Gefangene in Foltergefahr
Zwei Männer, die in Thailand in einem Militärgefängnis festgehalten werden, könnten gefoltert oder anderweitig misshandelt werden. Vier weitere Männer, die sich mittlerweile in einem zivilen Gefängnis befinden, geben an, während ihrer Zeit in Militärgewahrsam gefoltert worden zu sein. Sie brauchen dringend medizinische Betreuung durch unabhängige Ärzt_innen.
Appell an
OBERBEFEHLSHABER DES MILITÄRS
General Udomdej Sitabutr,
Chief of the Armed Forces
Royal Thai Armed Forces Headquarters
127 Chaeng Watthana Road, Laksi
Bangkok 10210, THAILAND
(Anrede: Dear General / Sehr geehrter Herr General)
Fax: (00 66) 2575 6203
POLIZEIPRÄSIDENT
Gen. Somyot Pumpanmuang
Royal Thai Police, 1 Building, Floor 7 Rama 1 Road, Pathumwan, Bangkok 10330, THAILAND
(Anrede: Dear General / Sehr geehrter Herr General)
Fax: (00 66) 2205 2168
Sende eine Kopie an
JUSTIZMINISTER
General Paiboon Koomchaya
120 Moo 3, Building A Road Rd Lak Si
Bangkok 10210, THAILAND
Fax: (00 66) 2953 0503
BOTSCHAFT DES KÖNIGREICHS THAILAND
I.E. Frau Nongnuth Phetcharatana,
Lepsiusstr. 64-66
12163 Berlin
Fax: 030-7948 1511, 030-7948 1251
E-Mail: thaibln@thaiembassy.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Thailändisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 30. April 2015 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Die Berichte, denen zufolge Chanwit Chariyanakul, Noraphat Luepon, Sansern Sriounren und Wichai Yusuk während ihrer Zeit in Haft ohne Kontakt zur Außenwelt gefoltert wurden, besorgen mich sehr. Ich fordere Sie eindringlich auf, sicherzustellen, dass Surapol Iam-suwan und Wasu Iam-laor vor Folter geschützt und in eine zivile Haftanstalt überführt werden.
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Bitte ordnen Sie unverzüglich eine umfassende, unparteiische und wirkungsvolle Untersuchung zu den Vorwürfen über Folter und anderweitige Misshandlungen an, die von einer zivilen Behörde durchgeführt werden. Veröffentlichen Sie die Ergebnisse dieser Untersuchung und stellen Sie alle Verantwortlichen vor Gericht, auch Personen mit Befehlsgewalt oder mit anderweitiger übergeordneter Verantwortung.
- Bitte gewähren Sie Chanwit Chariyanakul, Noraphat Luepon, Sansern Sriounren, Wichai Yusuk und allen anderen Gefangenen umfassenden und uneingeschränkten Zugang zu ihren Familien, Rechtsbeiständen, einem unabhängigen zivilen Gericht und unabhängigen Ärzt_innen ihrer Wahl. Bitte wenden Sie die Grundsätze für die Behandlung von Gefangenen an.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Express concern to the authorities at reports that Chanwit Chariyanakul, Noraphat Luepon, Sansern Sriounren and Wichai Yusuk have been tortured while detained incommunicado and urge them to ensure that Surapol Iam-suwan and Wasu Iam-laor are not tortured and are transferred to civilian custody.
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Urge the authorities to order a prompt, impartial, independent and effective investigation by a civilian authority into the reports of torture and other ill-treatment, publish the results and bring anyone found to be responsible to justice, including those with command or other superior responsibility.
- Urge them to grant Chanwit Chariyanakul, Noraphat Luepon, Sansern Sriounren and Wichai Yusuk and all other detainees full and unimpeded access to their families, legal counsel, an independent, civilian court and independent doctors of their choice, and put in place and apply in practice all legal safeguards for those in detention.
Sachlage
Surapol Iam-suwan und Wasu lam-laor sollen in Zusammenhang mit einer Granatenexplosion vor einem Gericht in der thailändischen Hauptstadt Bangkok am 7 März 2015 gemäß dem herrschenden Kriegsrecht vom Militär in Gewahrsam genommen worden sein. Die beiden Männer sind in Gefahr, in der Haft gefoltert oder auf andere Weise misshandelt zu werden. Chanwit Chariyanakul, Noraphat Luepon, Sansern Sriounren und Wichai Yusuk befanden sich zwischen dem 9. und 15. März ohne Kontakt zur Außenwelt in einem Militärgefängnis und geben an, während dieser Zeit gefoltert und anderweitig misshandelt worden zu sein. Die vier Männer befinden sich derzeit in einem Untersuchungsgefängnis in Bangkok. Sie müssen Zugang zu unabhängigen Ärzt_innen ihrer Wahl erhalten, die sie untersuchen und ihre Verletzungen behandeln.
Chanwit Chariyanakul, Noraphat Luepon, Sansern Sriounren und Wichai Yusuk haben Rechtsbeiständen der NGO Thai Lawyers for Human Rights (TLHR) gegenüber erklärt, dass man ihnen Elektroschocks sowie Schläge und Tritte gegen Kopf, Brust und Rücken versetzt habe. Zudem habe man ihnen während ihrer Verhöre mit weiterer Gewalt gedroht, um Informationen von ihnen zu erhalten. Mindestens einer der vier Männer weist sichtbare Blutergüsse an der Brust sowie von Elektroschocks stammende Narben auf.
