Angriff auf indigene Gemeinde

Vier Frauen und zwei Kinder gehen einen Hügel hoch, im Vordergrund stehen die Reste eines abgebrannten Baumes

Vertriebene Indigene in der kolumbianischen Pazifikregion

Am 24. April drang eine unbekannte Person in die indigene Gemeinde ASEIMPOME ein. Als sie entdeckt wurde, setzte sie ein Haus in Brand und floh. Außerdem kreisen seit zwei Wochen immer wieder Unbekannte auf zwei Motorrädern um die Gemeinde. Bereits am 12. April hatten Vertreter_innen der Menschenrechtsorganisation Corporación Claretiana Norman Pérez Bello berichtet, dass zwei unbekannte und bewaffnete Männer in der Nähe des Dorfes gesehen worden seien. Amnesty International fordert die Behörden dringend auf, die Angriffe zu untersuchen, die Angreifer_innen zu ermitteln und sie davon abzuhalten, die Gemeinde weiter zu bedrohen.

Appell an

Francisco Roberto Barbosa

Fiscal General de la Nación de la República de Colombia

Avenida Calle 24 No. 52 – 01

Bogotá, D.C, KOLUMBIEN

Sende eine Kopie an

Botschaft der Republik Kolumbien
S.E. Herrn Hans-Peter Knudsen

Taubenstr. 23
10117 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: ealemania@cancilleria.gov.co

Amnesty fordert:

  • Ich fordere Sie dringen dazu auf, eine gründliche und unparteiische Untersuchung des Brandes in der indigenen Gemeinde ASEINPOME einzuleiten und die Verantwortlichen zu ermitteln.
  • Reagieren Sie bitte außerdem angemessen auf die seit 2016 bei der Staatsanwaltschaft eingereichten Beschwerden über Bedrohungen und gewalttätige Übergriffe auf die Gemeinde und ihre Sprecher_innen.

Sachlage

Im zentralkolumbianischen Departamento Meta ist die Sicherheit der indigenen Gemeinde ASEINPOME massiv bedroht. Seit Beginn der im Zuge der COVID-19-Pandemie ergriffenen Quarantänemaßnahmen nehmen die Angriffe auf das Dorf zu. Wiederholt beobachteten die Anwohner_innen unbekannte bewaffnete Personen, die sich auf Gemeindegebiet aufhielten. Der aktuellste Vorfall ereignete sich am 24. April: Gegen 11 Uhr vormittags wurde eine unbekannte Person bemerkt, als sie aus einem der Häuser kam. Als die sofort benachrichtigte Wache bei dem Haus ankam, stand dieses bereits in Flammen. Die Gemeinde macht die unbekannte Person, die kurz zuvor beim Verlassen des Hauses gesehen worden war, für das Feuer verantwortlich.

Außerdem kreisen seit zwei Wochen immer wieder drei unbekannte Männer auf zwei Motorrädern um die Gemeinde. Am 12. April bemerkten Gemeindebewohner_innen zudem zwei weitere unbekannte und bewaffnete Männer, die sich etwa eine halbe Stunde lang in der Nähe des Dorfes, auf dem Weg nach El Porvenir, aufhielten.

Die Gemeinde ASEINPOME (Comunidad del Asentamiento Ancestral Indígena Kubeo – Sikuani) liegt auf dem angestammten Territorium der indigenen Gruppe der Sikuani – Kubeo. Sie gehört zu der kleinbäuerlichen Gemeinde El Porvenir in Puerto Gaían im zentralkolumbianischen Departamento Meta. Nach mehreren Zwangsräumungen, Morddrohungen und dem Ausverkauf ihrer Kultur entschieden sich die Gemeindemitglieder 2015, auf ihr angestammtes Land zurückzukehren. Seitdem werden sie bedroht und angegriffen.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Im Jahr 2019 verweigerte das Innenministerium die Bestätigung, dass auf dem Gemeindegebiet indigene Gemeinschaften lebten. Stattdessen genehmigte das Ministerium  ein Ölfördungsprojekt durch ein multinationales Unternehmen im Siedlungsgebiet. Währenddessen erhielten Gemeindemitglieder Droh- und Erpressungsanrufe, außerdem wurden sie rassistisch beleidigt. Im Februar 2019 wurde ein Gemeindemitglied von einer unbekannten Person mit vorgehaltener Waffe bedroht: Sie werde zurückkehren und die Gemeinde vertreiben.

Sämtliche Vorkommnisse wurden der Nationalpolizei gemeldet – doch die Sicherheitskräfte leiteten weder Ermittlungen ein noch kamen sie vorbei. Auch die Staatsanwaltschaft wurde informiert, doch vergeblich: Seit Juli 2019 erhielt die Gemeinde keine weiteren Informationen und die Antwort auf ihre Nachfragen steht nach wie vor aus.