Morddrohungen gegen Dorfvorsteher_innen
Thailand
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Professionelle Schützen sollen engagiert worden sein, um sechs Männer und zwei Frauen, die mit der Organisation Khon Rak Ban Koed im Bezirk Wangsaphung im Nordosten Thailands in Verbindung stehen, anzugreifen und möglicherweise gar zu töten.
Appell an
LEITER DES NATIONALEN RATES FÜR FRIEDEN UND ORDNUNG
Gen. Prayuth Chan-ocha
Royal Thai Army Headquarters
Rachadamnoen Nok Road,
Bangkok 10200, THAILAND
(Anrede: Dear General / Sehr geehrter General)
Fax: (00 66 2) 226 1838
E-Mail: prforeign@gmail.com
UMWELTMINISTER
Ministry of National Resources and Environment
Pollution Control Department Building
92 Phohol Yothin soi 7
Phohol Yothin Road, Phayathai
Bangkok 10400, THAILAND
(Anrede: Dear Minister / Sehr geehrter Herr Minister)
Fax: (00 66) 2 278 8545
E-Mail: rungtip.t@mnre.mail.go.th
POLIZEIPRÄSIDENT
Watcharapol Prasarnrajkit
Royal Thai Police
1st Bldg, 7th Floor Rama I, Patumwan
Bangkok 10330, THAILAND
Fax: (00 66) 2 205 3738
(Anrede: Dear Commissioner General / Sehr geehrter Polizeipräsident)
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DES KÖNIGREICHS THAILAND
I.E. Frau Nongnuth Phetcharatana,
Lepsiusstr. 64-66
12163 Berlin
Fax: 030-7948 1511
030-7948 1251
E-Mail: general@thaiembassy.de oder thaibln@thaiembassy.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Thailändisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 14. Juli 2014 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Nach Berichten über Angriffe und Drohungen gegen acht Personen, die mit der Organisation Khon Rak Ban Koed in Verbindung stehen und die das Ziel eines geplanten Angriffs im Bezirk Wangsaphung sein sollen, sowie gegen andere Dorfbewohner_innen in der Region mache ich mir große Sorgen um ihre Sicherheit. Bitte stellen Sie ihnen entsprechend ihren Wünschen und unter Berücksichtigung ihrer Rechte wirksamen Schutz zur Verfügung und gewährleisten Sie ihre Sicherheit.
- Bitte leiten Sie eine unabhängige Untersuchung des Angriffs und der Drohungen gegen die Dorfbewohner_innen ein und stellen Sie sicher, dass Verdächtige in fairen Prozessen gemäß internationalen Standards vor Gericht gestellt werden.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Expressing concern for the safety of eight persons associated with the Khon Rak Ban Koed group, believed to be the target of a plan of attack in Wangsaphung District, and other villagers in the area following reports of attacks and threats against them, and demanding that they be provided with effective protection in consultation with them and with due regard to their rights, and their safety guaranteed.
- Urging the authorities to initiate an independent investigation into the attack and threats against villagers and ensure that suspected perpetrators are brought to trial in proceedings that meet international standards for fairness.
Sachlage
Seit die Anschuldigungen bezüglich weiterer geplanter Angriffe auf sie ans Licht gekommen sind, fürchten die Dorfbewohner_innen um ihre Sicherheit und berichten von anhaltenden Einschüchterungen. Am 31. Mai stand eine Gruppe von fünf oder sechs bewaffneten Männern, deren Identität nicht bekannt ist, inmitten von Kautschukbäumen direkt vor dem Haus einer Sprecherin des Dorfes Nanongbong. Am Abend des 1. Juni hörte man hinter eben diesem Haus Schüsse. Am 31. Mai umfuhr ein schwarzer Pick-up das Dorf Fakhuay.
Es besteht große Sorge um die Sicherheit der 700 Bewohner_innen des Dorfes Nanongbong im Nordosten Thailands, seit es am 15. Mai von mindestens 100 unbekannten bewaffneten Männern angegriffen wurde. Einige der Dorfbewohner_innen wurden während des Vorfalls etwa sechs Stunden lang festgehalten und immer wieder angegriffen. Der Angriff soll mit dem Widerstand gegen den geplanten Ausbau einer örtlichen Goldmine zusammenhängen. Unter den Festgehaltenen befanden sich die führenden Mitglieder der Organisation Khon Rak Ban Koed (Menschen, die das Land schützen), die die Auswirkungen der Goldmine beobachtet und sich gegen die geplante Erweiterung einsetzt. Dem Angriff gingen Berichte über zunehmende Drohungen und Einschüchterungen gegen die Dorfbewohner_innen Nanongbongs voraus. Es ist davon auszugehen, dass der Angriff eine Reaktion auf ihre Aktivitäten gegen die Minenerweiterung ist.
Hintergrundinformation
Dorfbewohner_innen aus Nanongbong berichteten, dass am 15. Mai um 22 Uhr mindestens 100 mit Schusswaffen, Metallstöcken und Messern bewaffnete Männer in das Dorf im Bezirk Wangsaphung in der Provinz Loei eindrangen. Die Männer griffen einen Kontrollpunkt der Dorfbewohner_innen an, der LKWs daran hindert, die nahegelegene Goldmine Phutahpfa anzufahren. Rund 30 Dorfbewohner_innen wurden gezwungen, an Händen und Füßen gefesselt etwa sechs Stunden auf dem Bauch zu liegen. Während dieser Zeit rissen die Eindringlinge eine Schranke nieder, die die Dorfbewohner_innen errichtet hatten, um die Zufahrt zur Goldmine zu blockieren, und ein LKW-Konvoi transportierte Material von der Mine ab. Die Eindringlinge attackierten die Dorfbewohner_innen und bedrohten sie mit Waffengewalt, bis sie schließlich gegen 4.30 Uhr das Dorf wieder verließen. Bislang ist nicht bekannt, wer die bewaffneten Eindringlinge waren; einige sollen maskiert gewesen sein. Der Leiter der Polizeiwache von Wangsaphung hat mitgeteilt, dass die Polizei den Angriff untersuchen, die Täter zur Verantwortung ziehen und eine interne Ermittlung zum unzureichenden Eingreifen der Polizei einleiten werde.
Das die Goldmine betreibende Unternehmen Tungkum Limited hat Strafanzeige erstattet und eine Zivilklage gegen die Dorfbewohner_innen einschließlich einer Entschädigungsforderung von rund 270 Millionen thailändischen Baht (etwa 6 Millionen Euro) eingereicht. Das Unternehmen schürft Gold und gehört mehrheitlich der Tongkah Harbour Public Company Limited. Urteil und Schiedsspruch werden am 3. Juni 2014 erwartet.
Amnesty International ist seit langem um die Sicherheit von Umweltschützer_innen in Thailand besorgt. Seit 2002 sind etwa 16 Aktivist_innen getötet worden und sie werden in Verbindung mit ihren Aktivitäten regelmäßig bedroht und eingeschüchtert.