Tausenden droht Sterilisation
Örtliche BehördenvertreterInnen der südchinesischen Provinz Guangdong haben vor, 9559 BewohnerInnen der Stadt Puning sterilisieren zu lassen. Die Eingriffe sollen bis zum 26. April 2010 gegen den Willen einiger Betroffener stattfinden. Die Behörden erhoffen sich, so den Vorgaben der staatlichen Familienplanung zu entsprechen.
Appell an
VORSITZENDER DES AMTES FÜR BEVÖLKERUNG UND FAMILIE IN PUNING
Chairman of the Puning City Population and Family Bureau
Hong Yuliang Zhuren , Liushajianshe Zhongduan
Puningshi 515300, Guangdongsheng
VOLKSREPUBLIK CHINA
(korrekte Anrede: Dear Chairman)
Fax: (00 86) 663 29 000 55
E-Mail: pnjs@puning.gov.cn
BÜRGERMEISTER VON PUNING
Puning City Mayor
Chen Shengliang Shizhang
Puningshi Zhengfu Bangongdalou Nanqu
Puningshi 40609, Guangdongsheng
VOLKSREPUBLIK CHINA
(korrekte Anrede: Dear Mayor)
Fax: (00 86) 663 2246909
E-Mail: pnxxzx@puning.gov.cn
KOPIEN AN
PARTEIAUSSCHUSS DER STADT JIEYANG
Secretary of the Jieyang City Party Committee
Chen Hongping Shuji
Jieyangshi Jiguan Bangongdayuan
Linjianbeilu
Jieyangshi 522000
Guangdongsheng
VOLKSREPUBLIK CHINA
(korrekte Anrede: Dear Secretary)
E-Mail: jyqn311@163.com
BOTSCHAFT DER VOLKSREPUBLIK CHINA
S. E. Herrn Hongbo Wu
Märkisches Ufer 54
10179 Berlin
Fax: (030) 2758 8221
E-Mail: de@mofcom.gov.cn
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort, so dass sie noch vor dem 26. April 2010 eintreffen. Schreiben Sie in gutem Chinesisch, Englisch oder auf Deutsch.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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ensure that anyone undergoing sterilization does so only with her or his informed consent in a context where she or he has a genuine option of denying consent and of not being sterilized
-
ensure that surgeries for sterilization are undertaken under safe medical conditions
-
immediately stop the detention of family members and threatening such detention to induce individuals to 'consent’ to being sterilized
-
investigate whether the birth control officials have "infringed on a citizen’s personal rights, property rights or other legitimate rights and interest" or "abused power" in their pursuit of birth quotas, and if the act constitutes a crime, refer them for criminal prosecution and a trial in line with international fair trial standards without recourse to the death penalty;
- refrain from taking punitive measures against children considered 'illegal’ and who are non-registered or the relatives of individuals who have had children in contravention of family planning policies.
Amnesty International versteht unter Zwangssterilisation jede Sterilisation, die durchgeführt wird, ohne dass der/die Betroffene vorher aufgeklärt wurde und dem Eingriff zugestimmt hat. Dazu zählen auch Fälle, in denen die Betroffenen zur Zustimmung genötigt werden oder ihnen mit Zwang gedroht wird, indem man zum Beispiel ihre Angehörigen verhaftet, ihnen keine Erlaubnis zum Hausbau erteilt oder ihre Kinder nicht behördlich erfasst.
Zwangssterilisationen, die von Angestellten der Familienplanungsbehörden oder anderen Personen in Ausübung ihres Amtes veranlasst werden, stellen schwere Eingriffe in die körperliche und geistige Integrität der Betroffenen dar und verstoßen gegen das Verbot der Folter und anderer grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung. Dieses Verbot ergibt sich aus der UN-Antifolter-Konvention, die auch China ratifiziert hat. Bezugnehmend auf den vierten periodischen Bericht, den China dem UN-Ausschuss gegen Folter erstattete, rief der Ausschuss die chinesische Regierung dazu auf, "die Bevölkerungspolitik in absoluter Übereinstimmung mit den einschlägigen Bestimmungen der Konvention auszuüben und Personen, die bei der Umsetzung für die Anwendung von Zwangs- oder gewaltvollen Maßnahmen verantwortlich sind, strafrechtlich zu verfolgen."
