Friedensgemeinde bedroht
Eine Gruppe von Kindern aus der Friedensgemeinde San José de Apartadó
© @ Privat
BewohnerInnen der Friedensgemeinde San José de Apartadó wurde ein Massaker angedroht. Dies geschah vor dem Hintergrund einer verstärkten paramilitärischen Präsenz in der Region.
Appell an
PRÄSIDENT
Señor Presidente Juan Manuel Santos
Presidente de la República, Palacio de Nariño
Carrera 8 No. 7-26, Bogotá, KOLUMBIEN
(Anrede: Excmo. Sr. Presidente Santos / Sehr geehrter Herr Präsident / Dear President Santos)
Fax: (00 57) 1 596 0631
VERTEIDIGUNGSMINISTER
Señor Juan Carlos Pinzón
Ministerio de Defensa
Carrera 54, No. 26-29, Bogotá, KOLUMBIEN
(Anrede: Sr. Ministro Pinzón / Sehr geehrter Herr Minister / Dear Minister Pinzón)
Fax: (00 57) 1 266 1003
Sende eine Kopie an
FRIEDENSGEMEINDE SAN JOSÉ DE APARTADÓ
Comunidad de Paz de San José de Apartadó
AA 243 de Apartadó
Antioquia
KOLUMBIEN
BOTSCHAFT DER REPUBLIK KOLUMBIEN
S. E. Herrn Juan Mayr Maldonado
Kurfürstenstr. 84
10787 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: info@botschaft-kolumbien.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 10. April 2013 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
FAXE ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Ich bin sehr besorgt um die Sicherheit der BewohnerInnen und insbesondere der SprecherInnen der Friedensgemeinde von San José de Apartadó angesichts der Bedrohung durch ein neues Massaker.
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Leiten Sie bitte eine umfassende und unparteiische Untersuchung der Drohungen sowie der verstärkten Präsenz von Paramilitärs in der Region ein, veröffentlichen Sie die Ergebnisse und stellen Sie die für die Drohungen Verantwortlichen vor Gericht.
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Zudem möchte ich Sie daran erinnern, dass die BewohnerInnen der Friedensgemeinde San José de Apartadó wie auch die übrige Zivilbevölkerung das Recht haben, nicht in den bewaffneten Konflikt hineingezogen zu werden.
- Ich fordere Sie außerdem auf, unverzüglich von der Regierung zugesagte Maßnahmen umzusetzen, um die paramilitärischen Gruppen in der Region aufzulösen und ihre Verbindungen mit den Sicherheitskräften zu unterbinden, wie es die UN und andere zwischenstaatliche Organisationen empfohlen haben.
Sachlage
Am 23. Februar rief ein Mann bei einem Mitglied der Friedensgemeinde San José de Apartadó im Departamento Antioquia an und teilte ihm mit, dass ein neues Massaker in der Friedensgemeinde geplant sei. Der Anrufer sagte ihm auch, dass die SprecherInnen der Friedensgemeinde das Ziel des Angriffs seien und dass sie auf die Kinder achtgeben und diese nicht vor die Tür lassen sollten. Die Drohungen erfolgten kurz nachdem ein Verwaltungsgericht am 8. Februar zu dem Urteil gelangt war, dass der kolumbianische Staat sich bei den BewohnerInnen der Friedensgemeinde für seine Beteiligung am Massaker im Februar 2005 zu entschuldigen habe. Damals wurden bei einer gemeinsamen Operation von Armee und Paramilitärs acht Personen (darunter vier Kinder) getötet und ihre Körper verstümmelt. Zwar wurden einige Paramilitärs und Armeeangehörige für ihre Beteiligung an den Tötungen im Jahr 2005 verurteilt, bisher sind jedoch noch keine hochrangigen Angehörigen der Streitkräfte für diese Verbrechen zur Rechenschaft gezogen worden.
ZeugInnen zufolge wurden zwischen dem 11. und dem 16. Februar Paramilitärs in mehreren Transportern vom benachbarten Departamento Chocó zu drei paramilitärischen Stützpunkten in der Umgebung einiger Weiler der Friedensgemeinde geschafft: nach Piedras Blancas in der Gemeinde Carepa, Nueva Antioquia in der Gemeinde Turbo und zu einem Stützpunkt an der Straße nach Zunguito. Die Transporter passierten Gebiete mit permanenten Straßensperren von Militär und Polizei, ohne angehalten zu werden. Paramilitärs konnten in der Region San José de Apartadó eine starke Präsenz aufrechterhalten, obwohl auch das Militär dort stark vertreten ist.
In den letzten Jahren hat Amnesty International nach Erhalt entsprechender Berichte wiederholt das Vorhandensein eines paramilitärischen Stützpunkts in Nueva Antioquia angeprangert. Die kolumbianischen Behörden haben jedoch bisher keine einschlägigen Maßnahmen ergriffen, um gegen die Präsenz von Paramilitärs in der Region vorzugehen.
Hintergrundinformation
Die "Friedensgemeinde" San José de Apartadó setzt sich aus BewohnerInnen mehrerer Weiler und Dörfer zusammen, die in der Gemeinde Apartadó des nordwestlich gelegenen Departamento Antioquia liegen. Die BewohnerInnen der Region verteidigen sowohl gegenüber den Sicherheitskräften als auch den Guerillaeinheiten ihr Recht, nicht in den bewaffneten Konflikt Kolumbiens hineingezogen zu werden, und wehren sich dagegen, für eine der Seiten Partei ergreifen zu müssen.
Dementsprechend verweigern die BewohnerInnen auch das Tragen von Waffen und liefern keiner der beiden Seiten Informationen oder logistische Unterstützung. Als Gegenleistung verlangt die Friedensgemeinde, dass die an dem bewaffneten Konflikt beteiligten Parteien sich von ihrem Land fernhalten und ihre neut¬rale Position respektieren.
Die Friedensgemeinde San José de Apartadó wurde am 23. März 1997 gegründet. Seitdem sind über 170 BewohnerInnen der Friedensgemeinde und ihrer Umgebung getötet worden oder dem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen, weitere Personen wurden bedroht oder sexuell missbraucht. Die BewohnerInnen der Friedensgemeinde befinden sich daher in ständiger Gefahr. Die Mehrzahl der Tötungen wurde von Paramilitärs mit Billigung und Unterstützung bewaffneter Truppen in der Region begangen. In anderen Fällen wurden die Tötungen von Guerillagruppen verübt. In den vergangenen zehn Jahren wurden neben BewohnerInnen auch Menschen getötet, die lediglich nahe des von der Frie¬densgemeinde besiedelten Gebietes lebten oder enge Verbindungen zu den BewohnerInnen unterhielten. Oftmals gingen den Tötungen Phasen massiver Drohungen gegen BewohnerInnen der Friedensgemeinde voraus. Allem Anschein nach sollen die Menschen durch solche Maßnahmen eingeschüchtert werden.
Personen, die ihre Teilnahme an dem bewaffneten Konflikt verweigern und für keine der Seiten Partei ergreifen, sehen sich Verdächtigungen und Feindseligkeiten vonseiten der Paramilitärs, der Armee und der Guerillagruppierungen gegenüber. Die paramilitärischen Gruppen in Kolumbien sind angeblich im Rahmen des von der Regierung unterstützten Demobilisierungsprozesses, der im Jahr 2003 begann, aufgelöst worden. Dass diese Gruppen dennoch weiterhin existieren und operieren, belegen die von ihnen in verschiedenen Teilen des Landes verübten Tötungen und ihre Drohungen gegen MenschenrechtsverteidigerInnen und andere Mitglieder der Zivilgesellschaft.