In Lebensgefahr
Nicolás Disla wurde am 28. März 2009 in der Hauptstadt Santo Domingo widerrechtlich von Polizeibeamten getötet. Zwei Tage später versuchte einer der beiden vermeintlich verantwortlichen Polizisten auf Nicolás Dislas Beerdigung dessen Bruder Juan Carlos Disla umzubringen. Juan Carlos Disla und andere Angehörige der Familie sind in großer Gefahr.
Appell an
GENERALSTAATSANWALT
Sr. Radhamés Jiménez Peña
Procurador General de la República
Palacio de Justicia,
Ave. Jiménez Moya esq. Juan Ventura Simón,
Centro de los Heroes,
Constanza, Maimón y Estero Hondo,
Santo Domingo
DOMINIKANISCHE REPUBLIK
(korrekte Anrede: Estimado Señor Jiménez/Dear Sir)
Fax: (001) 809 533 4098
INNENMINISTER
Sr. Franklin Almeyda Rancier
Secretario de Estado del Interior y la Policía
Ave. México, Esq. Leopoldo Navarro,
Edif. Oficinas Gubernamentales,
Santo Domingo
DOMINIKANISCHE REPUBLIK
(korrekte Anrede: Señor Secretario/Dear Sir)
Fax: (001) 809 685 1194
Sende eine Kopie an
MENSCHENRECHTSORGANISATION
Comision Nacional de Derechos Humanos
Av. Ortega y Gasset 200, Cristo Rey, Santo Domingo,
DOMINIKANISCHE REPUBLIK
Email: cndhrd@hotmail.com
BOTSCHAFT DER DOMINIKANISCHEN REPUBLIK
S.E. Herrn Herr Pedro Luciano Verges Ciman
Dessauer Straße 28 – 29,
10963 Berlin
Fax: 030-2575 7761
E-Mail: embajadomal@t-online.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 15. Mai 2009 keine Appelle mehr zu verschicken.
PLEASE SEND APPEALS TO ARRIVE AS QUICKLY AS POSSIBLE, IN SPANISH OR YOUR OWN LANGUAGE:
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calling on the authorities to order an immediate, thorough and independent investigation into the attempted murder of Juan Carlos Disla by a police officer, publish the results and bring those responsible to justice;
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urging the authorities to act immediately to ensure the safety of Juan Carlos Disla and his family, in accordance with their wishes;
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calling on the authorities to immediately, and independently investigate the murder of Nicolás Disla by police officers, publish the results and ensure those responsible are brought to justice;
- calling on the authorities to act urgently to halt unlawful police killings in the Dominican Republic and bring an end to the impunity surrounding them.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE, IN DENEN SIE
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die Behörden auffordern, unverzüglich eine umfassende und unparteiische Ermittlung hinsichtlich des versuchten Mordes an Juan Carlos Disla durch einen Polizeibeamten einzuleiten, die Ergebnisse zu veröffentlichen und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen;
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bei den Behörden darauf dringen, gemeinsam mit Juan Carlos Disla und seiner Familie und in Absprache mit ihnen sofortige Maßnahmen zu ihrem Schutz einzuleiten;
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die Behörden auffordern, unverzüglich eine unparteiische Ermittlung hinsichtlich des Mordes an Nicolás Disla durch Polizeibeamte einzuleiten, die Ergebnisse zu veröffentlichen und sicherzustellen, dass die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden;
- die Behörden auffordern, umgehend Maßnahmen zur Beendigung von widerrechtlichen Tötungen durch die Polizei in der Dominikanischen Republik zu ergreifen und die Straffreiheit, die sie genießen, zu beenden.
Sachlage
Am 28. März um 13:00 Uhr ging Nicolás Disla eine vielbefahrene Straße im Stadtteil Cristo Rey von Santo Domingo entlang, als ihn drei Polizeibeamte aus einem Streifenwagen heraus aufforderten, stehen zu bleiben. Augenzeugen-berichten zufolge war Nicolás Disla unbewaffnet und kam der Aufforderung nach. Trotzdem schoss ihm einer der Beamten zweimal in die Beine. Die Polizisten legten dem verletzt auf dem Boden Liegenden Handschellen an und fuhren davon. Seine Familienangehörigen wurden über den Vorfall informiert und eilten ins Krankenhaus. Dort erfuhren sie, dass man Nicolás Disla eingeliefert hatte, er bei der Einlieferung jedoch bereits tot war. Er war zusätz-lich auch noch in den Bauch geschossen worden.
Am Morgen des 30. März wurde Nicolás Disla auf dem örtlichen Friedhof beerdigt. Zwei der vermeintlich für seine Tötung verantwortlichen Polizeibeamten erschienen auf dem Friedhof, mit dem selben Streifenwagen, den sie zwei Tage zuvor gefahren hatten. Einer der Polizisten stieg aus und ging auf Juan Carlos Disla zu. Ein Augenzeuge hörte den Polizisten sagen: "Keine Bewegung, oder du bist der nächste!" ("Quedate quieto o serás el segundo"). Daraufhin richtete der Beamte seine Waffe auf Juan Carlos Disla und drückte ab, doch die Waffe blockierte. Der Polizist lief daraufhin weg. Einige der Trauergäste verfolgten ihn, doch er entkam und der Streifenwagen fuhr davon.
Sowohl dieser Vorfall als auch der Mord an Nicolás Disla wurde der Polizei angezeigt. Amnesty International liegen keine Informationen dazu vor, ob eine Ermittlung eingeleitet wurde.
Hintergrundinformation
Laut Angaben der dominikanischen Nichtregierungsorganisation Nationale Menschenrechtskommission (Comision Nacional de Derechos Humanos), wurden im Jahr 2008 in der Dominikanischen Republik 500 Personen von der Polizei getötet. Für die letzten 10 Jahre beläuft sich diese Zahl auf mehr als 3000 Personen. Der Polizei zufolge ist die große Mehrheit dieser Fälle auf "Schusswechsel" ("intercambios de disparos") zwischen der Polizei und bewaffneten mutmaßlichen Kriminellen zurückzuführen. Es gibt jedoch regelmäßig Berichte von Augenzeugen, die solche Behauptungen widerlegen. Amnesty International glaubt, dass ein Großteil dieser tödlichen Schießereien möglicherweise widerrechtlich ist. Nur sehr selten werden Polizeibeamte für gesetzeswidrige Tötungen zur Verant-wortung gezogen. Da es keine unabhängige Institution gibt, die Untersuchungen zu den Anschuldigungen des Missbrauchs durch Sicherheitskräfte anstellt, werden die Verantwortlichen fast nie vor Gericht gestellt.