Der Internetseite der Regierung von Puning zufolge, hat die Stadt 2 228 000 Einwohner. Laut Berichten in den chinesischen Medien umfasst die oben dargestellte Sterilisations-Kampagne der Stadt auch die Aufklärung der Bevölkerung über die Regelungen zur Geburtskontrolle.
Amnesty fordert:
SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS, FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE
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Fordern Sie die Behörden auf sicherzustellen, dass Sterilisationen nur mit Einwilligung der Betroffenen vorgenommen werden und dass jede Person tatsächlich die Möglichkeit bekommt, den Eingriff abzulehnen.
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Dringen Sie darauf, dass bei den Operationen angemessene Sicherheits- und Hygienestandards eingehalten werden.
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Verlangen Sie ein sofortiges Ende der Festnahmen von Familienangehörigen bzw. von Drohungen mit solchen Festnahmen, um Personen zu einer "Einwilligung" in die Sterilisation zu zwingen.
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Fordern Sie die Behörden auf zu untersuchen, ob die Personen, die für die Geburtenkontrolle zuständig sind, Persönlichkeits-, Eigentums- oder sonstige anerkannte Rechte bzw. geschützte Interessen der BürgerInnen verletzt oder ihr Amt missbraucht haben. Fordern Sie, derartiges Verhalten strafrechtlich zu verfolgen, den mutmaßlichen TäterInnen aber ein faires Verfahren, das den internationalen Standards entspricht, zu gewähren und keine Todesstrafen zu verhängen.
- Fordern Sie die Behörden auf, Sanktionen gegen "illegale", nicht gemeldete Kinder sowie gegen Angehörige von Eltern, die mehr Kinder haben, als staatlich vorgesehen sind, zu unterlassen.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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ensure that anyone undergoing sterilization does so only with her or his informed consent in a context where she or he has a genuine option of denying consent and of not being sterilized
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ensure that surgeries for sterilization are undertaken under safe medical conditions
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immediately stop the detention of family members and threatening such detention to induce individuals to 'consent’ to being sterilized
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investigate whether the birth control officials have "infringed on a citizen’s personal rights, property rights or other legitimate rights and interest" or "abused power" in their pursuit of birth quotas, and if the act constitutes a crime, refer them for criminal prosecution and a trial in line with international fair trial standards without recourse to the death penalty;
- refrain from taking punitive measures against children considered 'illegal’ and who are non-registered or the relatives of individuals who have had children in contravention of family planning policies.
Amnesty International versteht unter Zwangssterilisation jede Sterilisation, die durchgeführt wird, ohne dass der/die Betroffene vorher aufgeklärt wurde und dem Eingriff zugestimmt hat. Dazu zählen auch Fälle, in denen die Betroffenen zur Zustimmung genötigt werden oder ihnen mit Zwang gedroht wird, indem man zum Beispiel ihre Angehörigen verhaftet, ihnen keine Erlaubnis zum Hausbau erteilt oder ihre Kinder nicht behördlich erfasst.
Zwangssterilisationen, die von Angestellten der Familienplanungsbehörden oder anderen Personen in Ausübung ihres Amtes veranlasst werden, stellen schwere Eingriffe in die körperliche und geistige Integrität der Betroffenen dar und verstoßen gegen das Verbot der Folter und anderer grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung. Dieses Verbot ergibt sich aus der UN-Antifolter-Konvention, die auch China ratifiziert hat. Bezugnehmend auf den vierten periodischen Bericht, den China dem UN-Ausschuss gegen Folter erstattete, rief der Ausschuss die chinesische Regierung dazu auf, "die Bevölkerungspolitik in absoluter Übereinstimmung mit den einschlägigen Bestimmungen der Konvention auszuüben und Personen, die bei der Umsetzung für die Anwendung von Zwangs- oder gewaltvollen Maßnahmen verantwortlich sind, strafrechtlich zu verfolgen."
