräften entführt worden war. Er war zuvor schon einmal von MitarbeiterInnen des Geheimdienstes wegen seiner gewerkschaftlichen Aktivitäten festgenommen und geschlagen worden.