Investigative Journalisten drangsaliert

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Blick auf den Eifelturm in Paris

Blick auf den Eifelturm in Paris

Am 14. bzw. 15. Mai wurden die Journalisten Geoffrey Livolsi und Mathias Destal von Disclose und Benoît Colombat von Radio France zu einer Anhörung durch den französischen Inlandsgeheimdienst geladen, nachdem die Pariser Staatsanwaltschaft gegen sie ein Ermittlungsverfahren wegen Preisgabe eines Geheimnisses der Landesverteidigung eingeleitet hatte. Sie hatten im April die sogenannten „Yemen Papers“ veröffentlicht, eine Reihe geheimer Dokumente über den Verkauf französischer Waffen an Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate und deren Einsatz gegen die Zivilbevölkerung im Bürgerkrieg in Jemen. Das Vorgehen der Journalisten wird durch das Recht auf freie Meinungsäußerung geschützt und die Ermittlungen gegen sie sind unverzüglich einzustellen.

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Dein Appell

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Sehr geehrter Herr Staatsanwalt,

ich wende mich heute an Sie, um meine Sorge darüber zum Ausdruck zu bringen, dass die Staatsanwalt Ermittlungen gegen Geoffrey Livolsi, Mathias Destal und Benoît Collombat eingeleitet hat. Die drei investigativen Journalisten hatten im April Informationen über den Verkauf französischer Waffen an Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate und deren Einsatz gegen die Zivilbevölkerung im Bürgerkrieg in Jemen veröffentlicht. Der Verkauf dieser Waffen stellt einen Verstoß gegen die Verpflichtungen Frankreichs nach dem Völkerrecht dar, darunter auch gegen das Waffenhandelsabkommen.

Das Recht auf freie Meinungsäußerung schützt das Recht, Informationen und Ideen aller Art, einschließlich Informationen zu schweren Menschenrechtsverletzungen, zu suchen, zu erhalten und weiterzugeben. Journalist_innen spielen eine wichtige Rolle dabei, die Gesellschaft zu informieren und müssen in der Lage sein, ohne Bedrohungen und Schikanierungen zu arbeiten.

Aus diesen Gründen bitte ich Sie, die Ermittlungen gegen Geoffrey Livolsi, Mathias Destal und Benoît Collombat unverzüglich einzustellen.

Sorgen Sie dafür, dass ihr Recht auf freie Meinungsäußerung respektiert wird und sie ihre Arbeit ohne Angst vor Repressalien fortsetzen können.

Mit freundlichen Grüßen

Dear Prosecutor,

I am writing to you to express my serious concern about the preliminary investigation that your office is currently undertaking against Geoffrey Livolsi and Mathias Destal, who work for the investigative online media Disclose, as well as Benoît Collombat, who works for Radio France. In April 2019, these three investigative journalists published crucial information regarding the sale of French weapons to Saudi Arabia and the United Arab Emirates and the use of these weapons against civilians in the civil war in Yemen. The sales of these weapons violate the obligations of France under international law, including the Arms Trade Treaty.

The right to freedom of expression protects the right to seek, impart and receive information and ideas of all kinds, including information about serious human rights violations. Journalists play a crucial role in informing society and must be able to operate without being threatened and harassed. I am concerned that this investigation is being used as a means to harass journalists and force them to reveal their sources. Information about human rights violations is in the public interest and journalists should not be prosecuted for communicating such information.

I am urging you to immediately close the investigation against Geoffrey Livolsi, Mathias Destal and Benoît Collombat and respect their right to freedom of expression and ensure they are able to continue their work without fear of reprisals.

Yours sincerely,

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Hier kannst du deine Botschaft als PDF-Datei herunterladen und ausdrucken oder sie direkt über dein eigenes E-Mail-Programm verschicken.

Bitte abschicken bis: 28.06.2019

Appell an:

Rémy Heitz

Tribunal de Paris

4ème division – Section C1 T

Parvis du Tribunal de Paris

75859 Paris Cedex 17, FRANKREICH

Sende eine Kopie an:

Botschaft der Republik Frankreich
I. E. Frau Anne-Marie Descôtes
Pariser Platz 5
10117 Berlin
Fax: 030-590 039 110
E-Mail: cad.berlin-amba@diplomatie.gouv.fr

Amnesty fordert:

  • Bitte stellen Sie die Ermittlungen gegen Geoffrey Livolsi, Mathias Destal und Benoît Collombat unverzüglich ein.
  • Sorgen Sie dafür, dass ihr Recht auf freie Meinungsäußerung respektiert wird und sie ihre Arbeit ohne Angst vor Repressalien fortsetzen können.

Sachlage

Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft Paris gegen die Journalisten Geoffrey Livolsi und Mathias Destal, die für das investigative Onlinemedium Disclose arbeiten, sowie Benoît Collombat, einen Mitarbeiter von Radio France. Die drei investigativen Journalisten hatten im April Informationen über den Verkauf französischer Waffen an Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate und deren Einsatz gegen die Zivilbevölkerung im Bürgerkrieg in Jemen veröffentlicht. Der Verkauf dieser Waffen stellt einen Verstoß gegen die Verpflichtungen Frankreichs nach dem Völkerrecht dar, darunter auch gegen das Waffenhandelsabkommen.

