Ausweisung nach Haiti

Ergebnis dieser Urgent Action

Ein dominikanischer Staatsbürger haitianischer Herkunft, der am 19. Februar nach Haiti ausgewiesen worden war, durfte in die Dominikanische Republik zurückkehren.

Karte Dominikanische Republik

Karte Dominikanische Republik

Ein dominikanischer Staatsbürger haitianischer Herkunft ist von Angehörigen der Armee festgenommen und anschließend nach Haiti ausgewiesen worden. Der junge Mann hat sein gesamtes bisheriges Leben in der Dominikanischen Republik verbracht.

Appell an

INNENMINISTER
José Ramón Fadul
Av. México esq. Leopoldo Navarro, Edificio de Oficinas Gubernamentales, Juan Pablo Duarte
Santo Domingo, DOMINIKANISCHE REPUBLIK
(Anrede: Señor Ministro / Dear Minister / Sehr geehrter Herr Minister)
E-Mail: info@mip.gob.do

DIREKTOR DES AMTS FÜR MIGRATION
Lic. Jose Ricardo Taveras
Dirección General de Migración
Avenida 30 de Mayo, Esquina Héroes de Luperon Santo Domingo, DOMINIKANISCHE REPUBLIK
(Anrede: Dear Director / Sehr geehrter Herr Direktor)
Fax: (00 1) 809 534 7118
E-Mail: info@migracion.gov.do

SOLIDARITÄTSBEKUNDUNGEN AN
Dominican@s por Derecho
E-Mail: dominicanosxderecho@gmail.com

Sende eine Kopie an

BOTSCHAFT DER DOMINIKANISCHEN REPUBLIK
S. E. Herrn Gabriel Rafael Ant Jose Calventi Gavino
Dessauer Straße 28 – 29
10963 Berlin
Fax: 030-2575 7761
E-Mail: info@embajadadominicana.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Englisch, Spanisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 3. April 2015 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

FAXE, E-MAILS UND LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Es besorgt mich sehr, dass ein dominikanischer Staatsbürger willkürlich festgenommen und ausgewiesen wurde.

  • Bitte stellen Sie sicher, dass Wilson Sentimo sofort die Erlaubnis erhält, wieder in seine Heimatstadt in der Dominikanischen Republik zurückzukehren und gemäß Gesetz 169-14 Ausweisdokumente erhält.

  • Bitte kommen Sie Ihren völkerrechtlichen Verpflichtungen nach, gemäß denen willkürliche und kollektive Abschiebungen verboten sind. Stellen Sie sicher, dass die Fälle von Personen, denen eine Ausweisung droht, individuell in einem fairen und transparenten Verfahren überprüft werden, in dem sie die Möglichkeit erhalten, gegen die Entscheidung der Behörden vorzugehen und eine Neuverhandlung ihrer Fälle zu beantragen.

Sachlage

Am 19. Februar, um etwa 8 Uhr morgens, hielt ein Lastwagen der dominikanischen Armee unweit der Siedlung Batey Libertad in der Nähe der Stadt Mao in der nördlichen Provinz Valverde. Angehörige der Armee forderten eine Gruppe junger Leute auf, sich auszuweisen. Wilson Sentimo, ein dominikanischer Staatsbürger haitianischer Herkunft, konnte als einziger keine Ausweispapiere vorweisen. Obwohl er den Armeeangehörigen erklärte, dass er Dominikaner ist, nahmen sie ihn fest. Sie zwangen ihn, in den Lastwagen einzusteigen und sagten ihm, er sei ein "Haitianer".

Zunächst brachte man ihn zu einem Armeestützpunkt in Mao, bevor er dann zusammen mit etwa 30 weiteren Personen in die Grenzstadt Dajabon gebracht wurde, von wo aus die gesamte Gruppe nach Haiti ausgewiesen wurde. Wilson Sentimo verbrachte eine Nacht in der haitianischen Grenzstadt Ounaminthe bei einer einheimischen Familie. Am 20. Februar schaffte er es dann, nach Dajabon zurückzukehren. Es ist ihm bisher jedoch nicht gelungen, in seine Heimatstadt zu reisen, da er noch immer keine Ausweispapiere vorlegen kann.

Wilson Sentimo wurde im Dezember 1989 in Esperanza, einer Stadt im Norden der Provinz Valverde, als Sohn haitianischer Eltern geboren. Seine Mutter ließ seine Geburt im Juli 1990 in das Personenstandsregister eintragen, woraufhin er eine dominikanische Geburtsurkunde erhalten hatte. Trotz vielfacher Anfragen hat Wilson Sentimo nie Ausweisdokumente erhalten. Er verfügt lediglich über eine Kopie seiner Geburtsurkunde, um zu belegen, dass er in der Dominikanischen Republik geboren wurde. Die Armeeangehörigen gaben ihm jedoch keine Möglichkeit, diese vorzuzeigen. Wilson Sentimo hat sein bisheriges Leben in der Dominikanischen Republik verbracht und daher keinerlei Beziehung zu Haiti. Er hat eine Sehschwäche und trug seine Brille während der Festnahme nicht bei sich.

Etwa ein Jahrzehnt lang hat man Dominikaner_innen haitischer Herkunft systematisch keine Ausweisdokumente ausgestellt und sie zu Staatenlosen gemacht. Durch ein Gesetz, das im September 2013 vom dominikanischen Verfassungsgericht erlassen worden war, wurden Tausende staatenlos. Im Mai 2014 verabschiedete die Nationalversammlung dann jedoch auf nationalen und internationalen Druck hin einstimmig das Gesetz 169-14. Gemäß diesem Gesetz müssen in der Dominkanischen Republik geborene Kinder, deren Eltern über keinen Aufenthaltstitel verfügen, dann "als dominikanische Staatsbürger_innen akkreditiert" werden und Ausweispapiere erhalten, wenn ihre Geburt im Personenstandsregister des Landes eingetragen wurde. Nur eine sehr geringe Anzahl von Personen hat bisher jedoch von diesem Gesetz profitiert.