Der Internetseite der Regierung von Puning zufolge, hat die Stadt 2 228 000 Einwohner. Laut Berichten in den chinesischen Medien umfasst die oben dargestellte Sterilisations-Kampagne der Stadt auch die Aufklärung der Bevölkerung über die Regelungen zur Geburtskontrolle.
Sachlage
Laut Berichten in den chinesischen Medien haben die Behörden am 7. April 2010 in der Stadt Puning eine Kampagne zur Sterilisation von Eltern eingeleitet, um die lokalen Quoten der Geburtskontrolle nicht zu gefährden. Nach Angaben der Behörden sei das Ziel der 20-tägigen Kampagne bereits am Abend des 11. April 2010 zur Hälfte umgesetzt worden. Einer der eingesetzten Ärzte gab gegenüber den lokalen Medien an, dass sein Team von 8 Uhr morgens bis 4 Uhr nachts Sterilisationen durchführe. Örtliche Berichterstatter vermuten, dass zumindest einige der Betroffenen der Sterilisation nicht freiwillig zustimmen werden. Nach Ansicht von Amnesty International fallen Sterilisationen, die von offizieller Seite angeordnet werden, unter den Tatbestand der Folter. Zudem wirft die Eile, mit der die Kampagne durchgeführt wird, Fragen hinsichtlich der Sicherheit und möglichen Auswirkungen der Eingriffe auf die Gesundheit der Betroffenen auf.
Hinzu kommt, dass die Behörden von Puning 1377 Familienangehörige von Paaren, die sterilisiert werden sollen, verhaftet haben. Bei den meisten der Festgenommenen handelt es sich um ältere Personen. Viele wurden auf beengtem Raum in Häuser gesperrt, die von den Behörden vorübergehend als inoffizielle Gewahrsamsstellen benutzt werden. Durch die Festnahmen sollen die Angehörigen der Inhaftierten zur Sterilisation gezwungen werden.
Die Behörden von Puning verteidigen ihre Kampagne damit, dass sich in der Stadt viele Wanderarbeiter im geburtsfähigen Alter aufhielten und einige der Bewohner die Auflagen der Familienplanung nicht verstanden und dadurch gegen sie verstoßen hätten.
Hintergrundinformation
Im September 2002 ist in China das Gesetz zur Bevölkerungs- und Familienplanung in Kraft getreten. Es soll die Umsetzung der staatlichen Vorgaben zur Familienplanung in Politik und Praxis landesweit vereinheitlichen und die Einhaltung der Grundrechte der BürgerInnen garantieren. So ist zum Beispiel die zwangsweise Durchsetzung der Familienplanungsvorgaben gesetzlich verboten. Dennoch spielen lokale Geburtsquoten, die durch strenge Strafen bzw. Belohnungen durchgesetzt werden, bei ihrer Umsetzung eine zentrale Rolle. Immer noch wird über Zwangsabtreibungen und -sterilisationen in China berichtet. Man geht davon aus, dass aber nur wenige Behördenvertreter vor Gericht gestellt bzw. für ihre Taten bestraft werden.
Im März 2007 unterstützten ca. 30 Delegierte der Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes, eines offiziellen Beratungsgremiums, einen Vorschlag, der ein Ende der restriktiven chinesischen Familienplanungspolitik forderte. Der Vorsitzende der Nationalen Kommission für Bevölkerungs- und Familienplanung schloss eine entsprechende Lockerung zwar nicht aus, sagte aber, dass sie jedenfalls nicht in den nächsten vier Jahren beschlossen würde.
Kinder, die unter Verstoß gegen die vorgegeben Geburtsquoten zur Welt kommen, können nicht behördlich gemeldet werden. Ohne entsprechende Dokumente, genannt hukou, wird ihnen der Zugang zum Gesundheits- und Schulsystem sowie zu anderen Sozialleistungen verwehrt. Hinzu kommt, dass die Behörden von Puning angekündigt haben, dass sie Bewerbungen von Familien, die ein Haus bauen wollen, aber mehr als die zulässige Anzahl von Kindern haben, nicht annehmen werden. Dasselbe gilt für ihre Angehörigen.