Menschenrechtlerin in Gefahr
Berenice Celeyta Alayón
© Amnesty International
Unbekannte haben die Menschenrechtsverteidigerin Berenice Celeita beobachtet und fotografiert, nachdem sie von einer Reise in die USA und nach Kanada zurückgekommen war. Dort hatte sie auf Menschenrechtsverletzungen in Kolumbien aufmerksam gemacht.
Appell an
PRÄSIDENT
Juan Manuel Santos
Presidente de la República
Casa de Nariño
Calle 7. No 6-54, Bogotá
KOLUMBIEN
(Anrede: Dear President Santos / Excmo. Sr. Presidente Santos / Sehr geehrter Herr Präsident)
Fax: (00 57) 1 596 0631
VERTEIDIGUNGSMINISTER
Señor Luis Carlos Villegas
Ministerio de Defensa
Carrera 54, no.26-29, Bogotá
KOLUMBIEN
(Anrede: Dear Minister / Sr. Ministro / Sehr geehrter Herr Minister)
Fax: (00 57) 1 266 1003
Sende eine Kopie an
MENSCHENRECHTSORGANISATION
NOMADESC
Carrera 9 No 4-53
Barrio San Antonio, Cali
KOLUMBIEN
BOTSCHAFT DER REPUBLIK KOLUMBIEN
S. E. Herrn Juan Mayr Maldonado
Taubenstr. 23
10117 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: info@botschaft-kolumbien.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 7. August 2015 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
-
Ich bin sehr besorgt um die Sicherheit von Berenice Celeita und weiteren Mitgliedern der Menschenrechtsorganisation NOMADESC. Leiten Sie bitte in enger Absprache mit ihnen wirksame Schutzmaßnahmen für sie ein.
-
Führen Sie bitte eine vollständige und unparteiische Untersuchung zu den Vorfällen in der Nacht vom 20. zum 21. Juni durch, veröffentlichen Sie die Ergebnisse und stellen Sie die Verantwortlichen vor Gericht.
- Ich möchte Sie daran erinnern, dass Kolumbien Vertragsstaat der UN-Erklärung zum Schutz von Menschenrechtsverteidiger_innen aus dem Jahr 1998 ist und Sie somit die Pflicht haben, sicherzustellen, dass Menschenrechtler_innen ihre Aufgaben ohne Angst ausüben können.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
-
Expressing concern for the safety of Berenice Celeita and other members of NOMADESC and calling on the authorities to ensure protection measures for them in strict accordance with their wishes.
-
Urging the authorities to order full and impartial investigations into the incidents, publish the results and prosecute those responsible.
- Reminding the authorities to fulfil their obligations to ensure human rights defenders can carry out their work without fear, as laid out in the 1998 UN Declaration on Human Rights Defenders.
Sachlage
Berenice Celeita (auch Celeyta geschrieben) ist die Vorsitzende der Menschenrechtsorganisation Asociación para la Investigación y Acción Social (NOMADESC), die im Südwesten Kolumbiens aktiv ist und ihren Sitz in der Stadt Cali hat. Vom Abend des 20. Juni bis zum frühen Morgen des 21. Juni parkte ein Auto vor ihrem Haus in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá. Von einem Fenster aus konnte sie beobachten, dass die beiden Personen, die vorne saßen, Fotos von ihrem Haus machten. Sie benachrichtigte die örtliche Polizei über den Vorfall, woraufhin die Unbekannten sofort wegfuhren.
Berenice Celeita war kurz vor diesem Vorfall von einer Reise in die USA und nach Kanada zurückgekehrt, wo sie auf Menschenrechtsverletzungen in Kolumbien aufmerksam gemacht hatte. Unter anderem sprach sie dort über die sehr schlechte Menschenrechtslage in Buenaventura und darüber, wie wichtig es sei, dass internationale Wirtschaftsakteure und andere Instanzen zur Rechenschaft gezogen werden, die für schwerwiegende Menschenrechtsverstöße während des lang anhaltenden bewaffneten Konflikts in Kolumbien verantwortlich sind bzw. Nutzen daraus gezogen haben.
In der Vergangenheit sind Menschenrechtsverteidiger_innen, die von Angehörigen der Sicherheitskräfte und anderen Personen überwacht worden sind, anschließend häufig zu Opfern tätlicher Angriffe geworden. Gegen Mitglieder der Menschenrechtsorganisation NOMADESC sind in den vergangenen Jahren bereits mehrfach Morddrohungen ergangen.
Hintergrundinformation
Während des lang anhaltenden bewaffneten Konflikts in Kolumbien bezeichnen Sicherheitskräfte und Paramilitärs Mitglieder von Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaften und anderen sozialen Organisationen
häufig als Kollaborateur_innen oder Unterstützer_innen von Guerillagruppen. In der Folge werden diese oftmals bedroht, verschleppt oder getötet. Auch Guerillagruppen bedrohen und töten immer wieder Menschenrechtsverteidiger_innen, von denen sie glauben, dass sie auf der Seite ihrer Gegner_innen stehen.
Berenice Celeita und weitere Mitglieder der NOMADESC sind in den vergangenen Jahren bereits mehrfach bedroht worden. NOMADESC setzt sich für Gerechtigkeit in Fällen schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen wie außergerichtlichen Hinrichtungen ein. Die Menschenrechtsorganisation arbeitet zudem eng mit afro-kolumbianischen, indigenen und kleinbäuerlichen Gemeinschaften zusammen, die im Rahmen von groß angelegten Wirtschaftsvorhaben, u. a. in den Bereichen Bergbau, Wasserkraft und Agrarindustrie, zum Opfer von schweren Menschenrechtsverletzungen durch Angehörige paramilitärischer Gruppierungen und der Sicherheitskräfte geworden sind.
Buenaventura ist eine wichtige Hafenstadt an der kolumbianischen Pazifikküste im Departamento Valle del Cauca, in der derzeit einige große Infrastrukturprojekte entstehen. Paramilitärische Gruppen sind dort nach wie vor stark vertreten und können trotz eines großen Aufgebots an Sicherheitskräften agieren. Seit einiger Zeit wird aus der Stadt über Tötungen, Vertreibungen und Fälle von Verschwindenlassen berichtet. Die Leichen werden dann oftmals an unbekannten Orten vergraben oder ins Meer geworfen, so dass der Verbleib vieler Opfer nie aufgeklärt wird.
Trotz der starken Präsenz an Sicherheitskräften, können Paramilitärs in Buenaventura weitgehend ungehindert agieren. Zeug_innen geben an, dass die Sicherheitskräfte die Identität der Paramilitärs kennen und wissen, wo deren Anführer_innen leben, aber dennoch nicht entschieden gegen sie vorgehen. Berichten zufolge kennen die Behörden zudem die Häuser, in denen die Paramilitärs ihre Opfer töten sowie die Orte, an denen sie die Leichen vergraben.