Das Recht auf freie Meinungsäußerung schützt das Recht, Informationen und Ideen aller Art, einschließlich Informationen zu schweren Menschenrechtsverletzungen, zu suchen, zu erhalten und weiterzugeben. Journalist_innen spielen eine wichtige Rolle dabei, die Gesellschaft zu informieren und müssen in der Lage sein, ohne Bedrohungen und Schikanierungen zu arbeiten. Es besteht Anlass zur Sorge, dass diese Ermittlungen dazu dienen, die Journalisten einzuschüchtern und sie dazu zu bringen, ihre Quellen aufzudecken. Informationen zu Menschenrechtsverletzungen sind im öffentlichen Interesse und Journalist_innen sollten für die Veröffentlichung derartiger Informationen nicht verfolgt werden.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Am Montag, den 15. April 2019, veröffentlichte die investigative Medienplattform Disclose die sogenannten „Yemen Papers“, eine Reihe geheimer Dokumente über den Verkauf französischer Waffen an Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate und deren Einsatz gegen die Zivilbevölkerung im Bürgerkrieg im Jemen. Weitere Informationen finden Sie hier: https://made-in-france.disclose.ngo/en. Am 14. bzw. 15. Mai wurden die Journalisten Geoffrey Livolsi und Mathias Destal (Disclose) und Benoît Collombat (Radio France) zu einer Anhörung durch den französischen Inlandsgeheimdienst DGSI (Direction générale de la sécurité intérieure) geladen, nachdem die Pariser Staatsanwaltschaft gegen sie ein Ermittlungsverfahren wegen Preisgabe eines Geheimnisses der Landesverteidigung eingeleitet hatte.

Regierungen sollten niemals Strafverfahren gegen Personen einleiten, die zu Vertraulichkeit oder Geheimhaltung verpflichtet sind und aus Gewissensgründen und in verantwortlicher Weise Informationen zu Menschenrechtsverletzungen preisgeben, noch sollten sie diese Personen auf andere Weise bestrafen. Darüber hinaus dürfen Journalist_innen, die Informationen zu Menschenrechtsverletzungen weitergeben, niemals solchen Maßnahmen ausgesetzt werden. Dasselbe gilt in der Regel für die Offenlegung oder Weitergabe von Informationen über andere Angelegenheiten von öffentlichem Interesse.

Das Recht auf freie Meinungsäußerung beinhaltet das journalistische Privileg, Informationsquellen nicht preisgeben zu müssen. Im Rahmen des zugrunde liegenden Rechts kann dieses Recht bestimmten zulässigen Einschränkungen unterliegen. Das Recht auf freie Meinungsäußerung kann unter anderem zum Schutz der nationalen Sicherheit oder der öffentlichen Ordnung eingeschränkt werden, sofern die Beschränkungen notwendig und dem angestrebten Ziel angemessen sind. Der UN-Menschenrechtsausschuss hat dies in seiner Allgemeinen Bemerkung Nr. 34 wie folgt formuliert: „Die Vertragsstaaten sollten anerkennen und respektieren, dass das Recht auf freie Meinungsäußerung auch das eingeschränkte journalistische Privileg umfasst, Informationsquellen nicht offenzulegen“ (Ziffer 45).

Angesichts der Menschenrechtsverletzungen, die von den französischen Journalisten aufgedeckt wurden, stellen die vorläufigen Ermittlungen gegen sie eine unverhältnismäßige Einschränkung ihres Rechts auf freie Meinungsäußerung dar und sind unverzüglich einzustellen.

Nach dem französischen Gesetz zur Pressefreiheit von 1881 sind journalistische Informationsquellen geschützt, es sei denn, ein übergeordnetes öffentliches Interesse rechtfertigt Maßnahmen zur Offenlegung von Quellen und diese Maßnahmen sind notwendig und verhältnismäßig (Artikel 2). In diesem Fall stellt das Interesse des französischen Staates an der Verschleierung wichtiger Informationen über eine mögliche Beteiligung der französischen Regierung an der Verletzung des humanitären Völkerrechts im Jemen kein „übergeordnetes öffentliches Interesse“ dar. Im Gegenteil, die Veröffentlichung von Informationen über die ernste Gefahr des Einsatzes französischer Waffen gegen die Zivilbevölkerung im Jemen liegt im öffentlichen Interesse, da sie eine Verletzung des humanitären Völkerrechts darstellt. Darüber hinaus widersprechen die veröffentlichten Dokumente der Behauptung der Behörden, dass französische Waffen nicht direkt im Konflikt und nur zu Verteidigungszwecken eingesetzt werden, und sind ein Hinweis darauf, dass die französische Regierung ihren Verpflichtungen aus dem internationalen Waffenhandelsvertrag nicht nachkommt.

Frankreich hat das am 24. Dezember 2014 in Kraft getretenen Waffenhandelsvertrag unterzeichnet. Artikel 6 des Vertrags sieht vor, dass Staaten den Verkauf von Waffen nicht genehmigen dürfen, wenn sie wissen, dass diese zur Verübung von Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, schweren Verstößen gegen das Genfer Abkommen von 1949, Angriffen gegen die Zivilbevölkerung oder anderen Kriegsverbrechen eingesetzt werden könnten.

Nach französischem Strafrecht müssen Personen, die geheime Informationen über die Landesverteidigung preisgeben, mit einer Freiheitsstrafe von bis zu sieben Jahren und einer Geldstrafe von 100000 Euro rechnen (Artikel 413-10 und 413-11 des Strafgesetzbuches).