Die Männer gehören zu einer Gruppe von 15 Personen, die nach der Explosion einer Handgranate auf dem Parkplatz vor dem Strafgericht von Bangkok am 7. März vom Militär im Rahmen des geltenden Kriegsrecht in unbekannte Haftanstalten gebracht worden sind.
Hintergrundinformation
Chanwit Chariyanakul, Noraphat Luepon, Sansern Sriounren und Wichai Yusuk sind um den 9. März 2015 von Angehörigen des thailändischen Militärs festgenommen worden. Am 16. März übergab das 11. Infanterie-Regiment (Garde des Königs) die Männer in polizeiliches Gewahrsam.
Die vier Männer waren gemäß dem im Jahre 1914 erlassenen Gesetz über das Kriegsrecht inhaftiert worden. Nach einem Militärputsch im Mai 2014 war das Kriegsrecht ausgerufen worden, welches es dem Militär erlaubt, Personen eine Woche lang an unbekannten Orten festzuhalten, ohne dass Anklagen erhoben oder Gerichtsverfahren durchgeführt werden und ohne dass die Grundsätze für die Behandlung von Gefangenen eingehalten werden. Man geht davon aus, dass viele Personen länger als erlaubt festgehalten werden. In einigen Fällen bestreiten die Behörden, dass Personen inhaftiert wurden und behaupten später, die Betroffenen seien "zu Gesprächen eingeladen" worden.
Insgesamt wurden 15 Personen in Zusammenhang mit einem Anschlag mit einer Handgranate, die am 7. März auf dem Parkplatz vor dem Strafgericht in Bangkok explodiert war, und mutmaßlichen Plänen für weitere Sprengstoffanschläge in Bangkok, festgenommen. Unter den inhaftierten Personen befindet sich auch Natthida Miwanopa. Sie war am 11. März von Soldat_innen festgenommen und sechs Tage lang in einer geheimen Haftanstalt ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten worden. Die Behörden bestritten die Inhaftierung von Natthida Miwanopa öffentlich, bis man sie in Polizeigewahrsam überstellte. Anschließend klagte man sie wegen Terroranschlägen an und verweigerte ihr die Freilassung gegen Kaution.
Die mutmaßliche Behandlung von Chanwit Chariyanakul und den anderen drei Männern entspricht weiteren bekannten Fällen, in denen Personen, die vom Militär gemäß dem herrschenden Kriegsrecht ohne Kontakt zur Außenwelt in Haft gehalten wurden, gefoltert und anderweitig misshandelt worden sind. Die dabei angewandten Foltermaßnahmen umfassen Schläge, Morddrohungen, Scheinhinrichtungen und Erstickungsversuche. Nach Angaben vom Betroffenen wurden ihnen während dieser Misshandlungen bis zu eine Woche lang die Augen mit Klebeband verbunden und die Hände und Füße gefesselt. In einigen Fällen wurden die Gefangenen zwischen verschiedenen Hafteinrichtungen hin- und hertransportiert und hatten keinen Kontakt zur Außenwelt.
Folter und anderweitige Misshandlungen sind nach dem Völkerrecht absolut verboten. Als Vertragsstaat des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte und der UN-Antifolterkonvention ist Thailand dazu verpflichtet, Folter und anderweitige Misshandlungen zu verbieten und zu verhindern. Diese Verpflichtung gilt ausnahmslos. Von ihr darf auch in Notsituationen nicht abgewichen werden.
Amnesty International betrachtet die Menschenrechtssituation im Hinblick auf Folter und anderweitige Misshandlungen sowie Fälle des Verschwindenlassens in Thailand seit Langem mit Sorge. Obwohl Thailand die UN-Antifolterkonvention ratifiziert und das Internationale Übereinkommen zum Schutz aller Personen vor dem Verschwindenlassen unterzeichnet hat und damit den politischen Willen signalisiert, Folter und Verschwindenlassen zu beenden, wurden bis jetzt nur wenige Schritte eingeleitet, um solchen Handlungen und der Straffreiheit vermeintlicher Täter_innen ein Ende zu setzen. Im Mai 2014 äußerte der Ausschuss der Vereinten Nationen gegen Folter seine tiefe Besorgnis über anhaltende Vorwürfe hinsichtlich der weit verbreiteten Anwendung von Folter und anderweitigen Misshandlungen an Gefangenen durch Angehörige des Militärs, der Polizei sowie durch Gefängnispersonal. Dies umfasst auch die Gefangenen, die gemäß dem Gesetz über das Kriegsrecht von 1914 inhaftiert worden sind. Der Ausschluss forderte Thailand auf, dringend die Sicherheitsgesetze des Landes zu überprüfen und zu überarbeiten.
Dabei soll sichergestellt werden, dass Gefangene, die gemäß dem Sicherheitsgesetz ohne Anklage festgehalten werden, vor Gericht gestellt werden und Zugang zu ihren Familien, Rechtsbeiständen und unabhängigen Mediziner_innen erhalten. Zudem wurden die thailändischen Behörden aufgefordert, dem Ausschuss bis Mai 2015 Informationen über die Maßnahmen vorzulegen, die ergriffen wurden, um diese und andere prioritäre Empfehlungen umzusetzen. Unter anderem hatte der Ausschuss Thailand empfohlen, sicherzustellen, dass niemand zu einer Aussage gegen sich selbst und andere oder zur Abgabe eines Schuldeingeständnisses gezwungen wird und dass derartige Schuldeingeständnisse nicht als Beweis in einem Verfahren verwendet werden, es sei denn gegen eine der Folter oder anderweitiger Misshandlung angeklagte Person als Beweis dafür, dass das Geständnis oder eine andere Aussage gemacht wurde.